10.01.2020

Presserat

20 Minuten Online wegen Hundevideo gerügt

Mit der Veröffentlichung des Videos ist der Journalistenkodex verletzt worden. Die Aufnahmen über einen tödlichen Angriff eines Hundes auf einen anderen Hund seien «verstörend» gewesen. Auch die Basler Zeitung wird gerügt. Die Zeitung verstiess gegen die Wahrheitspflicht.
Presserat: 20 Minuten Online wegen Hundevideo gerügt
In einem Video auf 20 Minuten Online war zu sehen, wie ein American Staffordshire Terrier einen Spaniel zu Tode beisst. (Bild: Screenshot)

Der Presserat hat zwei Beschwerden gegen 20 Minuten Online gutgeheissen. Mit der Veröffentlichung eines Videos über einen tödlichen Angriff eines Hundes auf einen anderen Vierbeiner sei der Journalistenkodex verletzt worden.

Die Beschwerden richteten sich gegen einen im März 2019 von 20 Minuten Online veröffentlichten Bericht mit dem Titel «Kampfhund zerfleischt Spaniel vor Besitzerin», wie der Presserat am Freitag mitteilte. In den Artikel wurde ein Video eingebettet, in dem zu sehen war, wie ein American Staffordshire Terrier einen Spaniel zu Tode beisst. Die Besitzerin des kleinen Hundes, ein neunjähriges Mädchen, schaute zu, genauso ihre Grossmutter, die versuchte, den Spaniel vor dem Angriff zu schützen. Während der eine Minute und 17 Sekunden dauernden Filmaufnahmen waren verzweifelte Schreie und Weinen zu hören.

Gemäss dem Presserat sollen und müssen die Medien zwar über Hunde mit erhöhtem Gefährdungspotenzial berichten, insbesondere bei Angriffen auf andere Tiere oder Menschen. Im zu beurteilenden Fall hätte es laut Presserat indes gereicht, die entscheidende Information des Vorfalls im Text zu transportieren. Es habe kein öffentliches Interesse an der Publikation des «verstörenden Videos» gegeben, schreibt der Presserat.

Besonders zu schützen seien gemäss Journalistenkodex Kinder. Doch 20 Minuten Online habe das Gegenteil gemacht. Die Hauptprotagonistin des Videos sei eine minderjährige Hundebesitzerin gewesen, die in Panik versetzt und laut der Redaktion derart «stark traumatisiert» worden sei, dass später ein Spezialteam habe aufgeboten werden müssen.

Das Mädchen sei dem Publikum ungeschützt ausgeliefert worden. Zurückhaltung seitens der Redaktion sei keine zu spüren gewesen. Auch die Grossmutter sei in einer Notlage gewesen: Sie habe machtlos zusehen müssen, wie der grosse Hund den kleinen zerfleischt habe. «Diese sensationelle Darstellung der leidenden Enkelin und der Grossmutter geht klar darüber hinaus, was durch das legitime Informationsbedürfnis der Öffentlichkeit gedeckt wäre», schreibt der Presserat weiter.

Nach Beurteilung des Presserats kann das Video auch Betrachterinnen und Betrachter nachhaltig verstören. Seine Veröffentlichung habe nicht auf Information abgezielt, sondern einzig und allein auf Sensation und damit verbunden auf Klicks. Nicht verletzt habe das Video hingegen die Privatsphäre der Betroffenen. Die Redaktion habe die beiden anonymisiert, sie seien für die Leser beziehungsweise die Zuschauer nicht erkennbar gewesen.

Beschwerde gegen BaZ grösstenteils gutgeheissen

Mehrere Verstösse gegen die Wahrheits- und die journalistische Sorgfaltspflicht: Der Presserat hat die Basler Zeitung mit deutlichen Worten für einen im März 2019 veröffentlichten Gerichtsbericht gerügt. Die Zeitung habe einseitig berichtet.

Die Berichterstattung habe der Quellenlage und den Tatsachen widersprochen, heisst es in der am Freitag publizierten Stellungnahme des Presserats zu einer Beschwerde, die grösstenteils gutgeheissen wurde. Die Zeitung habe es mit der Wahrheitssuche nicht genau genug genommen.

Konkret ging es um ein Urteil des Basler Appellationsgerichts zur Praxis der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) in einem Sorgerechtsstreit. Die Basler Zeitung veröffentlichte einen ganzseitigen Artikel dazu. Das Gericht habe dem «Experiment» der Kesb ein Ende gesetzt und sei zum Schluss gekommen, das Kind dürfe nicht fremdplatziert werden, schrieb der Autor etwa.

Nach Ansicht des Presserats suggerierte die Zeitung so, das Kindswohl sei nicht gefährdet gewesen, die Kesb habe gegen den Anspruch der Mutter auf rechtliches Gehör verstossen oder sie habe es versäumt, die Rolle des Vaters auszuleuchten. Dies habe aber nicht den Tatsachen entsprochen.

Vielmehr habe die BaZ im Streit zweier Elternteile einseitig Position für die Kindsmutter ergriffen, schreibt der Presserat. Dies obwohl diverse Gutachten sowie das Urteil des Appellationsgerichts einen beträchtlichen Teil der Schuld bei der Mutter verortet habe. Die Redaktion habe damit die journalistische Sorgfaltspflicht verletzt. (sda/cbe)



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