Die Swisscom hat zum Jahresauftakt deutlich weniger verdient als im Vorjahr. Der Reingewinn sank im ersten Quartal um 12,4 Prozent auf 390 Millionen Franken. Der branchenübliche Preiszerfall, höhere Abschreibungen und saisonale Effekte schlugen aufs Ergebnis durch.
Das Startquartal habe zwei Arbeitstage weniger gehabt als im Vorjahr, erklärte Swisscom-Chef Carsten Schloter am Freitag in einer Telefonkonferenz: So fiel der Karfreitag auf Ende März und der Februar hatte einen Tag weniger als im Schaltjahr 2012. "Ein Arbeitstag macht bei uns 25 Millionen Franken Umsatz aus", sagte Schloter.
Der Gesamtumsatz schrumpfte um 2,4 Prozent auf 2,734 Milliarden Franken. Neben den saisonalen Effekten schlug die Senkung der Preise fürs Telefonieren mit dem Handy im Ausland (sog. Roamingtarife) deutlich zu Buche. Der Betriebsgewinn vor Abschreibungen und Amortisationen (EBITDA) schrumpfte um 6,1 Prozent auf 1,031 Milliarden Franken.
Mit ihren Zahlen hat die Swisscom die Erwartungen verfehlt. Analysten hatten mit mehr Umsatz und Gewinn gerechnet. An der Schweizer Börse tauchte die Aktie um 1,8 Prozent.
Rekord an Neukunden
Einen Grossteil der Preiserosion habe man kompensieren können, sagte Schloter. So habe die Swisscom so viele Kunden gewonnen wie noch nie. Vor allem beim Fernsehen (+69'000) und Mobilfunk (+53'000) habe der "Blaue Riese" zahlreiche Neukunden angelockt.
Insbesondere die Bündelangebote, die Festnetz, Internet, TV und oft auch Mobilfunk enthalten, waren gefragt. Hier schoss der Umsatz um gut 37 Prozent auf 349 Millionen Franken nach oben. Dagegen mussten die Einzelverträge Federn lassen.
Insgesamt hat der "Blaue Riese" 6,27 Millionen Handykunden. Das sind 3,1 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zahl der TV-Abonnenten schoss um fast ein Drittel auf 860'000 nach oben. Die Festnetzanschlüsse nahmen indes weiter um 4 Prozent auf noch 2,97 Millionen ab, da immer mehr Menschen nur noch mit dem Handy telefonieren oder zu den Kabelnetzbetreibern abwandern.
Keine Tempolimiten
Nach den im vergangenen Sommer lancierten Pauschaltarifabos im Mobilfunk werde die Swisscom auch im Festnetz neue Angebote bringen. Details wollte Schloter aber noch nicht bekannt geben.
Nur eine Geschwindigkeitsdrosselung für Powersurfer im Festnetz, wie sie die Deutsche Telekom bei Überschreiten einer gewissen Datenmenge eingeführt und damit harsche Kritik ausgelöst hatte, sei bei der Swisscom nicht geplant. "Wir können den Schritt der Deutschen Telekom nicht nachvollziehen, zumal die starke Zunahme des Datenvolumens im Festnetz nicht wirklich ein Problem sein kann", sagte der Swisscom-Chef.
Der Trend gehe dahin, dass der Kunde von überall her mit verschiedenen Endgeräten immer auf seine Daten und auf Angebote aus der Datenwolke (sog. Cloud) zugreifen könne. Dies gehe mit einer Volumenbegrenzung à la Deutsche Telekom aber nicht. Ein Telekomanbieter habe genügend Möglichkeiten, sich über Qualität, Sicherheit, Leistungsfähigkeit von der Konkurrenz abzuheben und damit Geld zu verdienen, sagte Schloter.
Festhalten an Zielen
Die italienische Breitbandtochter Fastweb konnte dank dem mit Sky Italia lancierten Bündelangebot für TV und Breitband ebenfalls viele Neukunden locken. Dennoch sank der Umsatz um 5,9 Prozent auf 398 Mio. Euro. Grund sei die absichtliche Reduktion des Handelsgeschäfts mit Telefonminuten (Hubbing), das kaum Gewinn abwerfe, hiess es. Der operative Gewinn sank um 11 Prozent auf 97 Millionen Euro.
Trotz des Rückgangs im Startquartal hält die Swisscom für das Gesamtjahr 2013 an ihren Zielen fest. Sie erwartet weiterhin einen Umsatz von 11,3 Milliarden Franken und einen Rückgang des EBITDA von 4,38 Milliarden auf 4,25 Milliarden Franken. (sda)