Unterwegs mit den besten B-Boys

Red Bull - Energydrink-Hersteller veröffentlicht hochklassigen Tanzfilm.

Kaum ein Brand versteht es besser coole Events für Marketingzwecke zu nutzen als der österreichische Powerdrink-Hersteller Red Bull. Seit Jahren tut sich das Unternehmen als Organisator von Extremsport-Events hervor. Doch auch im Bereich des sogenannten "Culture Marketings" wird viel investiert. Seit 2004 etwa in den Event Red Bull BC-One. Das zweistündige Spektakel, bei dem 16 der besten HipHop-Tänzer der Welt – B-Boys genannt – einzeln gegeneinander antreten, hat sich seit seiner ersten Austragung in Biel zu einem Anlass mit enormem Renomee entwickelt. Medien aus aller Welt berichten Jahr für Jahr über die wahnwitzigen Tanzduelle. Und für die Tänzer bedeutet bereits die Einladung den Ritterschlag.

Wer ans stets in einer anderen Metropole stattfindende BC-One reisen darf, gehört zur Elite und hat bereits an anderer Stelle Stil, Charakter und hohes Musikverständnis bewiesen. Denn man muss eine eigene Art zu Tanzen entwickelt haben, um in dieser Arena zu reüssieren. Letzte Woche stellte Red Bull in Paris den Film "Turn It Loose" vor, der sich ganz dem Event und seinen Hauptdarstellern widmet. Während gut 90 Minuten porträtiert der Film des Engländers Alastair Siddons sechs Tänzer, die 2007 nach Soweto in Südafrika fuhren, um gegeneinander anzutreten. Er zeigt ihre Vorbereitungen, beleuchtet ihren und lässt die jungen Ausnahmekönner aus Japan, Amerika, Senegal, Mexiko, Südkorea und Algerien über das Leben sinnieren.

Besonders eindrücklich sind die Bilder aus Dakar, die zeigen, wie sich Tänzer Ben-J in der senegalesischen Hauptstand in bescheidenen Verhältnissen auf den grossen Auftritt vorbereitet. Eher amüsant dann der Besuch bei dem aus Algerien stammenden und in Frankreich wohnenden Lilou. In seiner Wohnung präsentiert er stolz und schlitzohrig den 2005 gewonnenen Champion-Gürtel zeigt, der eigentlich als Wandertrophäe gedacht war. Ansonsten erfreut sich das Auge an vielen tollen Einstellungen und Spezialeffekten: Der durch die Strassen von Tokio tanzende Taisuke, die in der Luft schwebenden Tänzer oder der beim Mittagessen den nagenden Zweifel an den eigenen Fähigkeiten äussernde Koreaner Hong10.

In die Schweizer Kinos hat es der Film nicht geschafft. Er ist aber ab sofort – zumindest in der französischen Version – auf DVD erhältlich. Und auch wenn er gerade dann, wenn er mehr als ein Tanzfilm sein will, einige Längen aufweist, beleuchtet er diesen Hochleistungssport mit starkem kulturellen Rückgrat doch auf sehr eigene, direkte und allgemein verständliche Weise. Erstaunlich, was aus einer Marketingidee für einen Energydrink alles entstehen kann.

(Text: Adrian Schräder)