"Wir verstehen uns als eine Art Trendsetter"

SuisseEMEX’10 - CEO Ewa Ming zum Auftakt der Marketing-Fachmesse.

Frau Ming, wenn jetzt noch ein Firmen-CEO zögert, ob er die SuisseEmex besuchen soll – welche drei Highlights der diesjährigen Marketingmesse würden Sie ihm besonders empfehlen?

Heute, am 24. August, ist ja "sein" eigentlicher Tag, der CEO-Day. Darum meine erste Empfehlung: Kommen Sie am Unternehmertag, weil die Referate auf strategisch-unternehmerische Themen ausgerichtet sind. Dann haben wir auch eine Schweizer Premiere: Das Business Speed Networking - 13 Eventsessions, bei denen Gleichinteressierte nach bestimmten Themen zusammen kommen, Fachinformationen erhalten und andere Teilnehmer kennen lernen können. Als Drittes sollte er noch ins Onlineforum hineinschauen, weil dort die heutigen Online-Trends in kurzen Referaten erklärt werden und weil dort ein SocialMedia-Crash-Kurs angeboten wird: Ein 20minütiger Parcours über Twitter, Xing und und Facebook – und wie man sie fürs Unternehmen nutzen kann.

Apropos Social Media – welchen Stellenwert haben solche Onlineplattformen an der SuisseEMEX – und im Marketing von SuisseEMEX selbst?

Bei unserem eignen Marketing haben sie einen sehr hohen Stellenwert. Ich habe diese Kanäle gnadenlos ausgenützt. Selbst auf unserer Website kann man twittern – und man sieht auch, wie die Kurzmitteilungen eingehen. XING und Facebook haben wir beworben und wir merken, wie es funktioniert. Sonst aber ist SocialMedia im Marketingbereich erst am Kommen, viele Unternehmer können noch nicht recht damit umgehen. Wir verstehen uns somit durchaus als eine Art Trendsetter und thematisieren diese Marketingformen bewusst.

Was hat sich an der SuisseEMEX '10 gegenüber der Ausgabe 2009 Wesentliches verändert?

Wir zeigen das Gedankengut der vernetzen Marketingwelt noch stärker auf – auch setzen wir auf Interaktivität: Der Besucher soll noch mehr Teil der Foren werden, indem er an Liveabstimmungen teilnimmt, einem Moderator Fragen zuschickt oder sich beim Business Speed Networking einbringt. Ziel ist es, dass er aktiv eingebunden ist in den Messebesuch – und so noch mehr davon profitieren kann.

Businessspecials wie GreenVillage oder e-Businesspark trugen letztes Jahr aus Sicht der Aussteller "eher nicht" zur Attraktivität der Messe bei. Wie haben Sie dem Rechnung getragen?

Wir stellten fest, dass die Leute beim e-Businesspark gar nicht das Gefühl hatten, in einem "Park" drin zu stehen. Deshalb haben wir vom Park-Gedanken Abschied genommen und nennen es jetzt einfach "Bereich Onlinemarketing". Ähnlich beim GreenVillage: Den grünen Gedanken haben wir zwar beibehalten, aber nicht mehr als Village formuliert, sondern als "Greengallery". Denn viele Firmen wollten durchaus ihre Botschaft platzieren, aber ohne sich dem Standkonzept anpassen zu müssen. Wir sind also viel offener und kreativer geworden.

Welche Werbeformen/Medien hat die SuisseEmex '10 selbst in ihrem Marketingmix eingesetzt?

Neben Social Media, wie eingangs erwähnt, setzen wir nach wie vor sehr stark auf Print, weil wir ja verschiedenste Zielgruppen primär über Fachmedien ansprechen erreichen können. Dann verschicken wir unseren regelmässigen Online-Newsletter. Und schliesslich auch Directmarketing sehr wichtig: Kurz vor der Messe machten wir ein gezieltes Mailing, damit die Leute auch physisch etwas in der Hand haben.

Ihre Besucherumfrage 2009 zeigt: Bannerwerbung wurde von den Besuchern überhaupt nicht wahrgenommen. 69 Prozent der Besucher kamen aber aufgrund der Direktwerbung der Aussteller. Welche Schlussfolgerungen ziehen Sie daraus?

Nach meiner Erfahrung führt es rasch zu einer Übersättigung, wenn wir als Veranstalter einladen. Wir versuchen zwar, Hips und wesentliche Informationen zu thematisieren. Dennoch lesen die Leute bestenfalls die ersten drei Zeilen eines Newsletters, weil sie denken, dass wir bloss die Messe bewerben. Wenn aber ein Aussteller, den man kennt, seine Kunden persönlich anschreibt, sind diese offener, die Botschaft zu lesen und die Einladung wahrzunehmen. Trotzdem ist auch unser "Berieseln" nötig. Wir müssen den ganzen Marketingmix abdecken.

Sagen Sie den Ausstellern, dass deren Kontakt zu den Besuchern sozusagen das wertvollste Marketing ist?

Ja, dieses Bewusstsein fördern wir sehr stark, in dem wir Infoevents für Aussteller organisieren bei denen wir ihnen sagen, wie sie am meisten von einer Messepräsenz profitieren können. Wir geben ihnen Tips, Informationen oder die Möglichkeit, Gutscheine auszudrucken. Und sagen jedem: Wenn du wirbst, kommt es besser an. Aber ich würde behaupten, dass die Hälfte der Aussteller nichts macht, sondern der Meinung ist, dass wir als Veranstalter die Leute herankarren sollten. Kommt dazu, dass einige auch Angst haben, ihre Kunden einzuladen, weil diese hier mit potenziellen Konkurrenten in Kontakt kommen könnten.

(Interview: Markus Knöpfli)