"Wawrinka kann künftig bessere Verträge abschliessen"

Sportmarketing - Sportvermarktungsexperte Florian Zimmermann sagt, wie der Triumph des Tennisspielers seinen Marktwert beeinflusst.

Herr Zimmermann, müssen Wawrinkas Sponsoren nach dem Triumph nun tiefer in die Kasse greifen?
Das kann ich nicht beurteilen, da ich nicht weiss, wie die Verträge verhandelt worden sind. Falls eine Leistungsprämie "Gewinn Grand Slam" drin war - klar, ja. Leistungsprämien sind grundsätzlich in Verträgen enthalten. Aber die Sponsoren ziehen ja auch eine grossen Nutzen aus seinem Erfolg. Seine stylische Hose ist bereits vergriffen.

Können Sie konkrete Beträge nennen, die Wawrinka nun verlangen kann?
Nein, das hängt sowohl mit den Rechten zusammen, die ein Sponsor erhält, wie auch mit weiteren vereinbarten Leistungen. Ein Partner, welcher aktiv mit Wawrinka wirbt, bezahlt sicher mehr, da er seine Bekanntheit nutzt. Ein Rahmen-Pricing wird sicherlich vorhanden sein. 

Florian Zimmermann ist Geschäftsführer bei der Sportvermarktungsagentur Number 8.

Auf Wawrinkas Website sind derzeit acht verschiedene Sponsoren aufgelistet. Hat er sein Potenzial ausgeschöpft?
Die Anzahl der Sponsoren ist relativ, der Umfang der Engagements ist ausschlaggebend. Wawrinka ist Tennisspieler – das ist sein Fokus. Die Engagements müssen gut gewählt sein und zu ihm passen. Weniger ist mehr.

Sie denken also, Wawrinka wurde bisher sponsorentechnisch gut beraten?
Dafür müsste ich die Details kennen. Ich denke nicht, dass in dieser Liga Laien am Werk sind. Manchmal ist eine Sicht von aussen sicherlich gut. Sponsoren müssen professionell behandelt werden, wenn Engagements langfristigsein sollen. 

Wawrinkas Art ist eher zurückhaltend und ruhig. Wie attraktiv ist er als Werbeträger im Vergleich mit anderen Sportlern?
Einzelsportler sind immer attraktiver als Teamsportler – sie stehen im Zentrum. Tennis ist beliebt, kommt oft im Fernsehen. Unternehmen müssen abschätzen, ob der "Typ Wawrinka" als Werbeträger passt. Stimmen die Werte überein, ist das authentisch?

Wawrinkas grösste Konkurrenz ist unbestritten Roger Federer. Sportlich konnte der Westschweizer seinen Landsmann übertrumpfen. Geschieht das auch bald auf dem Werbemarkt?
Federer hat 17 Grand Slams und 85 Turniere gewonnen, war die letzten zehn Jahre unglaublich erfolgreich, skandallos, sehr international  – ein Ausnahmeathlet. Diese Marke ist wohl kaum zu überbieten. Wawrinka kann künftig sicher bessere Verträge abschliessen, aber Federer hat sich über ein ganzes Jahrzehnt behauptet.

Lassen wir den Erfolg aussen vor: Welchen der beiden Spieler sehen Sie als besseren Werbeträger, wenn man nur das Charisma, den Auftritt und das Aussehen berücksichtigt?
Das kommt auf die Marke und Strategie der Firma draufan. Die beiden sind zwei komplett verschiedene Typen. Wichtig ist, das der Athlet zu der Marke und deren Botschaft passt – und auch authentisch ist. 

Zum Schluss: Was für einen Ratschlag würden Sie Wawrinka nach dessem jüngsten Erfolg geben, um auch sponosorentechnisch weltklasse zu werden?
Er soll authentisch sein, langfristig und nachhaltig denken. Eine Sportlerkarriere ist begrenzt, aber der Nutzen seiner Bekanntheit hilft ihm auch nach seiner Karriere noch. 
 
Interview: Nicolas Brütsch / Bilder: Keystone, z.V.g.