«Wir profitieren vom Wachstum überproportional»

Screen24 - Vor zwei Jahren als Start-up-Unternehmen Battery Doctor gegründet, hat Screen24 heute 30 Mitarbeiter und 1600 Bildschirme. CEO Michael Voss, früher in der Ringier-Konzernleitung, erklärt, was im Bereich Digitaler Aussenwerbung der neuste Schrei ist.

von Christian Beck

Herr Voss*, wann werden Sie zum grössten Anbieter von Digital-out-of-Home (DOOH) in der Schweiz?
Bereits heute ist Screen24 in einzelnen Kategorien das grösste DOOH-Netzwerk. Leider gibt es keine abschliessende Definition, nachdem sich die Grösse bemisst. Sind es die Anzahl Bildschirme, ist es der Gesamtumsatz oder ist es die Anzahl der Kunden? Screen24 ist in allen Bereichen bereits jetzt sehr stark. Natürlich ist das Ziel, in allen Kategorien zuvorderst zu sein.

Wie sieht es denn aus in Sachen Umsatz?
Wir haben einen deutlich siebenstelligen, stark wachsenden Umsatz. Wir entwickeln uns weiterhin sehr dynamisch, wobei wir weiterhin viel Wert auf gesundes Wachstum legen und die Profitabilität des Unternehmens vor Augen haben. Derzeit beschäftigen wir knapp 30 Mitarbeiter, ebenfalls stark wachsend. DOOH erfreut sich höchster Beliebtheit und wies in den letzten Jahren ein starkes Wachstum auf. Durch unsere erstklassigen Standorte profitieren wir davon überproportional.

Ursprünglich war das Ziel, 1000 Handy-Ladestationen zu installieren und diese über Werbung zu finanzieren. Ziel erreicht?
Das Ziel von 1000 Standorten haben wir innerhalb von 18 Monaten erreicht und wir wachsen kontinuierlich weiter. Mittlerweile haben wir ein weiteres Produkt im Sortiment: den CabScreen, ein Werbe-Bildschirm in Taxis.

Und ist dieser CabScreen ebenfalls ein Erfolg?
Ja, ein sehr grosser Erfolg. Mittlerweile sind wir in über 600 Fahrzeugen mit unseren Screens präsent. Die UBS und PostFinance waren zudem die grössten Aufträge des letzten Jahres. Beide haben unsere Screens im Taxi und das Branding auf den Fahrzeugen gebucht.

Taxikunden können aber gerade in der Stadt Zürich sehr international sein. Zielgruppenspezifische Werbung scheint da schwierig auszuspielen zu sein.
Grundsätzlich stimme ich Ihrer Aussage zu. Aber auch Touristen und internationale Geschäftsleute sind ein Kundensegment. Ausserdem kann, je nach Fahrregion und Tageszeit, sehr wohl zielgruppenspezifisch differenziert werden. Wir haben in allen Agglomerationen der Schweiz Taxi-Fahrzeuge, und die Kampagne kann individuell gesteuert werden.

Was hat das Taxiunternehmen davon, wenn Ihre Screens installiert werden?
Für das Taxiunternehmen gilt dasselbe, wie bei den Handy-Ladestationen. Jeder Partner eines Standortes erhält eine prozentuale Beteiligung am Umsatz.

Damit zurück zu den Handy-Ladestationen. Wird die Werbung überhaupt beachtet? Die Handybenutzer warten ja nicht daneben, bis ihr Gerät aufgeladen ist.
DOOH lebt davon, dass die Bildschirme von einer breiten Zielgruppe zu erkennen sind und betrifft eben nicht nur die Nutzer der Handy-Ladestation direkt. Unsere Screens sind aus der Entfernung sehr gut zu erkennen. Zudem ist das Kunden-individuelle Branding der Stationen, welches wir auch verkaufen, eine ideale Ergänzung, um die Werbewirkung zusätzlich zu verstärken.

Handy-Ladestationen und Bildschirme in Taxis. Was kommt als nächstes?
Touchscreens ermöglichen es, unmittelbar eine Interaktion auszuführen. Bereits heute gibt es Screens, die mit ihrer Umgebung interagieren und zum Beispiel merken, wenn jemand vor ihnen steht. Diese Technologie werden wir natürlich weiter entwickeln. Ausserdem besteht auch die Möglichkeit, den Screen selbst zum POS zu machen und etwa spezielle Incentives via Screen anzubieten.

Sie können geografische Kriterien für das Targeting berücksichtigen. Machen weitere Segmentierungen Sinn? Sie kennen ja die Betrachter der Bildschirme nicht.
Wir haben neben der regionalen Segmentierung heute bereits die Segmentierung in Shopping, Fitness und Gastronomie bei den Handyladestationen. Das hilft den Kunden das Targeting zu steuern. Zudem sind in unseren Stationen sogenannte Beacons installiert, die es erlauben, Nutzerprofile anonymisiert zu erkennen. Das heisst, der Screen weiss zum Beispiel, ob ein Kunde bereits am Vortag dort war oder misst wie lange jemand vor ihm steht. Unternehmen mit grosser Datenbank, beispielsweise in Loyalitätsprogrammen, könnten die Nutzer gezielt ansprechen, etwa mit Promotionen oder Vergünstigungen. Ein enormer Mehrwert, der leider bislang noch nicht genutzt wird.

Schauen wir über die Grenze: Nach einem Kooperationsvertrag mit der Volksbank Vorarlberg planen Sie den nationalen Roll-out in Österreich. Wie ist da der Stand der Dinge?
Wir führen intensive Gespräche mit Partnern in Österreich und werden dort das Netzwerk auf- und ausbauen. Die Kooperation mit der Volksbank Vorarlberg ist ein sehr guter Startpunkt dafür.

Ist eine weitere Expansion ins Ausland geplant?
Nach oder parallel zu Österreich ist auch Deutschland im Fokus, so dass wir die gesamte DACH-Region abdecken können. Mit anderen Ländern haben wir bereits Gespräche zu Franchise-Modellen. Wir suchen immer wieder nach starken Partnerschaften, um unser Netzwerk europaweit auszubauen.

Ist der Markt in der Schweiz erschöpft, dass Sie ins Ausland expandieren müssen?
Wir müssen nicht ins Ausland expandieren, sondern haben dieses aufgrund von Kunden- und Partneranfragen entschieden. Die internationale Ausrichtung gibt neue Impulse und neue Chancen uns weiterzuentwickeln. Das heisst aber nicht, dass wir nicht weiterhin stark in der Schweiz wachsen werden. Auch hier bieten sich zusätzliche Möglichkeiten, die wir ebenfalls ergreifen.


*Michael Voss war bis April 2015 CEO Publishing und Entertainment bei Ringier. Anschliessend war er bei Battery Doctor zuerst in beratender Funktion tätig, bevor er dann CEO und Partner wurde. Die Umfirmierung zu Screen24 erfolgte im Oktober 2016.