Stefan Heiniger. Wie spüren Sie bei ASICS den Laufboom?
Laufen liegt mehr denn je im Trend. Wir spüren das an Läufen, die wir sponsern. Am Lucerne Marathon letztes Jahr starteten 6'000 Personen, diesen Oktober waren es 8'000 und im 2011 rechnen wir mit 10'000 Läuferinnen und Läufern. Wir gehen davon aus, dass sich jährlich 10 bis 15 Prozent der Schweizer Bevölkerung neu fürs Laufen begeistern lässt.
Wieso ist Laufen hip?
Der Mensch macht sich heute mehr Gedanken über seine Gesundheit und seinen Körper. Er will das Beste aus sich machen, und das nicht nur jetzt gerade, sondern auch noch morgen und übermorgen. Die Nachhaltigkeit wird viel stärker gewichtet als früher. Dazu kommt, dass man überall laufen kann. Und nicht zuletzt legen die Frauen weiter zu. Noch vor 36 Jahren war Marathonlaufen bei ihnen verpönt.
Wie viele ASICS-Laufschuhe verkaufen Sie heute mehr als noch vor zehn Jahren?
Dreimal mehr. Wir sind im Running-Bereich, also was Laufschuhe für Läufer betrifft, die Nummer 1 in der Schweiz (und auch weltweit). Am Lucerne Marathon vor zwei Wochen machten wir bei den "Finisher" eine Umfrage: Über 61 Prozent von ihnen trugen ASICS-Schuhe. Auf Platz zwei folgte Adidas vor Nike. Danach kamen viele verschiedene Billigmarken.
Sie sind heute Geschäftsführer von ASICS Schweiz und führen 25 Leute von weltweit 3'000. Wie kamen Sie persönlich zum Laufsport?
Ursprünglich war ich Sportartikelverkäufer. Ich interessierte mich dabei vor allem für die Füsse und für das, was ihnen gut tut. So wurde ich schnell auf ASICS aufmerksam. Bei der japanischen Marke machte man sich schon damals darüber viel mehr Gedanken als bei den andern. Ich fand ASICS eine spannende Alternative zu Adidas und Puma und den noch in den Anfängen steckenden Nike-Schuhen. So beschloss ich vor 26 Jahren, ASICS in der Schweiz aufzubauen. Ich suchte die besten Sportartikelhändler und machte mit ihnen die Marke bekannt. Heute gibt es ASICS in 250 Läden in der Schweiz.
ASICS hat auch Sportbekleidung im Sortiment. Welchen Stellenwert hat sie?
Der eingefleischte Läufer kauft neben den Schuhen auch ein funktionales Shirt, weil er weiss, wie wichtig es ist, sich während des Laufes wohl zu fühlen. Der Einsteiger springt am Anfang mit den alten Sachen, weil er genau diesen Komfort noch unterschätzt. Dies widerspiegelt sich in unseren Verkaufszahlen: 80 Prozent des Umsatzes machen wir mit Schuhen, 20 Prozent mit den Kleidern. Hier wollen wir uns noch steigern und die 30-Prozent-Marke knacken.
Auf was muss man achten beim Schuhkauf?
Passform und Komfort sind wichtig. Aber am besten ist, wenn die Läufer eine Fussanalyse beim Sportfachhandel machen. Denn welcher Schuh der richtige ist, hängt ab von der Anatomie und dem Geschlecht, dem Laufstil, dem Körpergewicht und natürlich auch, für welche Distanz er bei welchem Tempo benutzt wird.
Bei Laufschuhen ist der Wettbewerb gross, vor allem Billigmarken drängen auf den Markt. Wie kann sich ASICS an der Spitze behaupten?
ASICS steht für Technologie, Forschung, Entwicklung und Kontinuität. Wir fokussieren uns seit Jahren auf das Eine: Was ist das Beste für den Läufer und in welcher Situation? Anhand dieser Frage verbessern wir unsere bekannten Modelle laufend, wir entwickeln sie weiter. Unser Kunde kann dabei sein bewährtes Modell beibehalten. Diese Kontinuität wird sehr geschätzt.
Was macht ASICS besser als die Mitbewerber?
Wir bleiben beim Running und zwar immer. Und wir liefern Informationen an die Läufer zum richtigen Zeitpunkt. Sie werden von uns in ihrer Leidenschaft begleitet, egal ob sie Profis oder Hobby-Läufer sind. Entsprechend haben wir auch für alle den einen perfekten Schuh. Die anderen Marken haben einfach jeweils einen starken Schuh, und der geht natürlich lang nicht für alle. Zudem sind die andern nicht so fokussiert. Adidas setzt in einem Jahr zum Beispiel aufs Laufen, dann kommt die Fussballweltmeisterschaft und Kicken rückt in den Vordergrund. Nike verschreibt sich der Mode, dann wieder dem Aerobic etc. Wir wechseln bei ASICS nicht hin und her.
Wo liegen die Schwierigkeiten?
Heute können sich die Kunden im Internet perfekt über ASICS informieren. Es ist wichtig, dass alle unsere Verkäufer dieses Know-how auch haben. Dafür braucht es gezielte Schulungen und Zeit die wir nicht immer haben, uns aber nehmen müssen.
Welche Rolle spielt Social Media bei Ihnen?
Die online Trainingsplattform MyASICS ist ein wichtiger Bestandteil. Hier kann der Trainingsplan zusammengestellt werden, man kann sich mit anderen messen oder Erfahrungen austauschen und mit ASICS in Verbindung treten. Im Januar 2011 kommt die neue Version.
Sie sponsern Viktor Röthlin. Wirkt sich sein Aufgeben am New York Marathon negativ auf die Marke aus?
Nein, in jeder Sportart gibt es Höhen und Tiefen. Wir hatten sogar positive Rückmeldungen, weil es Mut braucht, sich einzugestehen, dass es nicht mehr geht. Das ist ebenfalls ein Teil der ASICS-Philosophie: "anima sana in corpore sano" - gesunder Geist in einem gesunden Körper.
Wie wichtig ist das Weihnachtsgeschäft bei ASICS?
Bei den Schuhen spielt es keine Rolle. Unsere Kunden decken sich im Vorfeld des Laufes damit ein. Sie gehen dabei sehr professionell vor und treffen keine Bauchentscheide. Wir spüren deshalb immer ungefähr zwei Monate vor grossen Läufen einen Verkaufsanstieg. Bei den Kleidern verhält es sich etwas anders. Da ist das Weihnachtsgeschäft auch für uns wichtig. Sportler schenken ihren Liebsten gern ein schönes Laufshirt oder eine warme Mütze auf die Festtage.
Interview: Christine Schnyder