Die Wirtschaft macht gegen die Präventionskampagnen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) mobil. Das BAG bevormunde die Bürgerinnen und Bürger, lautet der Vorwurf. Harte Anwürfe muss sich namentlich BAG-Direktor Thomas Zeltner gefallen lassen. Zwanzig Wirtschaftsverbände haben sich in einer Interessengemeinschaft zusammengeschlossen, um die Kampagnen des BAG zu bekämpfen.
Zur IG gehören unter anderem der Wirtschaftsdachverband economiesuisse, der Schweizerische Gewerbeverband (SGV), der Schweizerische Arbeitgeberverband, Gastrosuisse, der Schweizerische Bauernverband, die Erdöl-Vereinigung und der Verband Schweizer Werbung. Das BAG habe innert kürzester Zeit drei Kampagnen lanciert, die stark in die Freiheit der Konsumenten eingreifen würden, sagte Rudolf Horber, politischer Sekretär beim SGV, am Montag gegenüber der Sendung "10 vor 10" des Schweizer Fernsehens. Diese Auswüchse wolle die neu gegründete IG bekämpfen.
BAG-Direktor scharf kritisiert
Neben den Kampagnen als solchen sind es insbesondere zwei Forderungen des BAG, die der Wirtschaft ein Dorn im Auge sind. Sie stemmt sich gegen Einschränkungen des Alkoholverkaufs nach 21 Uhr und gegen rauchfreie Restaurants. Doch auch die Präventionsspots gegen Fettleibigkeit liegen der Wirtschaft schwer im Magen. Es dürfe nicht sein, dass BAG-Direktor Thomas Zeltner den Leuten vorschreibe, was sie essen dürften und was nicht, sagte Piero Schäfer, Sprecher des Verbands Schweizer Werbung, gegenüber "10 vor 10". Stattdessen müsse an die Eigenverantwortung appelliert werden.
Zeltner steht denn auch im Zentrum der Kritik. In der letzten Ausgabe der "Gewerbezeitung" bezeichnet ihn SGV-Sprecher Patrick Lucca gar als "Gesundheits-Taliban". Gegenüber "10 vor 10" verlautete das BAG, man habe den Artikel in der "Gewerbezeitung" und die darin reflektierte Meinung zur Kenntnis genommen. Als nächstes äussere sich der Bundesrat zu den Programmen. Dies geschiehe voraussichtlich noch vor der Sommerpause. (sda)