Von 'Geiz ist Geil' zu 'Geist ist geil'
Paradox, aber wahr: Je tiefer die Preise, desto unglücklicher die Kunden. Denn sinkende Preise bewirken sinkende Löhne -- eine Negativspirale, die den Harddiscount zum Symbol für einen unumkehrbaren sozialen Abstieg macht und letztlich dem Handel selber schadet. Noch schlimmer: Die Discount-Logik drängt uns an moralische und gesellschaftliche Grenzen, denn Verlierer ist der Wohlfahrtsstaat mit seinen Sicherheiten für kranke und ältere Menschen.
Gegen diese Bedrohung hilft nur ein Paradigmenwechsel: die grundsätzliche Abkehr von der "Geiz ist geil"-Mentalität. Entscheidend wird der Wettbewerb der Ideen und Werte -- nicht nur der Wettbewerb der Kosten. Darauf setzt das GDI 2006 mit seinem Jahresmotto "Geist ist geil".
Von 'Nouveaux Riches' zu 'Nouveaux Niches'
Der Wunsch nach Exklusivität ist nach der Billigwelle im Aufwind. Der Luxusmarkt reagiert mit neuen Angeboten, was ihn zunehmend fragmentiert. So entstehen "unterhalb" des klassischen Luxus' von Patek-Philippe und Bentley erschwinglichere Segmente: Die spanische Bekleidungskette Zara verkauft geschmackvollen "Cheap Chic", Schweizer Grossverteiler erfinden neue "Populuxe"-Linien für den "Mann von der Strasse" -- zum Beispiel Coop-"Fine Food" oder Migros-"Sélection".
Und der amerikanische Hotelkonzern Starwood (St. Regis, Sheraton) diversifiziert seine Ketten, um im "Subluxury"-Segment unterschiedliche Kategorien zahlkräftiger Gäste mit präzise zugeschnittenen Angeboten ansprechen zu können: Design-Freaks, etwa, oder Geschäftsreisende. Die Aufsplitterung des Luxussegments folgt einem allgemeinen Trend -- dem Streben nach radikaler Individualisierung.
Dennoch lassen sich im immer disparateren Markt ein paar Haupttendenzen erkennen: Das Bedürfnis nach Einfachheit und Qualität, die Suche nach dem Authentischen oder der Wunsch nach Zusammen-gehörigkeit und Gemeinsamkeit. Der Raum für Innovationen ist unbeschränkt, so lange die Artikel knapp gehalten werden. Denn nur was rar ist, wird als Luxus empfunden.
Vom Branchenwettbewerb zum Wettbewerb um das Portemonnaie
Die goldenen Wachstumsjahre sind vorbei. Die Einkommen steigen nur noch langsam und die festen Ausgaben für Steuern, Sozialabgaben oder Krankenkassen fressen immer mehr vom frei verfügbaren Einkommen weg. Konsequenz: Die Konsumnachfrage stagniert, der Kampf um die Kunden wird härter. Hinzu kommt: Virtuelle Anbieter haben sich fest etabliert und sorgen für transparente Märkte.
Der Hauptkonkurrent des Detailhandels kommt damit nicht mehr aus den eigenen Reihen. Das Spiel heisst "jeder gegen jeden", das Angebot explodiert auf allen Kanälen -- und die Kunden kaufen wählerischer denn je. Gewinnen wird derjenige, welcher im Portemonnaie der Konsumenten dominiert. Mögliches Wachstumspotential für den Einzelhandel liegt in Nischen, an den Rändern oder ausserhalb der eigenen Branche. Die fast zeitgleiche Lancierung der Mobiltelefonangebote von Coop und Migros sind erst Vorläufer dieser Entwicklung.
Vom 'Big Brother' zur 'Big Mother'
Die Technologie verliert ihren Schrecken. Mobiltelefone, GPS, biometrische Pässe, Hundechips, elektronische Gesundheitsüberwachung -- der elektronischen Leine entgeht bald keiner mehr. Weil sie das Leben vereinfacht, nimmt die Akzeptanz stetig zu. Desgleichen bei den Automaten: Führte die Einführung von Bancomaten einst zu Widerstand, so rebelliert die Kundschaft heute kaum noch dagegen, statt mit Menschen mit Maschinen zu kommunizieren.
Vielmehr ziehen die Konsumenten eine effiziente Selbstbedienung oft den Zumutungen durch ein unterqualifiziertes oder unmotiviertes Personal vor -- "Servolution"! Diese Mensch-Maschinen-Substitution führt zu einer radikalen Umwälzung der Arbeitswelt, ökonomische Vernetzungsphänomene wie "Outsourcing" und "Offshoring" nehmen zu. Für Unternehmen ist immer entscheidender, auf welche Weise sie Austausch und Beziehungen mit ihren Kunden und Märkten regeln.
Vom 'Lifestyle' zum 'Healthstyle'
Der Gesundheitsmarkt gilt als potentieller Träger des nächsten konjunkturellen Aufschwungs. AOL-Gründer Steve Case vergleicht den Zustand des Gesundheitssektors mit dem Internet zu Beginn des Dotcom-Booms! Neue Technologien, eine veränderte Wahrnehmung und die wachsende Ökonomisierung sind prägend. Gesundheit wird zunehmend zum Konsumgut und zum Mittel der Selbstdarstellung.
Prävention rückt ins Zentrum: Gesundheitsbewusstsein, Körper, Geist und Seele bilden den Kern der neuen Lebensphilosophie. Dieser neue «Healthstyle» verändert Konsum- und Dienstleistungsmärkte grundlegend, und damit die Mechanismen im gesamten Gesundheitssystem. Neue Wachstumszweige entstehen, Unternehmen im Gesundheitsmarkt müssen sich umpositionieren. Gleichzeitig wächst die Verunsicherung der Menschen mit der steigenden Zahl von Informationen und Optionen. Die Vernetzung verschiedener Branchen und Unternehmen wird eine Schlüsselrolle spielen.
Von 'Anti-Aging' zu 'Easy-Aging'
Immer mehr ältere Menschen -- das zeigt die demographische Entwicklung in den westlichen Ländern. Diese wachsende "Generation Gold" im Alter von 50 bis 70 Jahren wird künftig die Trends setzen, für sie müssen genau angepasste Angebote geschaffen werden: Innovationen, die einer alternden Bevölkerung Lebensfreude und Zukunftshoffnung verkaufen.
Zum Beispiel im "Markt für ewige Jugend": Natürlich schön zu bleiben und erfolgreich zu altern, ist anstrengend. Neue Mittel und Therapien gewinnen daher an Beliebtheit, aus "Anti-Aging" wird "Easy-Aging".