Der Werbevermarkter Publigroupe hat im Geschäftsjahr 2011 einen Gewinneinbruch hinnehmen müssen. Geharzt habe es vor allem beim Inserategeschäft (Media Sales), teilte Publigroupe am Freitag mit (vgl. persoenlich.com). CEO Hans-Peter Rohner nahm gegenüber persoenlich.com Stellung zu den roten Zahlen und zur Zukunft der Gruppe.

Herr Rohner, wie beurteilen Sie den heutigen Zustand der Publigroupe? Warum der Einbruch beim Nettogewinn?
Publigroupe befindet sich in einem radikalen Veränderungsprozess, weg von einem Print-dominierten Geschäft zu einem digitalen Unternehmen mit einem Umsatz, der bereits heute auf Basis Bruttomarge über 50% der Gruppe ausmacht. Ob es sich um Mobile Marketing, Lead Management, Performance Marketing, Affiliate Marketing handelt, wir bieten in unsere Gruppe solche Dienstleistungen an und werden uns noch mehr in diese Richtung bewegen. Bei Media Sales wird dieser Umbauprozess noch weiter dynamisiert werden müssen, weil der Marktanteil im Digitalgeschäft noch deutlich zu klein ist.
Für das laufende Jahr erwarten wir ein weiteres kräftiges Wachstum in den Online-Geschäften über alle Segmente hinweg. Dort sind auch weitere Investitionen geplant. In den traditionellen Branchen - vor allem dem Printgeschäft bei Media Sales - werden die Restrukturierungen die Profitabilität zwar verbessern, ob dies aber ausreicht, um die angestrebte Profitabilität zu erreichen, ist aus heutiger Sicht aufgrund des schwachen 1. Quartals bei Media Sales unsicher.
Insgesamt sind wir trotz eines tieferen Reingewinns 2011 überzeugt, dass wir als Gruppe auf dem richtigen Weg sind, uns den neuen Marktgegebenheiten anzupassen. Das Nettoresultat 2010 profitierte von einmaligen Sonderfaktoren, namentlich des Verkaufs der Edipresse-Beteiligungen. 2011 sah umgekehrt einige einmalige grössere Aufwendungen (bsp. Abschreiber auf Goodwill im Fernsehgeschäft).
Sie haben unlängst angekündigt, dass Sie als CEO zurücktreten werden. Wann wird dies der Fall sein?
Der neue CEO wird die Leitung der Gruppe voraussichtlich im 3. Quartal 2012 antreten. Der Name des CEOs wird in den nächsten Wochen bekannt gegeben.
Gibt es schon einen Favoriten für dieses Amt?
Kein Kommentar.
Bedeutet ein neuer CEO auch eine neue Ausrichtung der ganzen Gruppe?
Apriori steht die Ausrichtung für die Zukunft fest: "Marketing. More. Effective". Wir wollen die Marketingausgaben unserer Kunden optimieren und für sie einen bestmöglichen Return on Investment erreichen. Daran wird sich nichts ändern. In der Umsetzung dieser Strategie wird der CEO eine zentrale Rolle spielen und sicher auch neue Akzente setzen und seine eigenen Vorstellungen und Ideen einbringen.
Hat die Publigroupe die Absicht, sich in Zukunft von den Minderheitsbeteiligungen von Zanox und Local.ch trennen?
Das ist nicht geplant. Beide Beteiligungen entwickeln sich sehr gut, wie die Resultate 2011 wieder beweisen. Das Wachstum von Zanox von 20% in lokaler Währung mit einem Umsatz von 543,5 Millionen Franken zeigt die Dynamik dieses Geschäfts. Auch Local.ch entwickelt sich in eine sehr attraktive Richtung, weg vom reinen Suchdienst, wo wir eine absolut führende Stellung einnehmen, hin zu einem "Matchmaker". Der Konsument erwartet heute mehr von der Suche nach Personen, Firmen, Produkten und Dienstleistungen. Er möchte neben dem Finden des geeigneten Anbieters vermehrt wissen, wie ein Restaurant aussieht, was offeriert wird und idealerweise sofort eine Reservation tätigen. In diese faszinierende Richtung werden wir uns auch entwickeln.
Die Publigroupe hat in verschiedenen Städten noch einige interessante Liegenschaften. Wird man diese in unmittelbarer Zukunft verkaufen?
Es ist geplant, dieses Jahr vier Liegenschaften zu veräussern und einen Grossteil der Erträge an die Aktionäre der Gruppe zurückfliessen zu lassen.
Wie gestaltet sich momentan die Zusammenarbeit mit der Publigroupe und den Schweizer Verlegern?
Die Zusammenarbeit mit den grossen Schweizern Verlegern ist pragmatisch und gut. Die vielfältigen Formen der Zusammenarbeit mit unseren Medienpartnern zeigen, dass wir mit unserem modularen Service-Angebot das richtige Geschäftsmodell umsetzen. Es erlaubt uns, auf die Bedürfnisse der einzelnen Verleger einzugehen und ihnen massgeschneiderte Lösungen im Print- und Online-Bereich anzubieten. Dabei beraten wir Medienpartner auch im Bereich der Marktforschung und realisieren Projekte für sie. Aus Sicht des Produktangebots bedienen wir die Verleger auch zunehmend mit attraktiven digitalen Produkten, welche von unserer spezialisierten Unit Publicitas Digital entwickelt werden. Dies mit dem Ziel, ein bevorzugter Partner auch in den digitalen Medien zu werden.
Interview: Matthias Ackeret

