03.03.2011

"Wir haben das Privileg, sehr schöne Produkte herzustellen."

Vor 175 Jahren wurde die Confiserie Sprüngli am Zürcher Paradeplatz gegründet. Das Unternehmen verkörpert Schweizer Qualität und Tüchtigkeit. Wann steht die Auslandexpansion an? Im Interview mit "persoenlich.com" verrät Geschäftsführer Tomas Prenosil sein Erfolgsgeheimnis. Er erklärt, warum es so schwierig war, die Marke "Luxemburgerli" zu schützen. Zum Text:
"Wir haben das Privileg, sehr schöne Produkte herzustellen."

Herr Prenosil, herzliche Gratulation zum 175-jährigen Jubiläum Ihrer Firma. Salopp gesagt, als Sprüngli-Chef verkörpern Sie vieles, was Sprüngli nicht ausmacht. Sie tragen einen nicht zürcherischen Namen und sind studierter Jurist.

(Lacht.) Das war am Anfang auch ein Kulturschock für das Unternehmen. Zwei, die Prenosil heissen, sollen Sprüngli führen? Mein Bruder und ich stammen aus Prag und sind während der Unruhen in der damaligen Tschechoslowakei Ende der 1960er-Jahre in die Schweiz gekommen. Unsere Familie war damals eng verbunden mit unserer Tante, die schon früher in die Schweiz geflohen war und 1970 Richard Sprüngli heiratete. Dass ein Schweizer Traditionsunternehmen von zwei Köpfen mit fremd klingendem Namen geführt wird, mag abwegig erscheinen. Der Name hat aber auch Vorteile: Als Prenosil bleiben wir unerkannt.

Diese Entwicklung war ursprünglich nicht geplant.

Nein, geplant war das alles nicht. Wir mussten uns in unseren Rollen erst finden und dann bewähren. Vor 17 Jahren bin ich als Produktionsleiter eingestiegen. Mein Onkel hat mich seinerzeit gefragt, ob ich mir diese Aufgabe vorstellen könne. Da bin ich ins kalte Wasser gesprungen. Heute bilden diese Jahre für mich eine unersetzliche Grundlage an breitem Fachwissen, welches mir in meiner täglichen Arbeit als CEO und Marketingleiter enorm hilfreich ist.

Ich behaupte: Bei einer bekannten Marke wie Sprüngli kann man keine grossen Fehler begehen.

Nein, im Gegenteil. Die Erwartungen der Kunden an den Namen Sprüngli sehr hoch. Da dürfen Sie sich keine Fehler erlauben. Zudem ändern sich Essgewohnheiten, Geschmäcke und Produktionsmethoden stetig, auch die Konkurrenz schläft nicht. Da reicht es nicht, bloss das Sprüngli-Erbe zu verwalten, dafür wäre ich die falsche Person. Wir haben das Privileg, sehr schöne Produkte herzustellen und unsere Kunden mit Praliné-Kreationen und Luxemburgerli zu verführen. Aber Genusswelt hin oder her, am Ende des Jahres muss man doch schauen, dass genügend Geld in der Kasse ist.

Sie kokettieren …

Überhaupt nicht. Was nützen uns 175 Jahre Tradition, wenn die Geschäfte schlecht laufen und wir nicht in der Lage sind, die sich wandelnden Anforderungen unternehmerisch und langfristig anzupacken? Deshalb wollen wir uns ständig verbessern und unser Unternehmen weiterbringen. In den letzten Jahren konnten wir durch zahlreiche neue Produkte, den Ausbau des Traiteur-Angebots mit Sandwichs und Salaten, den Onlinevertrieb sowie die Auffrischung unserer Marke und des gesamten Erscheinungsbildes die Ertragskraft markant stärken. Entscheidend war auch die erfolgreiche Repositionierung bewährter, vernachlässigter Marken. Wir haben es geschafft, neue Kunden zu gewinnen, ohne unsere traditionelle Kundschaft zu verlieren.

Ihr Konkurrent Teuscher verfügt über einen Standort an der berühmten Fifth Avenue in New York. Erzeugt dies Neidgefühle?

Adolf Teuscher junior hat in einem Interview einmal gesagt: "Sprüngli expandiert nach Winterthur und wir nach Los Angeles" (lacht). Jeder muss seinen eigenen Weg finden.

Herrscht unter den Platzhirschen eine grosse Konkurrenz, oder muss man die Situation sportlich betrachten?

Natürlich nehmen wir Konkurrenz sportlich. Aber der Konkurrenzkampf ist hart und die Situation weit weniger romantisch als früher, Er begann damit, die Spezialität seines heimatlichen Lehrmeisters zu produzieren. Das Gebäck kam bei der Kundschaft sehr gut an. Da man gerade keinen besseren Namen zur Hand hatte, taufte man das Gebäck nach seinem Herkunftsort.

Kann man die berühmten Luxemburgerli überhaupt schützen?

Die Marke ist geschützt.

Also ist nur Sprüngli berechtigt, die Luxemburgerli herzustellen?

Den Namen "Luxemburgerli" zu schützen, war markenrechtlich eine grosse Herausforderung. Luxemburg ist ja nicht einfach irgendeine Bezeichnung, sondern ein Nationalstaat. Allerdings konnten wir nachweisen, dass sich dieser Name für unsere Produkte in der Schweiz durchgesetzt hatte. In solchen Momenten ist es sicher von Vorteil, dass ich Jurist bin. Wer heute den Namen Luxemburgerli hört, denkt deshalb nicht an kleine Einwohner von Luxemburg, sondern an das feine Gebäck mit den verschiedenen Aromen und Farben der Confiserie Sprüngli.

Welche Rolle spielt der Nachhaltigkeitsaspekt?

Dieses Thema wird auch bei uns immer wichtiger. Einerseits unter dem Aspekt der Lebensmittelsicherheit. Hier unterliegen wir sehr strengen Vorschriften. Anderseits gehört es zu unserer Positionierung als Premiummarke, dass wir unsere Produkte aus besten Rohstoffen, ohne Konservierungsmittel und ohne künstliche Farbstoffe herstellen. Wo es möglich ist, berücksichtigen wir regionale Lieferanten. Bei den Rohstoffen für unsere Schokolade arbeiten wir mit zwei langjährigen Schweizer Lieferanten zusammen, die unsere hohen Ansprüche teilen. Wir pflegen den verantwortungsvollen Umgang mit der Umwelt und halten uns entlang der gesamten Wertschöpfungskette an hohe ethische Standards. Ich persönlich bin regelmässig vor Ort, um die Arbeitsbedingungen in den Herkunftsländern unserer Kakaobohnen persönlich zu überprüfen.

Wie schwierig ist es, Ladenlokale an passenden Standorten zu finden? Was plant Sprüngli im Online-Bereich? Lesen Sie das ganze Interview im aktuellen "persönlich"-Heft.

Interview: Matthias Ackeret


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