Die US-Werbewirtschaft bleibt den TV-Sendern auch nach drei Monaten Autorenstreik treu. Wie die New York Times berichtet, ist inzwischen eine Vielzahl populärer Shows und Serien aus dem Hauptabendprogramm verschwunden und die Sendezeiten müssen mit Reality-Formaten und ungetesteten Sendungen gefüllt werden. Auch die Übertragung der Oscar-Verleihung ist nach wie vor ungewiss.
Dennoch scheinen die Werbetreibenden ihre Aufträge aufrecht zu erhalten und haben zum Grossteil bereits ihre Verträge für das zweite Quartal 2008 verlängert. Ausschlaggebend dafür dürften die weiterhin relativ stabilen Einschaltquoten zur Primetime sein. Hinzu kommt, dass die meisten Werbekunden derzeit keine passende Alternative zum TV sehen.
"Mit dem Autorenstreik wäre zu erwarten gewesen, dass die Werber ihre Möglichkeiten nutzen, Verträge zu beenden", sagt Michael Parent, Vice President National Broadcast bei der Agentur TargetCast TCM. Weil aber der Markt so umkämpft und die Inflation so hoch seien, habe niemand wirklich davon Gebrauch gemacht.
Der kommende Monat Februar wird allerdings erst wirklich zeigen, wie stark die Nerven der Werbetreibenden sind. Sollte der Streik weitergehen und die Sender keine interessanten neuen Programme vorstellen, könnte die Geduld der Werbewirtschaft schon bald ein Ende finden.
Üblicherweise präsentieren die Fernsehanstalten im Februar neue Projekte, weil in dem Monat auch die Werbepreise für viele lokale TV-Gesellschaften fixiert werden. Dieses Jahr allerdings haben sie kaum noch neue Folgen von ihren populären Serien in der Hinterhand.
In den USA reichten die vorproduzierten Folgen bis Mitte Januar, nun aber gehen den Sendern nach und nach die Inhalte aus. Trotzdem bleibt das TV-Publikum und mit ihm die Werbewirtschaft vorerst noch am Ball. Letztere vor allem deshalb, weil die Alternativen fehlen, das Internet zum Beispiel noch nicht reif genug ist, das Fernsehen abzulösen, meinen Experten. Ein Teil werde zwar auf Kabelkanäle oder regionale Stationen abwandern, die grosse Mehrheit der Werbeargumente bliebe aber immer noch bei den TV-Sendernetzen. (pte)

