Das Marktforschungsunternehmen Media Focus und der Werbeauftraggeberverband SWA haben unlängst im Streit um die Werbestatistik eine Einigung erzielt. Mit der Gründung einer neuen User-Commission, welche Werbeauftraggeber, Mediaagenturen und Medien an einen Tisch bringt, sollen bisherige Mängel bereinigt werden.
Doch noch bevor die User-Commission das erste Mal getagt hat, werden nun bereits Zweifel an der getroffenen Lösung laut. Die Zuger Beratungsfirma Media Audit gab am Montag gegenüber "persoenlich.com" ihrer Skepsis Ausdruck, dass mit der Einberufung der Kommisson tatsächlich eine Besserung der statistischen Daten erreicht wird.
"Aufgrund den Erfahrungen mit Media Focus sind konkrete Zweifel angebracht, dass allein mit einer User-Commission die Bereinigung der gelisteten Mängel erreicht werden kann", erklärt Media Audit-Chef Karl Heinz Müller gegenüber "persoenlich.com". Seine Bedenken fussen nicht zuletzt darauf, dass die Kommission "ausdrücklich weder operative, exekutive oder gar kontrollierende Befugnisse" habe.
Für Müller mutet es daher wie ein schlechter Witz an, "dass Datenlieferanten und Kunden die Fehler von Media Focus nun ausbügeln sollen, ohne Gewähr, dass Media Focus dies dann auch vornehmen" werde. Er hegt den Verdacht, dass der SWA bei der Sache als Feigenblatt benutzt werden soll.
Pikant: Die Kritik stammt just von jenem Auditing-Unternehmen, dessen Recherchen den SWA auf die Fehler in der Werbestatistik aufmerksam machten. Media Audit hatte in einem Bericht, der im Mai publik wurde, darauf hingewiesen, dass die Daten von Media Focus ungenau seien, da sie zu über 40 Prozent auf kostenlosen Lieferungen der Medien beziehungsweise der Vermarkter bestünden. Auch die restlichen 60 Prozent der Daten -- zum grössten Teil Zahlen aus den Print-Medien -- seien sehr ungenau.
"Auch die Übung mit der User-Commission wird im Sand verlaufen", ist sich Müller sicher. Er zitiert gegenüber "persoenlich.com" einen Beteiligten: "Media Focus will oder kann nicht." Unter diesen Voraussetzungen wäre es laut Müller nun endlich an der Zeit, dass sich Medien/Vermarkter, Agenturen wie Werbeauftraggeber ernsthaft Gedanken um eine mögliche Alternative machen. "Die gibt es bekanntlich ja immer", so Müller, der nun auf die Eigeninitiative der beteiligten Unternehmen aus der Branche hofft.
Von den Misstönen nichts wissen will man dagegen bei Media Focus: "Zwischen dem SWA und Media Focus besteht eine sehr gute Zusammenarbeit. Das erste Treffen der User-Commission findet wie geplant statt", hiess es auf Anfrage von "persoenlich.com". Man spüre breite Akzeptanz bei allen Mitgliedern. Zur Kritik von Media Audit wollte man bei Media Focus keine Stellung nehmen.