Seit 30 Jahren im Einsatz für zeitgenössische Kunst – und für das Publikum: 1996 eröffnete das Migros Museum für Gegenwartskunst in der ehemaligen Brauerei Löwenbräu an der Limmatstrasse 270 in Zürich seine Tore. Seitdem wurden rund 200 Ausstellungen namhafter nationaler und internationaler Künstler*innen gezeigt, die Produktion hunderter neuer Kunstwerke ermöglicht sowie unzählige öffentliche Rundgänge und Veranstaltungen angeboten. Darüber hinaus hat das Museum mit Familien- und Schulworkshops die Besucher*innen aller Altersstufen zum Denken angeregt und Diskussionen über Themen wie Umwelt, soziale Gerechtigkeit, Technologie und Identität angestossen. Das Migros Museum für Gegenwartskunst gehört zu den kulturellen Highlights der Limmatstadt, wie vor kurzem auch das traditionsreiche amerikanische Magazin «Holiday» in seiner Ausgabe «A Perfect Week in Zurich» festgehalten hat.
Einerseits ermöglicht das Museum der Öffentlichkeit mit thematischen Wechselausstellungen einen immer wieder neuen Blick in die einzigartige Sammlung zeitgenössischer Kunst der Migros, deren Grundstein bereits in den 50er-Jahren gelegt wurde. Sie beinhaltet viele wichtige künstlerische Arbeiten, etwa von Pipilotti Rist oder Ragnar Kjartansson. Die Sammlung umfasst heute rund 1600 Werke – viele sind eigens für Ausstellungen im Museum geschaffen worden. Jüngst wurden zwei davon von der «Sonntags-Zeitung» als wichtigste Kunstwerke des 21. Jahrhunderts gelistet: «The Visitors» von Ragnar Kjartansson und «How Not to be Seen: A Fucking Didactic Educational .MOV File» von Hito Steyerl.
Andererseits bringt das Migros Museum seit seiner Gründung spannende internationale Künstler*innen in die Schweiz – und wurde hier zum Hafen für eine neue Kunstströmung der 90er-Jahre: Die sogenannte «Relational Aesthetics» versteht das Publikum als zentralen Bestandteil eines Kunstwerkes; Austausch zwischen Menschen und die Begegnung zwischen Kunst und Menschen stehen im Zentrum. Als Teil seiner DNA thematisiert das Museum von Anfang an, was die Gesellschaft bewegt, und schafft mit der Kunst einen Raum für Begegnungen und Diskussionen.
Gemeinsam die Zukunft gestalten
Auch im Jubiläumsjahr 2026 befasst sich das Museum damit, was die Menschen beschäftigt. Die Welt ist derzeit geprägt von globalen Krisen, die sich überlagern: gesellschaftliche und politische Umbrüche, rasante technologische Entwicklungen, Naturkatastrophen, soziale Ungleichheit und Isolation. Das Migros Museum schafft in dieser Zeit einen Ort für Begegnung und Austausch. Nicht um einfache Antworten zu geben, sondern um Gesprächen und neuen Gedanken Platz zu ermöglichen. Wie lassen sich in einer von Unsicherheit geprägten Zeit neue Modelle des Zusammenlebens entwickeln? Wo kann Veränderung entstehen? Wie kann trotz aller Bedrohungen hoffnungsvoll in die Zukunft geschaut werden?
Eine Antwort kann lauten: mit Solidarität. Das Jahresprogramm 2026 steht im Zeichen des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Das Ausstellungsprogramm vereint zahlreiche unterschiedliche künstlerische Perspektiven: Politische und gesellschaftliche Polarisierung wird hinterfragt; Selbstermächtigung wird ins Zentrum gerückt; solidarische Netzwerke werden sichtbar gemacht.
Gemeinsam mit den Besucher*innen und den eingeladenen Kunst- und Kulturschaffenden erkundet das Migros Museum dieses Jahr, wie der Austausch über soziale, kulturelle oder sprachliche Grenzen hinweg gelingen kann – und wie Kunst Nähe und Miteinander schafft.
50 Filme, fiktive Welten und ein einzigartiger Automobilclub
Im Frühjahr 2026 wird das 2005 von Marco Scotini initiierte Disobedience Archive präsentiert – ein sich stets weiterentwickelndes Videoarchiv ohne festen Standort. Die Videos sind eine «Rezeptsammlung» für gesellschaftliche Veränderung. 50 Filme reflektieren Situationen auf der ganzen Welt, in denen Menschen für ihre Rechte einstehen. Basierend auf künstlerischen und aktivistischen Strategien, zeigt das Archiv mögliche Formen von Widerstand und Solidarität.
Dank des freien Eintritts haben die Besucher*innen die Gelegenheit, die Ausstellung mehrmals zu besuchen und sich die Filme auch mit etwas zeitlichem Abstand anzuschauen. Die Besucher*innen können sich in die einzelnen Filme vertiefen – dennoch ist der Museumsbesuch kein einsames Erlebnis: Ein einladender Ort unter einem Zeltdach dient als Treffpunkt inmitten der Ausstellung und sorgt für den Austausch zwischen den Besucher*innen; ein breites Angebot an öffentlichen Gesprächen und Diskussionsrunden lädt zum gemeinsamen Denken, Reden und Zuhören ein.
Die Einzelausstellung des französisch-algerischen Künstlers Mohamed Bourouissa im Sommer 2026 lenkt das Augenmerk auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Bourouissa schafft starke Bilder von und für Menschen, die typischerweise in den bekannten Geschichtserzählungen, in Medien und Kunst ausgelassen wurden. Die Besucher*innen tauchen ein in eine Welt intimer Erzählungen, die sie von Algerien über die Pariser Banlieues bis ins Nachkriegsdeutschland führen. Es entsteht eine fiktive Welt rund um Fragen von Identität und Repräsentation. Bourouissa thematisiert in seinen Werken, was soziale Zugehörigkeit bedeutet.
Im Herbst treten zwei Künstlerinnen aus der Schweiz in den Dialog miteinander: Ausgangspunkt ist Sylvie Fleurys Werk «She-Devils on Wheels – Headquarters» (1997) aus der Sammlung des Migros Museum für Gegenwartskunst. Fleury, deren Arbeiten oft von Ironie und dem spielerischen Umgang mit Popkultur geprägt sind, stellt hier traditionelle Rollenbilder in Frage. Mit der Gründung eines eigenen feministischen Automobilclubs setzt Fleury ein starkes Zeichen für Selbstermächtigung und Unabhängigkeit. Die Arbeit wird nach 20 Jahren zum ersten Mal wieder im Museum zu sehen sein.
Mit diesem Werk in den Dialog tritt die Künstlerin Shamiran Istifan. Istifan, die gerade mit dem Manor Kunstpreis Aargau 2026 ausgezeichnet wurde, setzt sich wie Fleury auch mit Konsum, Weiblichkeit und kulturellen Codes im Alltag auseinander. Sie arbeitet mit Erzählungen, die Frauen von Generation zu Generation weitergeben. Es entsteht ein inspirierender Dialog zwischen zwei feministischen Stimmen – aus den 90er-Jahren und von heute. Auch in der Museumssammlung ist die Repräsentation weiblicher Stimmen seit drei Jahrzehnten Teil der Strategie. Rund die Hälfte der Kunstwerke der Sammlung sind von Künstlerinnen – für eine Museumssammlung ist dies einzigartig.
Zeitgleich ist im Herbst eine Einzelausstellung der chilenischen Künstlerin Nicole L’Huillier zu sehen. Nachdem die erste Jahreshälfte dem Publikum sehr viel «Denknahrung» mit auf den Weg gibt, lädt die Ausstellung von L’Huillier zum Interagieren und Eintauchen ein: Ihre soundbasierten Installationen entfalten sich erst durch die Beteiligung des Publikums. Wie kann Kunst Resonanz erzeugen? Oder etwas weitergedacht: Wie können wir als Menschen etwas geben, ohne eine Gegenleistung zu erwarten? Die Ausstellung bietet einen Raum, in dem Klang und Körper miteinander verschmelzen, wodurch neue Formen des Miteinanders erlebbar werden.
Gemeinsam mit dem Publikum
Mit seinen Ausstellungen sowie den zahlreichen Diskussions- und Mitmachformaten bringt das Migros Museum für Gegenwartskunst Menschen und Kunst zusammen und schafft Begegnungsräume. Gemeinsam mit dem Publikum lebt, reflektiert und entwirft das Museum neue Modelle von Solidarität und gesellschaftlichem Zusammenhalt.
Ein Ort der Begegnung zwischen Menschen und Kunst
01/02 2026 - Seit drei Jahrzehnten steht das Migros Museum für Gegenwartskunst für Ausstellungen am Puls der Zeit, Dialog mit dem Publikum und künstlerische Vielfalt. Im Jubiläumsjahr 2026 liegt der thematische Fokus auf Solidarität und Zusammenhalt: Die Ausstellungen und Programme nutzen die Kraft der Kunst, um Brücken zu bauen und neue Perspektiven zu eröffnen.