Will gmx.ch helvetisieren

United Internet Media - Interview mit Vorstand Matthias Ehrlich.

Anlässlich des Einstiegs von United Internet Media in die Direktvermarktung von gmx.ch im Schweizer Markt waren gmx.ch und sein Vermarkter United Internet Media, führender Anbieter digitaler Media in Europa, erstmals auf der Swiss Online Marketing vertreten sein. Matthias Ehrlich leitet seit November 2005 die Sparte Media im 1&1 Konzern und verantwortet als Vorstand der United Internet Media die Mediavermarktung der konzerneigenen Portale. Persoenlich.com sprach mit ihm über die Messe, derzeitige Pläne in der Vermarktung von GMX.ch und Unterschiede zwischen der Vermarktung in der Schweiz und in Deutschland.

Anlässlich des Einstiegs von United Internet Media in die Direktvermarktung von gmx.ch im Schweizer Markt waren gmx.ch und sein Vermarkter United Internet Media, führender Anbieter digitaler Media in Europa, erstmals auf der Swiss Online Marketing vertreten sein. Matthias Ehrlich leitet seit November 2005 die Sparte Media im 1&1 Konzern und verantwortet als Vorstand der United Internet Media die Mediavermarktung der konzerneigenen Portale. Persoenlich.com sprach mit ihm über die Messe, derzeitige Pläne in der Vermarktung von GMX.ch und Unterschiede zwischen der Vermarktung in der Schweiz und in Deutschland.

United Internet Media verantwortet die Direktvermarktung von gmx.ch. Was ist zurzeit in Planung?

Matthias Ehrlich: Wir sind mit dem E-Mail-Dienst ja schon seit über zehn Jahren im Schweizer Markt aktiv, seit Jahresbeginn 2009 auch mit einem eigenen lokalen Schweiz-Channel mit eigener Redaktion auf dem gmx.ch-Portal. Die Nutzung diese Angebots hat sich sehr positiv entwickelt, so dass wir den Gmx-Schweiz-Channel bis Ende dieses Jahres inhaltlich umfangreich erweitern und zu einem eigenständigen Schweizer Portalangebot mit erweiterter eigener Schweiz-Redaktion ausbauen und "helvetisieren" werden. Gleichzeitig entwickelt sich der Schweizer Online-Werbemarkt sehr rasant und erfolgreich. Dies hat dazu geführt, dass sich der Anteil des Direktgeschäftes - gmx.ch wurde in der Vergangenheit traditionell im Portfolio von Goldbach Media mitvermarktet - an unserem stark wachsenden Schweiz-Geschäft in den letzten eineinhalb Jahren sukzessive auf 90 Prozent ausgeweitet hat. Diese Grössenordnung und die Dynamik der Marktentwicklung machen jetzt eine Eigenvermarktung mit Investitionen und personellem Engagement in der Schweiz vor Ort notwendig, um auch weiterhin an diesem Zukunftsmarkt teilhaben zu können. Mit diesem Schritt folgen wir dem Beispiel von Gmx Österreich, das wir zu Beginn des Jahres 2011 in die Eigenvermarktung genommen haben und das heute mit einem insgesamt 25-köpfigen Team, fünf Kollegen darunter direkt vor Ort in Wien, einer der grössten und erfolgreichsten Player im österreichischen Online-Werbemarkt ist. Diese Erfolgsgeschichte wollen wir jetzt auch in der Schweiz wiederholen.

Was heisst das konkret?

Wir werden im Sommer ein eigenes Verkaufsbüro in Zürich eröffnen, um künftig nicht mehr nur nah am, sondern mitten im Schweizer Markt zu sein.

Was bezwecken Sie mit dem Zürcher Büro?

Generell, denke ich, ist die Kombination aus einem grossen deutschsprachigen Qualitäts-Player in D-A-CH mit führendem Know-How in der Produkt- und Formateentwicklung, hoch kompetitiven Lösungsangeboten in zentralen Bereichen wie Mediasteuerung, vor allem Targeting, Bewegtbild etc. mit einer schlagkräftigen lokalen Mannschaft ideal. Die Verkaufskollegen vor Ort werden von umfangreicher Unterstützung von uns "deutschen Schweizern" in München, quasi "Thurgau-Nord" und Karlsruhe, quasi "Basel-Nord" profitieren. Das ermöglicht uns, mit innovativen Angeboten aufzuwarten, optimal auf die Bedürfnisse unserer Kunden und Agenturen einzugehen, schnell in der Umsetzung zu sein und uns mit hochwertigen Serviceleistungen in Bereichen wie Wirkungsforschung, Beratung, Konzeption etc. vom Mitbewerb abzusetzen. Damit können wir in einem vergleichsweise kleinen Markt wie der Schweiz ganz vorne dabei.

Welche Unterschiede bestehen zwischen der Vermarktung in Deutschland und derjenigen in der Schweiz?

Die Online-Vermarkter in der Schweiz, so ist mein Eindruck, haben es bislang deutlich besser als ihre deutschen Kollegen geschafft, die Wahrnehmung der Qualität und Wertigkeit von Online-Media hochzuhalten und in ein entsprechend hochwertiges Preisgefüge zu überführen. Das mag sicher auch der kleineren Grösse des Schweizer Online-Marktes und seiner geringeren Zersplitterung, der grösseren Homogenität der Angebote und des vergleichsweise geringeren Angebotsüberhang und damit Wettbewerbsdrucks geschuldet sein, eröffnet aber dennoch andere Vermarktungsmöglichkeiten. Dann kann ich hier auch kaum Fehlentwicklungen wie die Wirkungs- und Leistungsbewertung klassischer Display-Kampagnen anhand ungeeigneter Messgrössen wie einer Klickrate, unsinnige Diskreditierungsversuche wie die künstliche Spaltung von Bewegtbild inStream und inPage oder die masslose Überwertung von Social Media als Werbeumfeld erkennen. Alles in allem scheint der Schweizer Online-Markt seinen zeitlich verzögerten Durchbruch insofern mehr als wettzumachen, als dass schmerzhafte Irrwege anderer Märkte hier nicht wiederholt, sondern die Lernkurve gewinnbringend abgekürzt wird.

Mit gmx.ch waren Sie auch an der diesjährigen Swiss Online Marketing Messe präsent. Sind Sie zufrieden mit Ihrem Messe-Auftritt?

Wir sind sehr zufrieden. Die Swiss Online Marketing war eine sehr gute Präsenz- und Networking-Plattform, um uns tiefer im Schweizer Markt zu verankern: Wir konnten zahlreiche interessante Gespräche mit Publisher- und Vermarkterkollegen sowie Vertretern von Branchengremien führen, bestehende Kundenbeziehungen vertiefen, aber auch GMX.ch und United Internet Media bei neuen Partnern aus der werbetreibenden Industrie, dem Agentur-Bereich, Netzwerk-Anbietern und Vermittlern vorstellen.

Welchen Gesamteindruck haben Sie von der Messe?

Das Format einer Messe mit begleitendem Vortragskongress hat sich auch hier einmal mehr bewährt und uns z.B. die Möglichkeit gegeben, mit dem Thema Targeting auch inhaltlich Akzente beizutragen. Leider war die Teilnahme von Kunden und Playern aus der West-Schweiz etwas zu gering, hier besteht sicherlich noch Optimierungspotenzial. Sehr angenehm war dafür, dass im Vergleich zu anderen, vergleichbaren Veranstaltungen der Strom der Besucher gleichmässiger über die beiden Messetage verteilt war, was eine entspanntere Taktung der Gespräche und einen intensiveren Austausch ermöglichte. Die Messe-Party hat dann auch noch Gelegenheit zum klassischen Branchentalk geboten und war ein schöner Ausklang des ersten Messetages. Alles in allem hat uns die Swiss Online Marketing ein sehr professionelles Umfeld für einen gelungenen Erstaufschlag geboten.

Welche Eindrücke nehmen Sie von der Messe mit?

Zum einen, dass der Schweizer Online-Werbemarkt – und das ist sicher auch der Grösse geschuldet – ein sehr auf Kooperation der heimischen Player ausgerichteter Markt ist. Dieses familiäre und dennoch zugleich sehr professionelle Miteinander ist nicht nur sehr angenehm, sondern bietet auch die grosse Chance, den Online-Markt angebotsseitig im Sinne der angestammten Schweizer Medienunternehmen weiterzuentwickeln und gross zu machen. Strukturelle Fehlentwicklungen, die andere Märkte wie z.B. Deutschland aus der übergrossen Konkurrenz von Print-, TV und Online befördert haben, die es dann US-amerikanischen Global Playern wie Google und Facebook ermöglichten, den deutschen Markt mit ihren Geschäftsmodellen zu überrollen und zu dominieren, drohen hier nicht, wenn die Schweizer Online-Anbieter weiterhin so besonnen agieren. Und dann war natürlich spannend zu sehen, dass deutsche Online-Unternehmen ihre Präsenz auf der Swiss Online Marketing ausbauen. Das unterstreicht die Bedeutung der Schweiz und des Schweizer Online-Marktes innerhalb des deutschsprachigen Internets.

Sind Sie an der nächsten Swiss Online Marketing wieder dabei?

Vor dem Hintergrund der grossen Bedeutung des Schweizer Marktes für unser D-A-CH-Angebot auf Basis von GMx ist die Swiss Online Marketing eigentlich unverzichtbar.

Interview: Sibylle Lagler