3+ erwirkte die superprovisorische Verfügung

Mediapulse - Sender-Chef Dominik Kaiser kritisiert das Verfahren.

Im Konflikt um die Fernsehzuschauerforschung hat Dominik Kaiser, Chef des Privatsenders 3+, Stellung genommen. Er bestätigte am Dienstag gegenüber der NZZ, eine superprovisorische Verfügung gegen Mediapulse erwirkt zu haben. Damit wolle er verhindern, dass Daten publiziert werden, welche aufgrund eines seiner Meinung nach fehlerhaften Messsystems erhoben wurden.

Mediapulse hat Anfang Jahr ein neues Messverfahren eingeführt. Einige Sender bezweifeln dessen Verlässlichkeit, weshalb das Forschungsunternehmen seit Monaten keine Resultate publiziert. Seit dem vergangenen Wochenende – also seit der superprovisorischen Verfügung – bekommen auch die Fernsehveranstalter keine Daten mehr, damit die Geheimhaltungspflicht gewahrt bleibt (persoenlich.com berichtete). Mitte April hatte "20 Minuten" die Monatszahlen publik gemacht. Die von der Pendlerzeitung veröffentlichten Zahlen zeigen massive Veränderungen in einer wichtigen Werbezielgruppe - dem Marktanteil unter den 14- bis 49-Jährigen Deutschschweizern in der Primetime. Während SRF an Marktanteilen gewinnt, verlieren die Privatsender teilweise deutlich. (persoenlich.com berichtete).

Gegenüber der NZZ kritisiert 3+-Chef Kaiser, die von Mediapulse eingesetzten Experten hätten "das System nicht im laufenden Betrieb getestet, sondern rein theoretische Überlegungen dazu angestellt". Die englische Firma Kantar, die den Auftrag für den Betrieb des neuen Systems hat, kenne zudem die Schweizer Verhältnisse zu wenig. Das Panel widerspiegle auch nicht die hiesigen Marktgegebenheiten. Im Weiteren stört sich Kaiser daran, dass Sender und Vermarkter nicht dauernd in die Überprüfung des umstrittenen Systems einbezogen worden seien, sowohl was die Definition des Prüfauftrags wie auch die Resultate der Untersuchung betreffe – ein Vertreter von Kaiser war bei den Hearings dabei. Mediapulse verpflichtete ihn aber zur Geheimhaltung.

Der Privatsender 3 Plus wird vom Werbelogistiker Goldbach vermarktet. (nzz/eh)

Bild: Keystone