Wenn die Dose nicht ins Bild darf

Ski-Sponsoring - ZDF und ARD verbannen Getränkemarken aus ihren Zielrauminterviews, SRF und ORF lassen sie zu. Für Athletinnen und Athleten geht es um eine der wenigen Werbeflächen, die sie selbst vermarkten können.

Zum Weltcupauftakt in Sölden hat der Tages-Anzeiger am Samstag einen Streit aufgegriffen, der den Skizirkus seit Jahren begleitet. Auslöser war ein ZDF-Interview von 2022, bei dem der deutsche Speedfahrer Andreas Sander demonstrativ eine Dose vor sich platzierte. Seither kommt beim ZDF niemand mehr vor die Kamera, der Dose oder Flasche präsentieren will. Die ARD wendet dieselben Regeln an. Im März verzichtete deshalb der deutsche Slalomfahrer Linus Strasser beim Weltcupfinal auf das ZDF-Interview.

SRF geht einen anderen Weg. Auf Anfrage des Tages-Anzeigers schreibt der Sender, er sei sich der Thematik bewusst und stehe darüber seit Jahren mit Swiss-Ski und anderen Fernsehanstalten im Austausch. Bei den Zielrauminterviews zeige SRF die Fahrerinnen und Fahrer so, wie sie vor die Kamera treten. Über Präsenz und Positionierung der Getränke entschieden allein die Athleten. Auch beim ORF ist ein Verbot laut der Zeitung kaum ein Thema.

Wie der Tages-Anzeiger weiter berichtet, bleiben den Athleten neben der Dose nur zwei Flächen auf dem Helm und die Trainingsstartnummer. Der Rest der Kleidung gehört dem Verband, der ihnen keinen Lohn zahlt. Slalom-Ass Camille Rast bezeichnet die Dose gegenüber Tamedia deshalb als Teil ihres Lohns. Swiss-Ski sieht darin eine willkommene zusätzliche Einnahmequelle, sofern Marke und Umsetzung stimmen. Ganz ohne Zielkonflikte geht es aber nicht: Manche Kopfsponsoren finden, die Flasche erhalte zu viel Aufmerksamkeit, obwohl sie selbst am meisten zahlen. (cbe)