«Unsere Schweizer DNA leben wir bis heute»

Omnicom Media Group Schweiz - Die Omnicom Media Group setzt auf zwei Erfolgsgaranten: Swissness und Mitarbeiterzufriedenheit. Vor 32 Jahren gegründet, hat sich aus der Mediaagentur im Zürcher Seefeld ein internationales Unternehmen entwickelt. Ein Gespräch mit CEO Jens Brecht.

von Matthias Ackeret

Jens Brecht, die Omnicom Media Group Schweiz hat einen interessanten neuen lokalen Purpose: «Wänn Erfolg Freud macht». Was wollen Sie damit ausdrücken?
Mit unserem Purpose halten wir fest, wofür die Omnicom Media Group Schweiz steht. Für eine leidenschaftliche und menschliche Arbeitsweise. Für Innovation, Transparenz und Nachhaltigkeit. Erfolg sollte nicht nur stur an Ergebnissen gemessen werden, sondern wir wollen unsere Kunden und Mitarbeitenden mit Leidenschaft und Innovationen begeistern. Das ist unser Credo. Wir machen unsere Arbeit wirklich gerne. Sobald die Arbeit keinen Spass mehr macht, wird es schwierig, und die Identifikation bleibt auf der Strecke.

Aber ist dies nicht eine Binsenwahrheit?
Ich glaube nicht, wir haben diesen Purpose in den vergangenen zwei Jahren zusammen mit einem externen Coach erarbeitet und unsere Mitarbeitenden neben der täglichen Arbeit beim ganzen Aufbau einbezogen. Meiner Meinung nach zeigt sich das Resultat dieser Bemühungen auch darin, dass unsere Geschäftsleitung seit Jahren stabil ist, was in unserer Branche keineswegs selbstverständlich ist. Für uns ist wichtig, dass diese Haltung auch gelebt wird und wir die Bedürfnisse von Mitarbeitenden wie auch Kunden einbeziehen. Wir wollen in dieser immer stärker datenbasierten Welt ein Quäntchen mehr Mensch sein.

Wo hat sich dies konkret gezeigt?
Eine leidenschaftliche und menschliche Arbeitsweise heisst für uns auch, dass wir in die Aus- und Weiterbildung unseres Teams investieren, zum Beispiel mit der OMG Academy. Als Lehrbetrieb fördern wir den Medianachwuchs und bilden aktuell sechs Lernende aus. Generell ist es uns wichtig, dass unsere Mitarbeitenden nicht das Gefühl haben, sie befänden sich in einem Hamsterrad und müssten immer die gleiche Tätigkeit ausüben.

Die Omnicom-Gruppe zählt zu den grössten Mediaagenturen der Welt. Da müssen Sie sich auch eine gewisse Autonomie schaffen …
Ja, das machen wir auch. Wir agieren sowohl in Zürich als auch in Wien sehr selbstständig. Selbstverständlich gehören wir einem grossen Netzwerk an und definieren unsere Geschäftsergebnisse zusammen. Aber gerade in der Schweiz verfügen wir aufgrund unserer Geschichte über einen lokalen Hintergrund.

Sie bezeichnen sich als das «schweizerischste Netzwerk».
Die Omnicom Media Group Schweiz hat vor zwei Jahren ihren 30. Geburtstag gefeiert. Die einst kleine Mediaagentur aus dem Zürcher Seefeld hat sich erst vor einigen Jahren einem der grössten internationalen Kommunikationsnetzwerke angeschlossen. Unsere Schweizer DNA leben wir dennoch bis heute, und darauf sind wir extrem stolz. Wir wollen aufzeigen, dass wir eigentlich eine lokale Agentur sind, die in den Anfangszeiten durch kluge Köpfe wie Peter Kettiger, Geri Aebi und Christof Kaufmann geprägt war, die im hiesigen Markt sehr gut vernetzt sind. Klar sind wir heute in ein internationales Netz eingebunden und nutzen selbstverständlich die Power von Omnicom in gewissen Bereichen. Stimmen aber die Zahlen, lässt man uns viel Freiheit, und wir können sehr autonom agieren.

Wie sieht denn der prozentuale Anteil der lokalen Kunden aus?
Aktuell beträgt er um die 40 Prozent. Das ist leider ein bisschen zu wenig. Wir versuchen dies aber zu steigern, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Unser lokales Angebot ist sehr vielfältig. Wir haben an unserem Standort Zürich beispielsweise eine eigene Insights- und Research-Abteilung, die mit lokaler Expertise kundenindividuelle Analysen erstellt. Ausserdem haben wir gerade unser eigenes Data Warehouse fertiggestellt.

Wie wird eigentlich die künstliche Intelligenz das Mediageschäft verändern?
Es ist klar, künstliche Intelligenz ist auch aus der Mediaplanung nicht mehr wegzudenken. Auch wir setzen stark auf Data Science und Machine Learning. Auch hier sind wir Pioniere und haben letztes Jahr unser eigenes Data Warehouse fertiggestellt, was die Grundlage bildet. Allerdings benötigt es für die Exzellenz, also die kreative und werbewirksame Medienplanung, immer noch den Faktor Mensch, der das Ganze steuert.

Aber besteht die Gefahr, dass künstliche Intelligenz plötzlich das ganze Mediageschäft dominieren wird?
Ich glaube, dass es den Menschen immer braucht, auch wenn sich dies ein bisschen nach «Prinzip Hoffnung» anhört, da dies mittlerweile jeder Zweite sagt. Gerade die technischen Abläufe wird man zweifellos optimieren können. Aber den menschlichen Kopf, der das Ganze intuitiv steuert und entscheidet, mit welchen Möglichkeiten man wann die bestmögliche Werbewirkung erreicht, den wird es immer brauchen.

«Wir glauben und hoffen, dass sich der Markt trotz aller internationaler Krisenherde stabilisiert»

Blicken wir auf den Schweizer Werbemarkt. Wie schätzen Sie diesen für 2024 ein?
Gemäss unserer Prognose wird das Brutto-Media-Volumen dieses Jahr um rund 4 Prozent ansteigen. Dies nach einem sehr unsicheren Jahr 2023. Wir glauben und hoffen, dass sich der Markt trotz aller internationaler Krisenherde stabilisiert.

Das ist ja ein positives Zeichen und zeigt doch, dass die Auftraggeber immer noch an die Wirkung der Werbung glauben.
Ja, das ist wirklich ein positives Signal. Vergangenes Jahr war äusserst sonderbar und schwer planbar, entstanden doch durch die Konflikte in der Ukraine und im Nahen Osten eine grosse Unsicherheit und eine starke Negativstimmung.

Wie sieht es bei der Werbeverteilung aus? Google und Meta erzielen hierzulande über 2 Milliarden Franken Werbeumsätze, also praktisch jeder zweite Werbefranken, der in der Schweiz erwirtschaftet wird, geht zu den Tech-Giganten. Wird sich dies ändern?
Ich glaube, dies wird sich nicht ändern. Im Gegenteil, langfristig wird noch mehr Geld zu Google, Meta oder TikTok abwandern. Es hat aber auch seine Berechtigung, da der Werbetreibende seine Zielgruppe erreicht. Es gibt aber definitiv auch Alternativen, um die Zielgruppe ebenfalls effizient erreichen zu können. Wir sehen das vor allem in der Zusammenarbeit mit unseren Schweizer Premiumpartnern, mit denen wir kundenindividuelle Lösungen umsetzen.



Das ausführliche Interview lesen Sie in der aktuellen Printausgabe von persönlich.