"Wir haben das Abbauszenario vorzeitig und offen kommuniziert"

- Die Swisscom hat mit der Ankündigung eines massiven Stellenabbaus in den letzten Tagen für negative Schlagzeilen gesorgt. In solchen Situationen erhält die Krisenkommunikation ein hohes Gewicht. "persoenlich.com" wollte von Stefan Nünlist, Leiter Group Communications & Public, wissen, wie seine Strategie aussieht, warum er keinen Imageschaden erwartet und auf welchen Märkten der Ex-Monopolist künftig Wachstum generieren will. Das Interview:

Rund 1000 Arbeitstellen abbauen trotz guter Zahlen -- die Öffentlichkeit hat empört reagiert. Was ist falsch gelaufen bei der Kommunikation?

Gar nichts. Wenn die Schweizer Politik mit einem neuen Fernmeldegesetz beschliesst, dass sich ein ehemaliger Monopolist dem Markt stellen soll, dann hat das notabene wirtschaftliche Konsequenzen bis hin zu Stellenabbau. Denn mit der Liberalisierung 1998 wurde entschieden, dass Swisscom kleiner wird und die Konkurrenten wachsen sollen. Wir haben bereits im Jahr 2000 angekündigt, insgesamt rund 3000 Arbeitsplätze abbauen zu müssen. So gesehen haben wir das Abbauszenario vorzeitig und offen kommuniziert. Natürlich ist eine Marktbereinigung vor allem für die Betroffenen immer sehr schwierig, das will ich nicht in Abrede stellen.

Wie beurteilen Sie die Gefahr eines Imageverlustes beim Normalbürger?

Die Gefahr ist gering. Unser Auftrag ist es, die Swisscom fit für den Markt zu machen und gesund zu erhalten, so lautet die Vorgabe. Swisscom ist ein gesundes Unternehmen und möchte das auch in Zukunft bleiben. Daher müssen wir uns rechtzeitig und konsequent an sich verändernde Marktbedingungen anpassen. Als gesundes Unternehmen können wir es uns auch leisten, den notwendigen Stellenabbau mit einem gut ausgebauten Sozialplan zu vollziehen. Zwar machen es wirtschaftlich härtere Zeiten wie heute nicht einfacher, Stellen abbauen zu müssen. Aber die Medien berichteten in den letzten Tagen ausführlich über unseren grosszügigen Sozialpläne, was positiv aufgenommen wird. Im übrigen bin ich sicher, dass die Bürger die Situation von Swisscom, unsere Anpassung vom Monopol an den Markt mit den sinkenden Preisen und dem Kostendruck auf das Unternehmen sehr differenziert wahrnehmen. Ebenso nehmen die Bürger wohl auch die Tatsachen wahr, dass Swisscom nach wie vor eine sehr attraktive Arbeitgeberin ist, dass Swisscom über 700 Lehrlinge ausbildet, jedes Jahr mehrere 100 Millionen Franken an Steuern bezahlt und für alle Kundinnen du Kunden ein sehr verlässliche, kompetente Partnerin bleibt.

Der Kanton Genf hat am Mittwoch mit einem Anbieterwechsel gedroht -- weitere Kantone könnten folgen. Wie gross schätzen Sie die Gefahr ein, dass nun ein allgemeiner Exodus zu Ihren Konkurrenten einsetzt?

Wir haben Konkurrenz -- ganz klar. Und es ist das Recht von jedem Kunden, sich das beste Angebot auf dem Markt zu suchen. Andererseits ist die Swisscom ein kompetitiver Anbieter, der sich sozial und wirtschaftlich sehr vernünftig verhält. Und dem tragen unsere Kunden Rechnung.

Um auf den Kanton Genf zurückzukommen: Für mich ist diese Drohung fast schon eine Aussage gegen die Liberalisierung. Und meines Wissen hatte sich Genf damals nicht dagegen ausgesprochen. Im übrigen haben wir im Vergleich zu unseren Konkurrenten vor Ort noch immer die meisten Arbeitsplätze, nämlich über 500.

Ex-Monopolisten wird häufig Arroganz vorgeworfen. Mit den angekündigten Stellenabbau könnten Sie dieses Bild bestätigen...

Ich glaube nicht, dass uns der Normalbürger als arrogant wahrnimmt. Natürlich ist ein Stellenabbau negativ. Die Vorgabe ist aber wie gesagt bekannt: Der politische Wille im Land hat uns den Auftrag gegeben, uns am Markt zu messen. Laufend sinkende Telefonkosten erfordern Kostensenkungen -- bis hin zu einem Stellenabbau. Dieses Einmaleins ist aber auch für den Bürger und Kunden nachvollziehbar. Vom Stellenabbau Betroffene haben während einem Jahr Zeit, sich neu zu orientieren, und das bei vollem Lohn. Hilfe bietet hier auch eine hausinterne Arbeitsvermittlung. Deshalb werden die Kosteneinsparungen erst später wirksam. Unsere Kommunikationphilosophie beruht darauf, rechtzeitig und offen zu informieren, seien dass die politischen Behörden, seien dass die Sozialpartner. Unsere Sozialpartner sind in die Mitwirkung einbezogen.

Swisscom-Chef Jens Alder hat sich gegen innovative Arbeitsplatzmodelle ausgesprochen. Wie lässt sich diese Antiquiertheit mit dem Brand eines Hightech-Unternehmens vereinbaren?

Das ist so nicht korrekt. Wir haben a priori nichts gegen neue Arbeitsmodelle, wenn sie uns helfen, die Kosten zu senken. Hier haben sich die Sozialpartner als unflexibel erwiesen, die zwar niedrigere Arbeitszeiten wollten, dies aber bei gleichem Lohn. Dies bewirkt genau das Gegenteil, nämlich höhere Kosten.

Wie sieht Ihre Kommunikation in Krisenzeiten generell aus?

Offen und zeitgerecht wie möglich zu informieren, dies genau auf die verschiedenen Zielgruppen ausgerichtet. Wobei man aber nicht vergessen darf, dass unsere Kommunikation durch das Börsenrecht einem engen Korsett unterworfen ist.

Wie will sich die Swisscom künftig von ihren Konkurrenten abheben?

Wir setzen ganz klar auch weiter auf die Teilmarktstrategie, also beispielsweise die Mobil- und Festnetzkommunikation. Wir sind in den verschiedenen Kommunikationsmärkten Leader, und das wollen wir auch bleiben. Dabei setzen wir vor allem auf Innovationen im Produktebereich.

In einem Interview mit "persönlich" haben Sie gesagt, dass der Schweizer Markt keine Wachstumschance mehr biete. Was heisst das für das operative Geschäft?

Das stimmt so für den regulierten Bereich des Marktes. Hier weisen wir tatsächlich einen nur noch leicht steigende und in Teilbereichen auch sinkende Umsätze aus. Anders sieht es jedoch im IT-Bereich sowie der Mobilkommunikation aus: Hier orte ich noch immer Wachstumchancen, die wir auch nutzen wollen.