"Wir sind absolut auf Augenhöhe mit unseren Mitbewerbern"

- Nach einem kurzen Gastspiel bei Ringier Media Sales kehrte Ueli Weber anfangs Jahr zur Web2com zurück, die er aufgebaut und stark geprägt hat. Mit dem neuen Chef durchlief der geschrumpfte Onlinevermarkter in den letzten Monaten einen Reinvention-Prozess. Im Gespräch mit "persoenlich.com" erklärt Ueli Weber seine neue Strategie mit dem Namen "Intermix Marketing", mit der er Web2com zur alten Stärke führen möchte. Zudem dementiert er das Gerücht, dass er mit der Web2com einen Management-Buy-Out aus der PubliGroupe plante. Das Interview:

Herr Weber, Sie führen wieder die Web2com. Was war der Grund für Ihre Rückkehr?

Die Verantwortlichen der PubliGroupe haben mir einen spannenden und nachhaltigen Weg aufgezeigt, den sie mit dem Segment Digital & Marketing Services in den nächsten Monaten und Jahren beschreiten wollen. Dies hat mich überzeugt und dazu bewogen zur PubliGroupe zurück zu kehren.

Was waren Ihre wichtigsten Prioritäten, als Sie die Firma übernahmen?

Der schnellwachsende Schweizer Online-Werbemarkt bietet zahlreiche Chancen für Online-Marketing Firmen. Im Herbst letzten Jahres haben wir den nationalen und internationalen Markt analysiert. Basierend auf diesen Erkenntnissen haben wir unseren "Intermix Marketing" Ansatz entwickelt und neue Mitarbeiter rekrutiert, um die dafür geforderten Kompetenzen noch weiter zu stärken. Ein weiterer Schritt war das Erarbeiten von entsprechenden Produkten, Inhouse oder in Zusammenarbeit mit externen Partnern. Und schliesslich steht mit der Lancierung unseres neuen Premium Performance Netzwerks "ad4max" ein weiterer Meilenstein unmittelbar bevor.

Welchen Baustellen mussten Sie sich widmen?

Es sind klassische Fragestellungen, mit denen sich jede Führungskraft auseinandersetzt: Wohin soll die Reise gehen? Wie sieht der Weg dahin aus? Mein Ziel war und ist, unser Profil weiter zu schärfen und so die einzigartige Positionierung der Web2com noch klarer herauszuschälen.

Schon länger hat die Web2com kein klares Profil. Wie lautet Ihre neue Strategie?

Wir haben das klare Ziel, für unsere Kunden Marketing und Vertrieb onlinefähig zu machen, indem wir für sie einen optimalen und messbar wirkungsvollen Online-Marketingmix für sämtliche Onlinekanäle bieten. Bis Ende 2009 war Web2com ein Online-Vermarkter und Vermittler, der zum Geschäftssegment der Publicitas gehörte. Seit Januar 2010 sind wir ein neutraler Onlinemarketing-Dienstleister, der dem Geschäftssegment "Digital & Marketing Services" der PubliGroupe angegliedert ist. Zusammen mit den anderen Unternehmen in diesem Geschäftssegment - notabene führende Online-Experten wie Zanox, Namics oder Instanz – erbringen wir unterschiedliche Dienstleistungen zur Steigerung der Marketing-Performance unserer Kunden.

Warum hat der Mix von Branding- und Performance-Marketing Zukunft?

Unsere Kunden wollen erfolgreich wachsen. Sie wollen die Möglichkeiten des Online-Marketings voll ausschöpfen. Zentral dabei ist nicht, welche Disziplin genutzt wird, sondern welche Wirkung erzielt wird. Erfolgsbasiertes Online-Marketing erstreckt sich längst nicht mehr nur auf den losgelösten Einsatz verschiedener Online-Kanäle. Branding- und Performance-Marketing gehören fest zusammen. Sie sind das Yin und Yang des Online Marketings und eröffnen – richtig kombiniert und eingesetzt – zusätzliche Wachstumschancen für jedes Unternehmen.

Wie sieht die Zusammenarbeit mit Namics und Zanox aus?

Ein zentrales Element unseres "Intermix Marketing" Ansatzes ist, unseren Kunden ein modulares Leistungsportfolio anbieten zu können. Mit den Dienstleistungen von Zanox, namics und seit neuem auch Inztanz können wir unser Leistungsportfolio hervorragend abrunden. Für Zanox ist Web2com sogar exklusiver Partner in der Schweiz. Zwei Mitarbeitende unseres Teams kümmern sich ausschliesslich um das Thema Affiliate Marketing und um den Aufbau hier in der Schweiz. Bereits konnten wir verschiedene spannende Key Accounts gewinnen. Alle Beteiligten arbeiten eng zusammen und davon profitiert letztendlich der Kunde.

Wo unterscheidet man sich gegenüber den Konkurrenten wie Adlink oder Admazing?

Für unsere Kunden steht die ganzheitliche und disziplinenübergreifende Wirkung im Vordergrund, vom Steigern des Bekanntheitsgrades bis hin zum konkreten Kaufakt, sei es on- oder offline. Hier sehen wir uns als Partner, der losgelöst von verschiedenen Online-Kanälen mitdenkt und einzig die bestmögliche Wirkung für den eingesetzten Online-Marketingfranken zum Ziel hat. Dazu setzen wir professionelle Reporting- und Analyse Tools ein, um dem Kunden jederzeit einen umfassenden und messbaren Überblick über den Erfolg seiner Aktivitäten zu ermöglichen.

Hat die Web2com den Anschluss gegenüber Mitbewerbern verpasst?

Technisch sind wir absolut auf Augenhöhe mit unseren Mitbewerbern. Dennoch ist es nicht unser Ziel, die technisch "most-sophisticated" Lösung anzubieten, sondern jene mit der grössten Wirkung und dem grössten Erfolg für den Werbeauftraggeber. Wir sind für unsere Kunden ein neutraler und unabhängiger Online-Marketing- und Kommunikationspartner, der sämtliche Aspekte des Brandings und Transaktionsprozesse kennt und gezielt einzusetzen weiss.

Der Onlinemarkt ist im Umbruch. Inwiefern ist Web2com fit für die Zukunft?

Der aktuelle Onlinemarkt bietet unglaublich viele Chancen. Wir wollen unseren Kunden ermöglichen, diese zu nutzen und ihren "Return on Investment" nachhaltig zu optimieren. Die Basis dafür ist unser "Intermix Marketing" Ansatz mit unserem modularen Leistungsangebot, das uns erlaubt, auf die zukünftigen Entwicklungen des Marktes flexibel einzugehen. Unsere Eigenentwicklungen wie zum Beispiel das Premium-Performance-Netzwerk "ad4max" gehört zu dieser Produktpalette. Unser internationales Netzwerk bietet unseren Kunden zudem die Möglichkeit, kommende Online-Trends frühzeitig zu erkennen und einsetzen.

Wie nehmen Sie die gegenwärtige Entwicklung im Markt wahr?

Die hohe Geschwindigkeit an Innovationen und neuen Werbemöglichkeiten hat in den elf Jahren, in denen ich bisher in der Onlinewelt tätig war, kaum abgenommen. Was sich aber abzeichnet, ist eine immer stärkere Verschmelzung von On- und Offline, allen voran von TV und Online. Aber auch die Lancierung des iPad wird einiges in Bewegung setzen. Allen voran werden sich die Verlagshäuser intensiv mit dem Thema beschäftigen müssen. Zudem entdecken immer mehr international bekannte Brands die Vorteile der Onlinewerbung und verteilen ihre Media-Budgets entsprechend neu zu Gunsten der digitalen Medien. Und schliesslich steht der bereits lange erwartete und längst fällige Durchbruch von Mobile Advertising kurz bevor.

Gibt es Gefahren?

Sicherlich. Einerseits werden die Komplexität und die Vielfalt an Werbemöglichkeiten immer grösser und deshalb auch schwieriger zu überschauen. Als Folge davon fordern die Werbetreibenden zurecht detailliertere Reportings und Analysen. Andererseits sind die Unternehmen durch den aktuellen Social Media Hype verunsichert und fühlen sich zum Handeln gezwungen, ohne Rücksicht auf die Rentabilität solcher Aktivitäten. Und schliesslich sind da noch die User, die beunruhigt sind, über die zunehmende Generierung von Daten über ihr Surfverhalten. Hier gilt es an allen Fronten Aufklärungsarbeit zu betreiben. Für mich ist dies auch als Schweizer Präsident des internationalen Online-Verbandes IAB (Interactive Advertising Bureau) ein wesentlicher Punkt auf meiner Agenda.

Abschlussfrage: Es hielt sich lange das Gerücht, dass Sie einen Management-Buy-Out planten. Ist das wahr? Wollten Sie die Web2com aus der Publigroupe lösen?

(Schmunzelt) Mich erstaunt die Kreativität der Gerüchteküche innerhalb der Kommunikations-Branche immer wieder. Für mich war ein Management-Buy-Out zu keinem Zeitpunkt ein Thema.

Interview: Christian Lüscher