28.03.2011

"Wir bieten 2,5 Millionen Neuprodukte an."

Angesagte Marken auf ricardo.ch: Immer mehr Umsatz generiert der Schweizer Online-Marktführer mit neuen Artikeln zu fixen Preisen. Dabei hat die Auktionsplattform gerade mit dem sympathischen Flohmarkt-Image und den verhandelbaren Preisen Kultstatus erlangt. Wird das Brockenhaus nun zur trendigen Boutique? "persoenlich.com“ hat beim CEO Heiner Kroke nachgefragt. Zum Interview:
"Wir bieten 2,5 Millionen Neuprodukte an."

Heiner Kroke. Auf ricardo.ch werden immer öfter Neuwaren verkauft. Wollen Sie das Flohmarkt-Image abstreifen?

Rund 20 Prozent der Waren auf ricardo.ch sind neue Fixpreiswaren und werden von professionellen oder halb-professionellen Verkäufern angeboten. Und was viele nicht wissen: Spätestens seit der Lancierung von shops.ch (shops.ch ist ein eigenständiger Bereich auf ricardo.ch. Es werden ausschliesslich neue Produkte zu festen Preisen angeboten.) bietet ricardo.ch in diesem separaten Bereich über 2,5 Millionen Neuprodukte ausschliesslich von renommierten Unternehmen an.

Dies hat mit Flohmarkt nichts mehr zu tun. Demzufolge wollen wir jetzt deutlicher kommunizieren, dass ricardo.ch nicht nur ein Marktplatz für "Sammler, Trödler und Schnäppchenjäger" ist, sondern auch für Konsumenten, welche besonderen Wert auf Markenprodukte von renommierten Anbietern legen. ricardo.ch ist der grösste Schweizer Online-Markplatz und deckt somit alle Käuferbedürfnisse ab.

Die Nachfrage für neue Produkte steigt stark an. Halten Sie längerfristig trotzdem auch an Gebrauchtwaren fest?

Auf jeden Fall! ricardo.ch verdient den Hauptteil seiner Einnahmen mit Second-hand-Produkten und Auktionen. Wir sind ein Marktplatz für "sowohl als auch". ricardo.ch ist und bleibt deshalb auch ein Marktplatz für Occasionen und Auktionen.

Auf der einen Seite Flohmarkt-Artikel, auf der anderen Seite neue Markenprodukte. Wie wollen Sie diese beiden Gegensätze imagemässig unter ein Dach bringen?

Genau dies ist unsere kommunikative Herausforderung. ricardo.ch ist ein Markplatz für alle und für alles, was den täglichen Gebrauch betrifft und wir bieten die grösste vorstellbare Bandbreite an Produkten an. "Wir sind alles" ist aber keine Botschaft, die die Konsumenten aufnehmen können, denn "alles" ist nicht konkret genug. Deshalb versuchen wir z.B. mit shops.ch Zielgruppen anzusprechen, welche sich nicht für Auktionen interessieren sondern für renommierte Marken und Anbieter.

Es gibt Leute, die haben den Onlinemarkt zu ihrer Haupteinnahmequelle gemacht und stellen für den Handel sogar Personal ein. Kennen Sie ein erfolgreiches Beispiel?

Wir kennen einige solche Beispiele und es gibt ganz viele verschiedene Abstufungen bei der professionellen Verkäuferschaft: Da haben wir die lokale Käserei mit ausgezeichneten Spezialitäten, welche rund 10 Prozent ihres Käseverkaufs über ricardo.ch abwickelt. Unser grösster Verkäufer mit Sitz in Neuenburg dagegen gab seine Festanstellung vor Jahren auf, um sich voll und ganz auf den Handel über ricardo.ch zu konzentrieren. Mit Erfolg: Er hat bald 200‘000 Artikel über ricardo.ch verkauft und sogar mehrere Mitarbeitende für die Verkaufsabwicklung eingestellt.

Welche Neuwaren lassen sich am besten über ricardo.ch verkaufen?

Es zählen vor allem der Preis und die Verfügbarkeit. Im Internet sind die Preise relativ einfach vergleichbar, weshalb vor allem Produkte zu konkurrenzfähigen Preisen gefragt sind. Dann eignen sich Produkte, welche einfach und kostengünstig lager- und lieferbar sind. Oder dann Nischenprodukte, welche man offline nicht überall bekommt.

Konkret?

Elektronikgeräte und Zubehör wie z.B. Handys, Akkus und Etuis. Auch Freizeitutensilien wie Hängematten und Trampoline laufen gut oder Spielsachen und Games. Gefragt sind auch Kleidung und Accessoires, Kosmetikprodukte und Parfums, Haushalt- und Küchenutensilien bis hin zur Pfanne - es gibt unzählige Beispiele.

Welches war Ihrer Meinung nach der originellste Artikel, der jemals über ricardo.ch versteigert wurde?

Nur einen zu nennen, ist fast unmöglich, weil wir immer wieder viele "verrückte" Angebote auf unserer Plattform haben. Absolut fantastisch war z.B. das Formel 1-Rennen mit dem Sauber-Team, welches man ersteigern konnte, oder der Oldtimer-Trainingsflug mit der Patrouille Suisse. Es wurden auch schon Original-Werke von Hans Erni oder ein von Dalai Lama gemaltes Bild über uns verkauft. Hin und wieder findet man auch einen Ferrari ab 1 Franken Startpreis - der Fundus an Trouvaillen ist schier unbegrenzt.

Was haben Sie sich zuletzt bei Ihrem Portal gegönnt?

Mein letzter persönlicher Kauf war ein Bluetooth Headset für VoIP. Ich gönne mir aber durchaus nicht nur praktische Dinge, sondern auch Spassiges, wie z.B. einen ferngesteuerten Hubschrauber. Kulinarisch bin ich zudem ein grosser Fan des bereits genannten Käsers - sein Käse ist einfach herrlich.

ricardo.ch ist Marktführer in der Schweiz und kontrolliert 90 Prozent der Online-Auktionen. Warum hat E-Bay keine Chance? Was machen Sie besser?

Es gibt mehrere Gründe, warum wir in der Schweiz die Nummer 1 im E-Commerce sind. Der Hauptgrund liegt wohl aber in unseren nationalen Strategie: ricardo.ch ist ein Unternehmen, das in der Schweiz verwurzelt ist. Wer unseren Kundendienst anruft, der wird von Mitarbeitenden in Zug und in den 6 in der Schweiz am häufigsten gesprochenen Sprachen beraten und nicht über ein Callcenter im Ausland bedient.

Unser Marketing macht von der Schweiz aus Kampagnen für das Schweizer Publikum. Man trifft ricardo.ch sogar an einem Schwingfest oder beim Snowboarden auf dem Titlis an. Dies schafft Nähe zu den Kunden. Des Weiteren hören wir von unseren Kunden - die wir Mitglieder nennen - auch immer wieder das Feedback, dass wir als nutzerfreundlicher und sicherer wahrgenommen werden als unsere Konkurrenz.

Wie bewerben Sie Ihre Plattform?

Der grösste Teil unserer Marketing-Ausgaben betrifft natürlich das Online-Marketing. Suchmaschinen-Optimierung und Suchmaschinen-Marketing sowie Online-Partnerschaften und -Kampagnen sind für uns die grössten Ausgabeposten. Dabei lässt sich der Erfolg anhand der Klicks und Visits eins zu eins überprüfen, was bei den meisten Offline-Massnahmen nicht oder nur aufwändig möglich ist. Selbstverständlich machen wir auch immer wieder Offline-Werbung, diese dann aber in der Regel sehr gezielt - als Online-Produkt ist der Medienbruch für uns ein grosses Hindernis.

Gibt es einen typischen ricardo.ch-Kunden?

Der typische Schweizer Durchschnitt ist unser Kunde. 70 Prozent unserer Mitglieder sind männlich. Wobei: Oft haben die Männer bloss den Account eingerichtet und effektiv einkaufen tun die Frauen. Das Alter liegt bei 40 Jahren, durchschnittlich kaufen die Mitglieder Artikel im Wert von je 70 Franken ein. Da wir eine Interaktionsplattform sind haben wir zudem zwei Arten von Kunden: Die Verkäufer, welche uns für ihre Verkäufe eine Kommission bezahlen und die Käufer, welche im Grunde die Kunden der Verkäufer sind, aber unsere Plattform nutzen.

Heute finden täglich 20'000 Transaktionen auf ricardo.ch statt - wie viel mehr liegt noch drin?

Wir rechnen weiterhin mit einem schönen Wachstum. Langfristig gesehen wird sich dieses jedoch immer weiter in den Neuwarenbereich verlagern. Was aber - wie schon erwähnt - nicht bedeutet, dass wir den Auktionsteil vernachlässigen werden.

Wo wollen Sie Ende Jahr mit ricardo.ch sein?

Wir werden die Funktionalitäten auf ricardo.ch weiter ausbauen und verbessern und Anpassungen vornehmen. Hinzu kommt, dass Mobile-Shopping strategisch einen höheren Stellenwert bekommen wird und wir auch unsere Mobile-Palette laufend verbessern. Und wir wollen im Gratis-Inserate-Bereich und mit shops.ch einen bedeutenden Schritt weiterkommen. Im Marketing und in der Kommunikation wollen wir noch gradliniger werden und mehr fokussieren.

Interview: Christine Schnyder


Kommentar wird gesendet...

KOMMENTARE

Kommentarfunktion wurde geschlossen