50 Jahre Schweizer Fernsehen -- eine Vorschau

- Nächstes Jahr feiert das Schweizer Fernsehen seinen Fünfzigsten. An einer "Planungseinladung" im Zürcher Studio Bellerive -- dem ersten Studio des Schweizer Fernsehens -- informierten die Leiterin Unternehmenskommunikation der SRG SSR idée suisse, Josefa Haas, Fernsehdirektor Peter Schellenberg sowie SF-DRS-Pressechef René Bardet (Bild v.l.n.r.) über die im Zusammenhang mit dem Jubiläum anstehenden Projekte.

"Gibt es etwas Peinlicheres, als eine Sendung, die ihre 100. Ausgabe feiert, oder die 10'000.? Ja, wenn ein ganzer Sender sich selber feiert." Der das schreibt, ist -- Peter Schellenberg, Direktor des 2003 sein Fünfzigjahre-Jubiläum begehenden Schweizer Fernsehens DRS, und zwar im Editorial der Hauszeitung Live. Und Pressechef René Bardet stellt im Bezug auf Jubiläumssendungen ebenda fest: "Das Publikum interessiert sich wenig für diese Art Nabelschau, es zappt weg, will seine normalen Sendungen sehen."

So greift man zu einem Kunstgriff und gedenkt der ZuschauerInnen. Oder, um es in Schällis salopper Art zu sagen: "Also, feiern wir zunächst 50 Jahre Fernsehgebühren." Kein schlechtes Motto in einer Zeit, da im Rahmen der anstehenden RTVG-Revision über ein Splitting genau dieser Gebühren diskutiert wird.

Begangen werden soll das Jubiläum ohne Prunk, wie Schellenberg betonte. Entsprechend findet der Fünfzigste vor allem in den Sendungen statt. René Bardet: "Wir wollen uns nicht selber feiern, sondern dem Publikum Programmleistung bieten." Und der Fernsehdirektor ergänzt: "Zweck der Feier ist für die ältere Generation der Wiedererkennungseffekt und für die jüngere ein Einblick in die Vergangenheit." In diesen Genuss werden allerdings vorwiegend die Deutschschweizer ZuschauerInnen kommen. "Die TSR plant gegenwärtig ihr eigenes Jubiläum, das 2004 stattfindet", so Josefa Haas.

Alle Sendungen, die mit dem Jubiläum in Zusammenhang stehen, erhalten als Klammer ein Signet, das sich aus den Bildschimlogos der vergangenen fünf Jahrzehnte zusammensetzt. Zusätzlich zu den Sendungen wurden verschiedene begleitende "Kommunikationsprojekte" angekündigt.

Die Sendungen

"Zeitreise -- Highlights aus 50 Jahren Fernsehen" will anhand von 52 elfminütigen Dokumentarfilmen jeden Samstagabend einen Rückblick auf wichtige Ereignisse der letzten 50 Jahre bieten, deren öffentliche Wahrnehmung "massgeblich vom Schweizer Fernsehen geprägt" wurde.

Ab April sind auf SF2 26 "Nostalgienächte" programmiert. Diese dauern jeweils von Freitagabend bis Samstag früh und zeigen Eigenproduktionen wie "Teleboy" mit Kurt Felix oder "Ein Platz für Tiere" mit Heidi Abel; "Rosinen aus dem Archiv", wie es in der Pressemitteilung heisst.

Im Mai soll "Spuren der Zeit" unter dem Titel "Vom Schmuddelkind zum Leitmedium" in zwei Dokumentarfilmen den Wandel des Fernsehens in der Schweiz aufzeigen. Mit "Legendär -- Schweizer TV-Legenden" bringt das Sommerprogramm dann ab Juli an sieben Montagabenden eine Retrospektive in Sachen Fernsehunterhaltung.

Und am 20. September wird der 50. Geburtstag in einer Samstagabendsendung gefeiert. Verschiedene Unterhaltungssendungen werden im Jubiläumsjahr überdies Bekanntes und Beliebtes wieder einmal zeigen. So wird etwa der "Samschtigjass" die alten Sketches des Cabaret Rotstift integrieren. Zudem sollen auch "Strukturplan-Sendungen" wie etwa "Club", "Sternstunden" oder "Spuren der Zeit" kultur- und gesellschaftspolitische Fragen zum Thema "50 Jahre Fernsehen in der Schweiz" aufnehmen.

Buch, Internet-Chronik, Jubiläumszeitung und Ausstellung

Am 1. Januar 2003 wird auf http://www.sfdrs.ch eine Chronik aufgeschaltet. Diese geschichtliche Info-Datenbank steht der Öffentlichkeit frei zur Verfügung. Zusätzliche Informationen werden JournalistInnen auf der unlängst umgebauten Site http://www.sfdrs-pressedienst.ch zur Verfügung gestellt. "Ein gigantisches Werk für die Öffentlichkeit ist aber nicht geplant, wir sind mit der Digitalisierung des Archivs jetzt schon überfordert", kommt Schellenberg etwaigen Wünschen nach zusätzlichem Material zuvor. "Das Geld kann man sinnvoller einsetzen."

Bereits vor der Fertigstellung steht ein Buch mit dem Titel "Zum Fernseh'n drängt, am Fernseh'n hängt doch alles", das im März oder April erscheinen soll. In diesem "Lesebuch", das Schellenberg als ein Stück "oral history“ bezeichnete, schreiben 25 AutorInnen -- darunter Moritz Leuenberger, Armin Walpen, Peter Schellenberg, Bernhard Thurnheer, Roger Blum, Urs Rohner oder Esther Girsberger -- Essays zu aktuellen Fernseh-Themen.

Ausserdem erscheint die SF-DRS-Hauszeitung Live im Frühling als sechzigseitige Jubiläumsausgabe mit fünf Bünden, von denen jeder einem Jahrzehnt gewidmet ist.

Im Herbst dann wird im Museum für Kommunikation in Bern die Ausstellung "50 Jahre Fernsehen in der Schweiz" eröffnet. Hier ist SRG SSR idée suisse Medienpartnerin, die in ihrem Umfeld die Entwicklung des Fernsehens in der ganzen Schweiz thematisieren wird.