Mindestens 106 Journalisten sind im zu Ende gehenden Jahr bei oder wegen der Ausübung ihres Berufes in 39 Ländern getötet worden. Rund zwei Drittel von ihnen wurden Opfer gezielter Anschläge, teilte die unabhängige Nichtregierungsorganisation Press Emblem Campaign (PEC) am Montag in Genf mit. Die meisten anderen seien bei Demonstrationen, Kämpfen, Bombenanschlägen oder Minenexplosionen getötet worden, erklärte der PEC-Generalsekretär Blaise Lempen. Letztes Jahr waren 105 Journalisten getötet worden.
Auch 2011 hat die Organisation immer wieder - und oft vergeblich - an Regierungen appelliert, mehr für den Schutz des Lebens von Journalisten und die Respektierung der Pressefreiheit zu tun. "Das vergangene Jahr war wegen den Aufständen in mehreren arabischen Staaten besonders gefährlich für zahlreiche Medienschaffende", bilanzierte die Organisation. Allein bei den Aufständen des Arabischen Frühlings kamen nach ihren Angaben 20 Journalisten ums Leben. Mehr als 100 Journalisten wurden angegriffen, verletzt, unter Druck gesetzt oder festgenommen - unter anderem in Ägypten, Libyen, Syrien, Tunesien und im Jemen.
Mexiko bleibt gefährliches Terrain
Das für Reporter gefährlichste Land war wie schon im Vorjahr Mexiko, wo im Zusammenhang mit dem Drogenkrieg zwölf Berichterstatter getötet wurden. An zweiter Stelle folgte erneut Pakistan, wo elf Journalisten umkamen, meist in der Grenzregion zu Afghanistan. Mit 35 getöteten Medienmitarbeitern halte Lateinamerika den traurigen Rekord. In Asien einschliesslich Nahost seien 30 Opfer zu beklagen, in Nordafrika 28 und Schwarzafrika neun, berichtete die Organisation weiter. In Europa wurden vier Journalisten getötet - drei in Russland und einer in der Ukraine. Insgesamt kamen laut PEC in den vergangenen fünf Jahren weltweit 539 Journalisten im Zusammenhang mit ihrem Beruf ums Leben - durchschnittlich etwa zwei pro Woche.
Der PEC-Generalsekretär Blaise Lempen ist auch Korrespondent der Nachrichtenagentur sda am UNO-Sitz in Genf. (sda)