Trotz des Rechtsstreits um TV-Einschaltquoten ist der Werbevermarkter Goldbach weiter gewachsen. Der Umsatz mit Fernsehwerbung stieg im ersten Halbjahr 2013 um 5,4 Prozent.
In der Schweiz allein betrug das Plus gar 5,7 Prozent, verglichen mit einem Volumenwachstum des gesamten TV-Werbemarktes um 5,1 Prozent. Goldbach habe demnach Marktanteile gewonnen, sagte Firmenchef Klaus Kappeler am Mittwoch bei der Bilanzpräsentation in Zürich.
Das von Januar bis Juli vom Sender 3+ (der neben vielen anderen Stationen auch von Goldbach vermarktet wird) erreichte Publikationsverbot für neuartig erhobene TV-Daten der Stiftung Mediapulse habe die Umsätze nicht belastet. Spartenleiter Alex Duphorn erklärte, die Werbetarife seien zunächst noch anhand von alten Modellen kalkuliert worden.
Leistungsgarantie
Wenn nun die Zuschauerzahlen sinken, werden die Werbepreise pro Zuschauer teilweise angehoben. "Die Währung wird angeglichen", erklärte Duphorn. Es sei aber keine versteckte Preiserhöhung, denn in der Schweiz werde nicht weniger TV geschaut, sondern der Fernsehkonsum anders gemessen. Zudem hätten die TV-Sender eine Leistungsgarantie abgegeben: Erreicht ein Sender tatsächlich weniger Zuschauer, werden die Werbespots einfach öfters ausgestrahlt bis die angestrebte Reichweite erreicht ist.
Inzwischen haben 3+ und Mediapulse einen Vergleich geschlossen: Mediapulse darf die Daten von 3+ seit 2. August veröffentlichen, muss aber auf die Erfassung jener Zuschauer verzichten, die ausschliesslich über Computer fernsehen. "Wir haben viel Arbeit geleistet, damit der Vergleich erzielt werden konnte", sagte Kappeler, der auch Verwaltungsrat von Mediapulse ist.
Radiowerbung ausgelagert
Auch in den meisten anderen Geschäften konnte Goldbach zulegen, so bei Online- und mobiler Werbung. Einbussen gab es hingegen bei der Radiowerbung. Dieses Geschäft hat Goldbach per 1. Juli in die neu gegründete Gesellschaft Swiss Radioworld übertragen.
Der gesamte Semesterumsatz von Goldbach stieg um 5,6 Prozent auf 220,5 Millionen Franken. Der Gewinn fiel aber um 25,1 Prozent auf 2,6 Millionen Franken. Ohne Sonderfaktoren wäre er um 77,2 Prozent auf 3,1 Millionen Franken gestiegen: In der Vorjahresperiode hatte die Auflösung eines Softwarelizenzvertrages einen ausserordentlichen Erlös von 2 Millionen Franken eingebracht.
Digital-TV aufmischen
Zudem schrieb Goldbach in der Berichtsperiode 1 Millionen Franken an Kosten für den Aufbau eines Digital-TV-Empfangsgeräts ab. Noch vor Weihnachten soll die Box für den Empfang des Internetfernsehens Wilmaa lanciert werden. Preis und Angebot will Goldbach im Oktober bekannt geben. Unklar bleibt vorerst auch, wie viel Werbung auf die Kunden zukommt.
Kappeler sagte, bereits angedacht sei, mit der Box individualisierte Werbung zu ermöglichen. Ziel sei, bis Ende 2014 gut 25'000 Wilmaa-Boxen installiert zu haben. Kappeler sieht Platz neben Kabelnetzbetreibern und Swisscom: Noch immer verfügten 1,5 Millionen Haushalte nicht über Digital-TV, Chancen für neue Anbieter gebe es auch in der laufenden Umrüstung auf Glasfaserkabel. (sda)
Bild: Keystone

