2010 kostet das NZZ-Abo über 500 Franken

- Etwa die Hälfte der Deutschschweizer Tageszeitungen erhöht über Neujahr den Abopreis, einige wenige werden auch am Kiosk teurer. Die grössten Aufschläge machen die zur NZZ-Gruppe gehörenden Titel "NZZ", "St.Galler Tagblatt" und "Neue Luzerner Zeitung". Die "NZZ" schlägt gar um happige 16 Prozent auf. Die Begründung: Das alte Finanzierungsmodell mit 2/3 Inserateeinnahmen und 1/3 Verkaufseinnahmen habe ausgedient. Zur Story:

Wenn es um Preis-Sprünge geht, dann ist die "Alte Tante" "NZZ" erstaunlich fit: Ab nächstem Jahr verlangt sie 512 Franken für ein Jahresabo, 24 Franken mehr als heute. Keine andere Deutschschweizer Tageszeitung bittet ihre Leser so stark zur Kasse. Das ist man sich an der Zürcher Falkenstrasse offensichtlich bewusst. In seinem Begleitbrief zur Aborechnung 2010 erklärt "NZZ"-Chefredaktor Martin Spillmann den Abonnenten denn auch den Grund für die saftige Erhöhung. "Hochwertige Information" sei ein "teures Gut", das man in der Vergangenheit ausser durch Abonnementserlöse "zu einem wesentlichen Teil durch Einkünfte aus Inseraten" finanziert habe.

Doch "bedingt durch die strukturellen Veränderungen im Werbemarkt wird die Finanzierung der publizistischen Leistung auf dem Niveau einer 'NZZ' zunehmend schwieriger", schreibt Spillmann. Dies zwinge die "NZZ" nun zu Kosteneinsparungen und "zu einer notwendigen Anpassung der Abonnementspreise".

Allerdings rechnet der Chefredaktor den Abonnenten auch noch vor, dass sie trotz des um 5 Prozent höheren Abos "umgerechnet nur gerade 1,68 Franken" für ein "NZZ"-Exemplar bezahlen - inklusive Frühzustellung. Das ist – aus Abonnentensicht – tatsächlich kein schlechter Preis, wenn man bedenkt, dass die "NZZ" auch den Kioskpreis von 3,00 auf 3,50 Franken erhöht (samstags gar von 3,50 auf 4 Franken). Damit kostet sie nun im Einzelverkauf mehr als doppelt so viel wie im Abo. Doch das verschweigt Spillmann – wohl aus Rücksicht auf den Kioskbetreiber Valora (K-Group), der es gar nicht gerne sieht, wenn Verlage die Kluft zwischen Abo- und Kioskpreis derart vergrössern.

Damit ist die "NZZ" allerdings nicht allein, das "St. Galler Tagblatt" tut es ihr nach. Dort erhöht man den Abopreis um 4,2 Prozent auf neu 353 Franken und den Kioskpreis gleich um 20 Prozent auf 3 Franken. Tamedia macht es ähnlich, aber etwas moderater: Die Abos von "Tages-Anzeiger" und "Thurgauer Zeitung" (TZ) kosten ab 2010 2,2 und 2,7 Prozent mehr, während der Kioskpreis um 6 beziehungsweise 8 Prozent hinaufgesetzt wird. Neu kostet der Tagi 374 Franken im Abo und 3 Franken im Einzelverkauf (samstags 3,50 Franken), das TZ-Abo schlägt mit 325 Franken zu Buche und das Einzelexemplar am Kiosk mit 2,70 Franken.

Bei Valora am meisten auf Gegenliebe stossen all jene Titel, die zwar ihren Abopreis erhöhen, den Kioskpreis jedoch auf bisherigem Niveau belassen: Dies ist bei der "Neuen Luzerner Zeitung" der Fall, die nun ihr Abo um satte 5,3 Prozent auf 398 Franken erhöht. In abgeschwächter Form machts auch die Berner Zeitung, bei der der Abopreis um 2,5 Prozent auf 374 Franken steigt. Ebenfalls eine Aboverteuerung führt der "Walliser Bote" (+3,3 Prozent) durch, dann die Einzeltitel der "ZürcherlandZeitung" (je um 3,1 Prozent), das "Bieler Tagblatt" (+1,9 Prozent), die "Schaffhauser Nachrichten" (+1,5 Prozent) und die "Aargauer Zeitung" (+1 Prozent). Letztere kostet neu 399 Franken.

Bei den Sonntagstiteln bittet einzig die "NZZ am Sonntag" ihre Leser stärker zur Kasse: Der Abopreis steigt um 1,5 Prozent auf 198 Franken, beim Kioskpreis sind es plus 5 Prozent (neu 4,20 Franken). Die "SonntagsZeitung" bleibt bei 169 und 3,90 Franken, der "SonntagsBlick" bei 164 und 3,50 Franken und der "Sonntag" (solo) bei 148 und 3 Franken.

Folgende Titel belassen Abo- und Kioskpreis auch nächstes Jahr auf bisherigem Niveau: "Südostschweiz" (mit oder ohne Sonntagsausgabe), "Basler Zeitung", "Basellandschaftliche Zeitung", "Solothurner Zeitung", "Landbote", "Handelszeitung" und "Finanz und Wirtschaft" und "Blick". Letzter hat den Kioskpreis allerdings erst vor kurzem, mit dem Relaunch von 1,80 auf 2 Franken angehoben.

(Markus Knöpfli)