Christoph Bauer, wenige Tage vor dem Start ist nirgends eine Kampagne zu sehen, die für Cash daily die Werbetrommel rührt. Weshalb diese Zurückhaltung?
Die Kommunikation im Lesermarkt beginnt rechtzeitig, ca. 2 Tage vor der Lancierung. Im Fall der Lancierung eines neuen Medienprodukts ist es meines Erachtens nicht sinnvoll, Vorankündigungskampagnen zu fahren, weil das Produkt noch nicht verfügbar ist. Daher werden wir Cash daily in der ersten Phase der Kommunikation auf einfache, auffällige Art bewerben. Schliesslich interessiert den potenziellen Leser jeweils nur ein konkretes Angebot, das auch verfügbar sein muss. Im Werbemarkt sind wir bereits seit längerem aktiv, werden aber auch dort die Kommunikation mit der Lancierung intensivieren.
Zielt der Medienverbund vor allem auf die junge Generation?
Mit unserer Wochenzeitung Cash, dem TV Format Cash-TV und cash.ch verfügen wir bereits über erfolgreiche Angebote, die mit verschiedenen Schwerpunkten von unterschiedlichen Zielgruppen genutzt werden. Mit Cash daily, dem Livepaper, den Video- und Audiobeiträgen und Cash mobile ergänzen wir die Reichweite unseres Angebots lediglich um ein wahrscheinlich jüngeres und weiblicheres, aber nicht minder wirtschaftsinteressiertes Publikum.
Werden auf den verschiedenen Kanälen die gleichen Inhalte für den jeweiligen Kanal aufbereitet, oder unterscheiden sie sich?
Da die Inhalte und Services jedes unserer Angebote medienspezifisch ausgerichtet und damit unterschiedlich sind, können wir neue Zielgruppen ansprechen. Nur wenn es sinnvoll ist, werden die gleichen Inhalte in unterschiedlichen Medien publiziert. Ziel ist es, verschiedene Themen, die von der Redaktion aus relevant erachtet werden, in den verschiedenen Produkten unterschiedlich stattfinden zu lassen bzw. zu beleuchten.
Will Cash daily das 20 Minuten des Wirtschaftsbereichs sein?
20 Minuten ist ein wichtiger Wegbereiter für uns und selbstverständlich würden wir uns über einen vergleichbaren Erfolg im Wirtschaftsbereich sehr freuen. Wenn man sich im Ausland einmal umsieht, so konnten sich die Pendlerzeitungen als anerkannte Tageszeitungen mit grosser Reichweite etablieren. Im Moment erfolgen international zahlreiche Neulancierungen im Wirtschaftsbereich, welcher das attraktivste Zielgruppensegment ist, wenn es um Spezialisierung geht; im übrigen mit sehr gutem Erfolg. Mit der Cash Gruppe gehen wir allerdings noch einen Schritt weiter und ergänzen das Angebot um neue Informationsangebote und Services, weil wir davon überzeugt sind, dass die Konsumenten heute mehr erwarten dürfen, als die Herausgabe einer weiteren Zeitung.
Die Pläne Ringiers, eine tägliche TV-Sendung auszustrahlen, scheiterten am mangelnden Interesse der SRG und PresseTV. Haben Sie die TV-Pläne begraben?
Mit Cash-TV haben wir ein erfolgreiches, wöchentliches TV Format, damit wollen wir es im Moment belassen. Selbstverständlich sind wir aber ständig an der Weiterentwicklung unseres Angebots interessiert und verfolgen die aktuellen Entwicklungen sehr aufmerksam.
Cash daily ist gratis. Kannibalisiert man damit nicht die eigene wöchentliche Kaufzeitung Cash?
Unsere Wochenzeitung stellt das Hauptstandbein unseres Angebots dar und ermöglicht erst Cash daily und die weiteren Formate. Wenn man beide Zeitungen nebeneinander legt, wird man sehr schnell sehen, dass sich die beiden hervorragend ergänzen und jede ihre Aufgaben unterschiedlich wahrnimmt. Bezüglich Kannibalisierung mache ich mir deswegen keine Gedanken, im Gegenteil: Wir werden neue Leserinnen und Leser mit der Marke Cash in Kontakt bringen und den ein oder anderen Abonnenten zusätzlich für Cash gewinnen.
Wie ist die Resonanz von Cash daily in der Werbewirtschaft?
Sie ist sehr gut und bestätigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Viele Werbeauftraggeber und Agenturen suchen neue, vernetzte Wege für werbliche Kommunikation. Das erfordert ein wenig Mut und Vertrauen in unsere Produkte. Das wird uns entgegengebracht, wofür wir natürlich sehr dankbar sind.
Wie gross ist die Hektik drei Tage vor dem Start?
Sie hält sich in Grenzen, da bislang alles planmässig läuft und keine Anzeichen vorhanden sind, dass sich das noch ändern sollte. Leichte Nervosität macht sich aber dennoch breit, was auch gut ist. Schliesslich lanciert man nicht jedes Jahr ein Konzept, das so aufmerksam von der Branche verfolgt wird. Wir sind aber optimistisch, die hohen Erwartungen erfüllen zu können. Dazu kommt, dass mit der Lancierung von Cash daily nur der Anfang gemacht ist und wir ständig unser Konzept verfeinern und erweitern werden. Das wird die nächste Hauptaufgabe sein.
(Interview: Stefan Wyss)