Herr Schmidli, die Edipresse will keine Exklusivpacht mehr. War die Publicitas zu teuer?
Im Gegenteil. Wir haben in den Verhandlungen dargelegt, dass wir für das gebotene Dienstleistungspaket sogar mehr als die heutige Pacht bräuchten.
Was war letztlich der Grund, warum die Edipresse die Vermarktung selbst in die Hände nehmen wollte?
Dass sich ein Verlag dieser Grössenordnung die Grundsatzfrage einer Eigenregie stellt, ist sicher nicht erstaunlich. Die genauen Gründe kann Ihnen nur Edipresse nennen. Unser Angebot stand und war sicher nicht unattraktiv - Edipresse hat es nicht angenommen.
Hans-Peter Rohner sagte einst, dass er lieber einen deutlichen Umsatzrückgang in Kauf nehme, als die Sparte mit einer niedrigen Rentabilität weiterzuführen. Wie gingen die Verhandlungen also über die Bühne?
Wir hatten sehr ausgiebige und offene Gespräche über das gesamte Geschäft. Dabei haben wir auf derselben Augenhöhe und unter grosser Transparenz argumentiert. Aber wir können und wollen nicht zu verlustbringenden Konditionen ja sagen, nur um einen Vertrag und damit Umsatzvolumen zu retten.
Edipresse will weiterhin mit der Publicitas zusammenarbeiten. Wie sieht diese Zusammenarbeit konkret aus?
Zuerst einmal werden alle Leute bei Publicitas alles daran setzen, die Edipresse-Titel bis zum 31.12.2009 als unsere Pacht-Titel optimal zu vermarkten. Ab 2010 werden wir neben unseren bestehenden Pacht-Titeln aus der Romandie und der übrigen Schweiz weiterhin auch die Titel von Edipresse anbieten - für die Werbekunden ändert sich also nichts. Unser Ziel ist es, so viel Umsatz wie möglich zu generieren, sofern die Konditionen für uns stimmen. Davon leben wir.
Betroffen sind 100 Mitarbeiter. Was passiert mit diesen?
Der Regievertrag dauert nun noch zehn Monate. In dieser Zeit brauchen wir alle unsere Leute. Es bleibt den Mitarbeitenden also Zeit, sich zu orientieren. Sowohl Publicitas, wie auch Edipresse werden mit den betroffenen Mitarbeitenden sprechen und ihnen Offerten machen. Entweder sie können bei Publicitas bleiben, oder sich bei Edipresse um einen der dort neu entstehenden Jobs in der Vermarktung bewerben.
Kommt es zu Entlassungen?
Das kann man heute noch nicht genau sagen. Aber ich kann es auch nicht ganz ausschliessen.
Die Publicitas als Outsourcing-Partner: Wie muss man sich das künftig vorstellen?
Wir haben unser Geschäftsmodell wie angekündigt durchleuchtet und sind nun daran, genau diese Frage zu beantworten. Für eine detaillierte Antwort in der Öffentlichkeit ist es also noch zu früh. Sicher ist aber, dass unsere Allmedia-Strategie ein gesundes Kerngeschäft braucht. Und das heisst Print.
NZZ-CEO Albert P. Stäheli plant ebenfalls den Inserateverkauf ins eigene Haus zurückzuholen. Wird es soweit kommen?
Das hängt sicher primär von unserer Leistung im Werbemarkt ab. Zuerst einmal werden wir also den noch mehrere Jahre laufenden Vertrag mit der NZZ bestens erfüllen. Wie die Medienlandschaft am Ende unseres Vertrages aussehen wird, weiss heute weder Polo Stäheli, noch ich. Wir tauschen uns aber regelmässig aus - wir pflegen sowohl auf der Stufe der Geschäftsleitungen, wie auf der operativen Ebene einen sehr offenen, konstruktiven Dialog.
Uns wurde zudem zugetragen, dass man sich mit der Tamedia mitten in Verhandlungen befindet.
Wir reden mit allen wichtigen Verlegern und alle wichtigen Verleger reden mit uns.
Offenbar könne sich die Tamedia eine enge Zusammenarbeit vorstellen. Können Sie dies bestätigen?
Publicitas bringt Tamedia einen erklecklichen Umsatz und gute Dienstleistungen. Martin Kall wäre nicht Martin Kall, wenn er nicht laufend Möglichkeiten ausloten würde, sein Geschäft zu verbessern.
(Interview via Mail: Christian Lüscher)