Bei der Swisscom haben der Preiskampf und der starke Netzausbau im vergangenen Jahr aufs Ergebnis gedrückt. Trotz etwas mehr Umsatz musste der grösste Telekomkonzern der Schweiz einen deutlichen Gewinnrückgang hinnehmen.
Obwohl der Umsatz um 0,4 Prozent auf 11,434 Mrd. Fr. zulegte, sank der Betriebsgewinn vor Abschreibungen und Amortisationen (EBITDA) um 3,9 Prozent auf 4,3 Mrd. Franken. Der Reingewinn knickte gar um 6,6 Prozent auf 1,695 Mrd. Fr. ein.
"Wir haben ein solides Ergebnis erzielt, das leicht über unseren Erwartungen liegt", sagte Swisscom-Chef Urs Schaeppi am Donnerstag auf der Bilanzmedienkonferenz in Zürich. "Mir macht der Rückgang des Reingewinns keine Sorgen." Denn dessen Ursache seien hauptsächlich höhere Abschreibungen, weil die Swisscom deutlich mehr in die Infrastruktur und Produkte investiert habe. "Das sind Investitionen in unsere Zukunft", sagte Schaeppi.
Rennen um die schnellsten Netze
Nach der Preisoffensive beim Mobilfunk, welche die Konkurrenz unter Druck setzte, holte die Swisscom im vergangenen Jahr auch zum Gegenangriff im Rennen um die schnellsten Netze aus. Auf dem Glasfasernetz wurde das Spitzentempo unlängst auf 1 Gigabit pro Sekunde (= 1000 Mbit/s) verzehnfacht. So schnell ist kein anderer grosser Anbieter in der Schweiz.
Damit will die Swisscom der Konkurrenz durch die TV-Kabelnetzbetreiber Paroli bieten. Bis dahin hatte sich UPC Cablecom, die flächendeckend Geschwindigkeiten von bis zu 150 Mbit/s anbietet und in Bern gar bis zu 500 Mbit/s, in der Werbung über die langsamen Swisscom-Anschlüsse lustig gemacht.
Ende Dezember hat die Swisscom zusammen mit ihren Partner-Stadtwerken schweizweit 750'000 Wohnungen und Geschäfte mit Glasfasern erschlossen. Und der Ausbau geht rapide weiter. Bis Ende 2015 sollen 1 Mio. Wohnungen und Geschäfte an die Datenautobahn der Zukunft angedockt sein.
Zusätzlich will Schaeppi auch dem traditionellen Kupfernetz, das der Flaschenhals der Swisscom ist, mehr Schwung verleihen. Bis Ende 2015 sollen mehr als 1,3 Mio. Haushalte über das Kupfernetz Geschwindigkeiten von bis zu 100 Mbit/s erhalten. Danach soll der neue technische Standard "G.fast" (sprich: Dschi-dot-fast) sogar ein Spitzentempo von 500 Mbit/s ermöglichen.
Gas auch im Mobilfunk
Auch im Mobilfunk gibt die Swisscom kräftig Gas. So decke die neue vierte Mobilfunkgeneration LTE unterdessen 85 Prozent der Bevölkerung ab, was die ursprünglichen Erwartungen deutlich übertroffen habe. "Und wir bauen kontinuierlich weiter aus", sagte Schaeppi. Bis Ende Jahr sollen es deutlich über 90 Prozent sein.
Und auch hier trat der Branchenprimus der Konkurrenz eins ans Bein: Nachdem Sunrise vor einer Woche angekündigt hatte, das LTE-Tempo im dritten Quartal mit einer technischen Neuerung auf bis 300 Mbit/s verdoppeln zu wollen, konterte die Swisscom umgehend, man werde diese Aufrüstung schon im ersten Halbjahr starten.
Und dies, obwohl es noch kaum Geräte gibt, die den neuen Standard LTE-Advanced nutzen können: "Wir haben bei der Swisscom die Ambition, in Technologiethemen die Führerschaft zu übernehmen", sagte Schaeppi am Rande im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda.
"Wenn man mehr Leistung hat, entstehen neue Applikationen und Software, die diese Leistung brauchen." Damals bei der Einführung der dritten Mobilfunkgeneration UMTS hätten auch viele gesagt, solche Bandbreiten brauche man nie. "Wer möchte heute noch sein Smartphone mit der UMTS-Vorgängergeneration EDGE benutzen?", fragte Schaeppi: "Da schläft einem fast das Gesicht ein." Das zeige, wie wichtig es sei, die Bandbreiten der Netze auszubauen.
Datenvolumen verdoppelt
Dies ist auch dringend nötig: Mittlerweile gebe es 1 Million Kunden, die mit ihrem Handy LTE nutzen könnten. Zwei Drittel aller verkauften Handys seien Smartphones. Diese Alleskönnergeräte und die Tabletcomputer trieben alleine im vergangenen Jahr das Datenvolumen im Mobilfunknetz auf das Doppelte in die Höhe.
Erneut hat die Swisscom im vergangenen Jahr zehntausende neue Kunden für ihre Handyabos und für das TV-Angebot gewonnen. Damit konnte sie die Preiserosion im Inland und die Tarifsenkungen für Handygespräche im Ausland (sog. Roaming), die sich auf insgesamt 560 Mio. Fr. beliefen, praktisch wettmachen.
"Ein Drittel der Haushalte schaut mit uns fern. Wir haben 1 Mio. TV-Kunden", sagte Schaeppi. Das sei über ein Viertel mehr als im Vorjahr.
Für das laufende Jahr erwartet die Swisscom ein moderates Wachstum bei Umsatz und Betriebsergebnis (EBITDA). Der "Blaue Riese" peilt einen Umsatz von 11,5 Mrd. Fr. und einen EBITDA von 4,35 Mrd. Fr. an. Angesichts des Preiszerfalls seien diese Ziele ambitiös, sagte Schaeppi. (sda)