YouTube nimmt Bands ins Visier

MySpace-Attacke - Google-Tochter lockt Independent-Artists mit Beteiligungsprogramm.

Die Google-Tochter YouTube hat einen Frontalangriff auf das Social Network MySpace angekündigt. Mit dem Programm "Musicians Wanted" wirft die Videoplattform ein Auge auf labelunabhängige Musiker und Bands - eine der verbleibenden Bastionen des ohnehin schrumpfenden Netzwerks MySpace. YouTube lockt die neu entdeckte Zielgruppe mit Beteiligungen an Werbeeinnahmen, die durch ihre Videos generiert werden. MySpace hat derartige Programme bisher nicht im Angebot. Das Portal trifft die Attacke zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt.

Künstler-Förderung durch

Erst vor wenigen Tagen hat MySpace einen Relaunch der eigenen Seite angekündigt. Nach dem Neustart sollen die drei Bereiche Musik, Filme und Spiele die tragenden Säulen des Netzwerks bilden. Bei privaten Usern hatte das Portal zuvor hohe Anteile an Facebook verloren. MySpace Music konnte die Top-Position unter Musik-Seiten bisher dennoch erfolgreich verteidigen. Rund fünf Mio. Bands sind auf der Plattform registriert. Angesichts schrumpfenden Traffics sind zuletzt jedoch auch einige Musiker abgewandert.

Zur Nachwuchskünstler-Förderung bietet MySpace das "MySpace Band Radar" an. "Mit 450.000 Bands und Musikern ist das MySpace Band Radar die größte Plattform für Musikschaffende in Deutschland", erläutert MySpace-Sprecher Mats Wappmann. In wöchentlichen Competitions suchen Gast-Juroren nach "Unsigned Artists", die sich selber promoten. Über 40.000 Bands und Solokünstler hätten daran bereits teilgenommen. "Selbstinszenierung, Identifikation und Vernetzung mit Inhalten aus Musik und Entertainment und anderen Usern bilden die Grundlage für die Kommunikation auf MySpace", meint Wappmann.

Beteiligungsprogramm als Karrieresprungbrett

Bisher hatte YouTube eine Beteiligung an Werbeeinnahmen nur Künstlern mit Label-Vertrag oder im Fall spezieller Vereinbarungen angeboten. Wie die Plattform in ihrem Blog mitteilt, wird das Programm mit "Musicians Wanted" nun für die breite Masse der Musikschaffenden geöffnet. Vorerst wendet sich YouTube damit zwar nur an ausgewählte Künstler aus den USA. "Es existieren jedoch Pläne, das Programm in Zukunft auszuweiten", heißt es von YouTube.

Musiker hoffen, falls ausgewählt, durch "Musicians Wanted" mehr Aufmerksamkeit und einen höheren Bekanntheitsgrad zu erlangen. Neben dem herkömmlichen YouTube-Kanal sollen die Künstler die Möglichkeit erhalten, Tourdaten zu bewerben oder Musik und Fanartikel zu verkaufen. Über das Design ihrer YouTube-Präsenz dürften die Bands künftig eine bessere Kontrolle haben als bei klassischen Channels. Auf der Plattform sollen die Videos zudem schneller und einfacher gefunden werden können als bisher. "Musicians Wanted" könne so auch als Karrieresprungbrett dienen. (pte)