Die SBB führen im kommenden Jahr das SMS-Ticket ein. Wie SBB-Chef Benedikt Weibel in einem Interview des Tages-Anzeigers (Montagsausgabe) sagte, könnte diese Technologie mit der Zeit die Einführung abgestufter Billetttarife ermöglichen. Dadurch erhofft sich Weibel eine Verbesserung der Auslastung der SBB-Züge.
Das Auslastungsproblem der SBB werde mit der Bahn 2000 nochmals markant zunehmen, sagte Weibel in dem Interview. Ein Weg zur besseren Auslastung wäre gemäss dem SBB-Chef eine Differenzierung der Billettpreise. Ähnlich wie in der Luftfahrt würden die SBB unterschiedliche Tarife einführen, um schlecht ausgelastete Züge attraktiver zu machen und umgekehrt.
Technisch könnte dieses System der abgestuften Tarife zu unterschiedlichen Tageszeiten mit dem SMS-Ticket ermöglicht werden. Der Kauf eines Bahnbilletts übers Handy werde im kommenden Jahr eingeführt, sagte Weibel: "Als Kunde senden sie ein SMS mit Ausgangs- und Zielbahnhof an eine Nummer, und sie erhalten ihr Billett per SMS zurück."
Weibel räumte in dem Interview ein, dass ein Tarifsystem die Einschränkung der Wahlfreiheit und die Attraktivität der SBB auch schmälern würde. Das offene System dürfe in keiner Weise in Frage gestellt werden, sagte er. Allerdings könnten sich mit dem SMS-Ticket Möglichkeiten ergeben, die sich heute noch nicht vorstellen liessen.
Konsumentenschützer dagegen
Die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) wies die Idee postwendend zurück und warf Weibel vor, Äpfel mit Birnen zu vergleichen. In der Telefonie herrsche freier Markt, die Konsumenten könnten den Anbieter frei wählen. Bei der Bahn könne von Konkurrenz keine Rede sein, es gebe kein Ausweichen auf einen andern Anbieter. Freie Wahl würde durch differenzierte SBB-Tarife nur vorgegaukelt.