Herr Kallen, was hat Ihnen bei der WM in Deutschland am meisten imponiert?
Die Organisation war allgemein auf einem sehr hohen Niveau. Besonders positiv war die einzigartige Stimmung im ganzen Land, in den Stadien und in den Fanzonen. Es war vorbildlich, wie sehr die Host Cities hinter diesem Turnier standen -- das wünschen wir uns natürlich auch für die Euro 2008.
Welche Ideen nehmen Sie mit?
Dass ein Turnier dieser Art immer mehr zur Party für Jedermann wird. Beeindruckend war darüber hinaus auch die Leistung der Exekutive. Die deutschen Behörden waren sehr unauffällig, aber effektiv.
Glauben Sie, dass in der Schweiz eine ähnliche Euphorie entfacht werden kann?
Die Euphorie um die Schweizer Mannschaft war schon jetzt sehr gross. 45'000 Schweizer haben die Nationalmannschaft in Dortmund unterstützt. Im ganzen Land herrschte nach dem Gruppensieg Feststimmung. Das wird 2008 wohl noch getoppt werden.
Sind mit der WM die Grenzen der Vermarktung erreicht oder gar überschritten worden?
Die nächsten grossen Turniere wie Euro 2008 oder Weltmeisterschaft 2010 werden in Sachen Vermarktung nicht kleiner sein als Deutschland, im Gegenteil. Wichtig wird sein, noch mehr Qualität vor Quantität zu stellen.
Wo stehen Sie bei den Vorbereitungen?
Wir sind auf Kurs und sehr zufrieden.
Welches sind die grössten Probleme?
Eine Herausforderung liegt darin, ein Event in zwei Ländern mit unterschiedlicher Gesetzgebung, mit unterschiedlichen Mentalitäten, teilweise auch unterschiedlicher Sprache, zu veranstalten. Wenn uns das gelingt, haben wir viel erreicht.
Stehen die beiden Länder auch in einem Konkurrenzverhältnis, um als Gastgeber besser dazustehen?
Man arbeitet miteinander, nicht gegeneinander. Das sind keine Schlagworte. Das setzen wir in die Tat um.
Stichwort "Korea-Effekt": Besteht nicht die Gefahr, dass sich die Öffentlichkeit vor allem an Österreich und nicht an die Schweiz als Euro-Austragungsort erinnern wird, wenn hierzulande das Marketing vernachlässigt wird?
Das gleiche -- nur mit umgekehrten Vorzeichen -- fragen mich österreichische Journalisten. Die Antwort ist nein. Das Gemeinsame steht im Vordergrund.
Teilen Sie unseren Eindruck, dass sich die Schweiz eher schwer mit der Organisation eines solchen Grossanlasses tut?
Nein. Dass es vor einem Turnier dieser Grösse Diskussionen gibt, ist normal. Die Arbeit mit beiden Ländern funktioniert sehr gut. Wir sind schon jetzt in vielen Bereichen bereit für die Euro.
Die Uefa hat ein Gesetz gegen Ambush-Marketing gefordert, das bereits bei drei Kantonen auf Ablehnung stösst. Kann das zu einem Problem werden?
Wir haben bei den zuständigen Behörden angefragt, uns beim Schutz des Logo und der Marke Uefa Euro 2008 zu unterstützen. Jetzt wurde seitens der Behörden ein Gesetzesentwurf vorgelegt, den wir inhaltlich unterstützen.
Das Ticketing hat im Vorfeld der WM zu grosser Kritik geführt. Was hat man aus den Fehlern gelernt?
Was das Ticketing betrifft, so werden wir ausschliesslich vom Ticketkäufer die Personalien erheben, nicht aber von allen Karteninhabern. Mehr als drei Viertel aller Eintrittskarten werden an die Bevölkerung gehen. Der Ticketverkauf startet im Internet im Frühjahr 2007.
Deutschland hat sich unter dem Motto "zu Gast bei Freunden" als hervorragender Verkäufer der WM erwiesen. Die Messlatte ist für Sie nun sehr hoch angesetzt. Wie gehen Sie mit diesem Druck um?
Von Druck würde ich nicht sprechen. Auch die Euro 2004 in Portugal war herausragend. Noch besser zu sein, ist eine grosse, ambitionierte Herausforderung und darin liegt auch ein Teil des Reizes. Wir wollen die beste Fussball-Europameisterschaft aller Zeiten veranstalten. Dazu sind wir angetreten.