Die Street Parade ist offiziell ein Non-Profit-Anlass. Wie glaubwürdig ist das noch?
Das ist sehr glaubwürdig. Wir haben ein Budget aufgrund dessen Sponsoringgelder akquiriert werden. Es wird dabei nicht mehr und nicht weniger Geld reingeholt, als es braucht. Wir erhalten auch keinen Bonus oder andere Umsatzbeteiligungen. Gibt es einen Gewinn, wird dieser nicht ausgeschüttet, sondern als Rückstellung in der Vereinskasse behalten. Kann man eine Gratis-Veranstaltung, die kostendeckend arbeitet als kommerziell bezeichnen?
Die Verfasser einer HWV-Studie schätzen, dass die Street Parade 2001 in der Schweiz einen Geldstrom von 140 Millionen Franken auslöste. Mit der Street Parade machen Dank Euch alle das grosse Geschäft, nur Ihr geht leer aus, da der Verein Street Parade keinen Gewinn machen darf?
Das ist tatsächlich so und die eigentliche Ironie des Schicksals. Wir holen die Leute nach Zürich und abgarnieren tun die anderen. Damit meine ich nicht nur die Partyveranstalter. Auch die SBB oder die Stadt Zürich in Form von Steuern verdienen sich eine goldene Nase. Diejenigen, welche an der Street Parade im Sinne eines finanziellen Gewinns am wenigsten verdienen sind wir Organisatoren.
Ihr seid also die "Super-Teddy-Bären" von Zürich?
Ja, das kann man so sagen. Wir stellen uns die Frage des Non-Profit immer wieder, weil es zum Teil wirklich stossend ist, dass nur die anderen verdienen. Schaut man aber andere Paraden an, die kommerziell ausgerichtet sind -- ich denke da insbesondere an die Loveparade in Berlin oder die Lake Parade in Genf --, sieht man, dass die Leute mit einem ganz anderen Spirit an die Parade gehen.
Die Loveparade in Berlin fand erneut nicht statt, weil nicht genügend Sponsoren gefunden werden konnten...
Das stimmt nicht, es gab genug Sponsoren. Samsung wollte die ganze Loveparade finanzieren. Sponsoren wollen aber eine Gegenleistung, respektive ein Konzept, aus dem ersichtlich wird, wie das ganze umgesetzt wird. Dieses hat gefehlt. Das deutet darauf hin, dass die Loveparade eher aufgrund mangelnder Professionalität seitens der Organisatoren nicht zustande gekommen ist.
Gestaltet sich die Sponsorensuche auch für die Street Parade schwieriger?
Nicht schwieriger oder weniger schwierig als letztes Jahr. Die Sponsoren wollen einfach genauer wissen, was sie als Gegenleistung für ihr Geld bekommen. Es braucht daher mehr Arbeit, bis die Deals abgeschlossen sind.
Ergaben sich durch die Absage von SF DRS Nachteile bei der Sponsorensuche?
Nein, überhaupt nicht.
Warum wollte SF DRS die Street Parade nicht mehr übertragen?
Wir wurden von SF DRS plötzlich mit Geldforderungen konfrontiert und hätten die Übertragung mitfinanzieren müssen. Das war in den vergangenen Jahren nicht der Fall . Wir haben dann festgestellt, dass Tele Züri die gleiche Geschichte für deutlich weniger Geld machen kann. Dabei hat der Zürcher Sender in den vergangenen Jahren sehr gute Arbeit geleistet und in der Empfangsregion mehr Zuschauer als SF DRS erreicht. Es kam auch noch dazu, dass man bei SF DRS offensichtlich lieber ein Sechseläuten oder ein Jodlerfest überträgt, als die grösste Techno-Veranstaltung der Welt. Wir sind aber nicht im Streit auseinander gegangen, sondern im gegenseitigen Einvernehmen. Mit einem Glanz & Gloria-Special wird SF DRS auch an der diesjährigen Street Parade präsent sein.
Es sah zunächst auch so aus, als gäbe es aus Sponsorenmangel kein Radio Street Parade mehr. Im letzten Moment sprangen Radio Energy und 20 Minuten ein. Liegt das Geld nicht mehr auf der Strasse?
Wir müssen mit einem gegebenen Budget die ganze Street Parade organisieren. Wird es nötig, an einer Stelle Einsparungen zu machen, weil anderswo die Kosten höher ausfallen, setze ich zuerst beim Radio den Rotstift an. Man muss sehen, dass wir mit dem Radio der Szene und den Hörern ein Geschenk machen, das 50'000 Franken kostet. Unmittelbar nachdem in 20 Minuten gemeldet wurde, dass es kein Radio gibt, liefen die Telefone heiss. Es meldeten sich viele Leute, die das Radio mittragen wollten. Schliesslich haben wir uns für Radio Energy und 20 Minuten als Partner entschieden.
Das Motto der diesjährigen Street Parade lautet "today is tomorrow". Gilt dieses Motto auch im Speziellen für Euch als Organisatoren. Müsst Ihr bei der aktuellen Ausgabe bereits an die nächste denken?
Ja, "today is tomorrow" gilt auch für uns. Die Street Parade steht in einem Spannungsfeld von vielen Interessenvertretern. Wir müssen den Ansprüchen der Szene, der Stadtbevölkerung, der Sponsoren, der Tourismusspezialisten und nicht zuletzt auch derjenigen der Behörden gerecht werden. Diese haben alle grosse Freude an uns, zumindest solange der Anlass sie nichts kostet. today is tomorrow gilt auch, weil wir den Leuten immer etwas Neues anbieten wollen. Wir überlegen uns daher bereits, wie die Street Parade 2006 aussehen soll.
Ihr wurdet für die Organisation einer Street Parade in Berlin angefragt. Gibt es bald eine Expansion nach Berlin?
Diese Frage kann ich weder mit Ja noch mit Nein beantworten. Wir sind von zwei voneinander unabhängigen Stellen angefragt worden, ob wir eine Parade in Berlin durchführen wollen. Falsch sind sicher Meldungen, in denen es hiess, die Street Parade übernimmt die Loveparade. Ich habe keine Lust etwas zu übernehmen, das es nicht mehr gibt. Wir sind es der Berliner und der Deutschen Szene schuldig, dass die Sache mit allen positiven und negativen Aspekten überprüft wird. Das kann aber nicht in einer Nacht-und-Nebel-Aktion zwei Wochen vor der Street Parade geschehen. Wir werden das Thema nach der Street Parade in aller Ruhe abklären.