«Wir brauchen ein einheitliches Buchungstool»

AdAgent - Innert Kürze haben die Verlage mit AdAgent eine Nachfolgefirma für die Konkurs gegangene Publicitas aus dem Boden gestampft. Nun melden sich die Kommunikationsagenturen zu Wort. Catherine Purgly vom LSA befürchtet, die neue Firma sei nicht neutral.

von Matthias Ackeret

Frau Purgly, der LSA begrüsst die Bestrebungen der Verlage, eine Nachfolgegesellschaft der «P» auf die Beine zu stellen. Wie müsste eine solche Firma aussehen?
Wir fordern von einer Nachfolgegesellschaft, dass sie dem Markt einen einheitlichen Standard mit einem zeitgemässen Tool zur Verfügung stellt, mit welchem Printplanungen vollständig, sicher, plattformunabhängig, zuverlässig und benutzerfreundlich abgewickelt werden können. Zudem fordern wir von den involvierten Verlagen, dass sie ihre Verantwortung für das Print-Gattungsmarketing wahrnehmen.

Nun gibt es mit AdAgent bereits ein solches Projekt. Erfüllt dies die Erwartungen Ihres Verbandes?
Es gibt momentan noch viele offene Fragen. Die Gesellschaft hat ja erst ihre Tätigkeit aufgenommen. Für die LSA-Mediaagenturen ist aber klar: Eine schnelle Einführung eines einheitlichen Buchungstools für die Gattung Print wäre aus Sicht der führenden Kommunikations- und Mediaagenturen mehr als wünschenswert. In anderen Gattungen ist dies längst Realität, eine deutliche Effizienzsteigerung ist gerade für Print überlebenswichtig. Eine einheitliche Lösung zur Abwicklung des Printvolumens sollte im Interesse von den Verlagen sein, um die hoch fragmentierte Printlandschaft entsprechend zu bewirtschaften. Sollte es diese Lösung nicht geben, wird der Druck auf die Print-Umsätze deutlich grösser werden.

Warum befürchten Sie die fehlende Neutralität der neuen Firma?
Die Frage nach der Neutralität der neuen Gesellschaft wurde den Kommunikations- und Mediaagenturen bisher noch nicht zufriedenstellend beantwortet. Wie stellt AdAgent sicher, dass Informationen, welche nicht die Trägerunternehmen von AdAgent betreffen, vertraulich behandelt werden?

Welche sind die primären Interessen der Kommunikations- und Mediaagenturen?
Der LSA fordert, dass die Printbranche geschlossen agiert und es in kurzer Zeit wieder möglich sein wird, Planungen und Buchungen für alle Titel wieder über ein Tool im Sinne von One-Order-One-Bill abzuwickeln. Ausserdem ist sicherzustellen, dass auch die Special Interest- und Fachtitel abgedeckt werden. Dieser Bereich ist am aufwändigsten in der Planung. Es ist ein Bedürfnis der Mediaagenturen, dass alle Titel über AdAgent gebucht werden können, unabhängig davon, ob AdAgent eine Vereinbarung mit diesen abschliesst oder nicht.

Arbeiten Sie mit den Verlagen und dem Verband Schweizer Medien bei der Lancierung dieses Tools zusammen?
Die Erwartungen des LSA an eine Branchenlösung, wie sie die neu gegründete Gesellschaft AdAgent angekündigt hatte, sind hoch. Deshalb haben wir Bereitschaft signalisiert, an einer Lösung mitzuarbeiten.

Sind durch den Konkurs der «P» Kommunikations- und Mediaagenturen zu Schaden gekommen?
Ja, wir haben Mitgliederagenturen, welche sich auf die Dienste der P verlassen haben. Diese müssen sich jetzt ohne Vorwarnung auf die neue Situation einstellen. Zudem dürften die Agenturen einen höheren Aufwand für Rechtsberatungen haben, da nicht klar ist, welche Forderungen nun berechtigt sind und welche nicht.

Was bedeutet dieser Untergang für Ihre Branche?
Eine grosse Unsicherheit im Markt, viele offene Fragen und eine gewisse Orientierungslosigkeit. Es wird sich weisen, ob es gelingt, mit der neuen Gesellschaft innert kürzester Zeit eine zufriedenstellende Branchenlösung zur Verfügung zu stellen, damit die Gattung Print nach wie vor die Unterstützung der Werbetreibenden und Mediaagenturen erhält wie bisher. 

Welches sind Ihre nächsten Schritte?
Der LSA trifft sich mit den Gründern von Ad Agent Ende Juni für erste Gespräche.