12.11.2017

ZHAW-Auswertung

70 Prozent der SRG-Journalisten ticken links

Erstmals liegen Zahlen zur politischen Ausrichtung von SRG-Journalisten vor: Knapp drei Viertel bezeichnen sich laut einer Auswertung der ZHAW im Auftrag der SoZ als links. Bei den Redaktoren privater Medien ist der Linksdrall weniger ausgeprägt.
ZHAW-Auswertung: 70 Prozent der SRG-Journalisten ticken links
Die «Arena»-Sendung am 3. November. (Bild: Keystone/Ennio Leanza)

Erstmals liegen gemäss einer Meldung der «SonntagsZeitung» detaillierte Zahlen der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) vor, die Aufschluss über die politische Einstellung von SRG-Journalisten geben.Die Journalismusforscher Vinzenz Wyss und Filip Dingerkus haben eine Auswertung von Daten vorgenommen, die bisher nicht publiziert worden war.

Demnach bezeichnen sich knapp 70 Prozent aller SRG-Journalisten als links. Rund 16 Prozent verorten sich in der politischen Mitte. Und 16 Prozent sehen sich als rechts. Kein Journalist der SRG verortete sich dagegen rechts aussen. Allerdings stünden 7,4 Prozent links aussen.

Politische Meinung spielt keine Rolle

Das Bild bei den Journalisten privater Medien ist ähnlich - auch wenn der Linksdrall etwas weniger ausgeprägt ist. Wie Wissenschaftler Dingerkus der «SonntagsZeitung» aber sagt, lässt sich aus dieser Differenz nichts herauslesen. «Journalisten der SRG unterscheiden sich in ihrer politischen Einstellung nicht signifikant von Journalisten der privaten Medien.» Das heisst: Alle Schweizer Journalisten ticken gleich - in der Mehrzahl links.

Bei der SRG heisst es dazu, in der täglichen Arbeit spiele die politische Meinung der Journalisten keine Rolle. Die Leitlinien würden sie zu Ausgewogenheit verpflichten. Auch die No-Billag-Initianten sehen angeblich keine Probleme bei einem Überhang linker Journalisten: Es gehe generell um die «obsoleten Gebühren», sagt Mitinitiant Christan Riesen der Zeitung. Es spiele keine Rolle, «wer journalistisch auf welcher politischen Seite steht». (pd/wid)



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Kommentare

  • David Putnam, 07.02.2018 09:18 Uhr
    Es gibt immer noch die radikalen Linken, die sich selber lieber "Sozialisten" nennen, und die radikalen Rechten, die sich lieber "Konservativen" nennen. Und dann gibt es die Mehrheit von Mitläufern, die sich einfach anpassen. Aus meiner eigenen Erfahrung in der Medienwelt kann ich sagen, dass der Linkstrend stimmt, aber er kommt indirekt rüber: Trump ist so ein Nazi, Tiereessen ist grausam, Frauen werden ewig unterdrückt, die armen Flüchtlinge, Fox News ist Propaganda. Punkt. Ende der Diskussion. Andere, differenziertere, relativisierende Meinungen werden nicht toleriert. Bei den "Rechten" gibt es sicher auch blinde Flecken und Tabus. Eine ausgeglichene politische Diskussion mit einem neutralen Moderator in der "Arena" würden viele Missverständnisse lösen und zur Selbstreflexion anregen.
  • Dieter Fahrer, 13.11.2017 07:38 Uhr
    @Brunner: Links-Rechts-Schemen haben ausgedient, da haben Sie völlig recht. Dem Kapitalismus deswegen einen Persilschein auszustellen, wäre fatal. Die Ausbeutung der globalen Armengemeinschaft war noch nie so gross – und die Reichen werden immer reicher. Es braucht dringender denn je ein Engagement für ethische Werte! Ihre Definition dürfen wir nicht den Ethikkommissionen der Konzerne überlassen, die ja meist nur ein verlängerter Arm der PR-Abteilung sind. Vor diesem Horizont muss m.E. auch der Medienwandel gesehen werden, der nur ein Teilphänomen eines Umbruchs darstellt, der alle Lebensbereiche durchdringt. Ist die Krise der Medien nicht vor allem auch eine Krise von uns Medienkonsumenten? In einem Land, wo die Hälfte der Bevölkerung „20minuten“ liest und nicht viel mehr, und dann doch zu allem etwas sagen will, und meint, und behauptet. Wie steht es um die Souveränität des Souveräns? In Bundesbern und in den Wohnstuben wollen doch alle das Gleiche: Dass es ein wenig „obsi geit“. Ist das die Schweiz? Die Fokussierung auf den eidgenössischen Eigennutz?
  • Gérard Brunner, 13.11.2017 01:33 Uhr
    Journalismus soll kritisch sein und immer wieder hinterfragen. Die vierte Macht eben. So gesehen, ist es nichts als normal, das Journalisten nach unserem Wertesystem "politisch links" stehen. Doch haben die Kategorien "links" und "rechts" nicht längst ausgedient? Für mich sind das Begriffe von gestern. Die Menschheit hat heutzutage wichtigere Dinge zu lösen, als um "Sozialismus" oder "Kapitalismus" zu streiten. Oder werden heutzutage noch Kriege geführt um des Sozialismus, resp. Kapitalismus willens? Nein, die Beweggründe sind andere. Die Tamedia und deren Flagschiff, der Tages-Anzeiger, waren früher die linksliberale Alternative zur rechtsliberalen NZZ. Und heute? Heute ist die NZZ noch mehr oder weniger die Garantin für mehr oder weniger glaubwürdigen und qualitativ hochstehenden Journalismus (doch auch hier stellt sich die Frage: wie lange noch?), die Tamedia AG mit all ihren Schundblättern hingegen ist längst verzichtbar geworden, ein nur noch ein kapitalistischer Konzern, deren grausigen Produkte journalistisch gar nicht mehr ernst genommen werden können.
  • Claudia Schweri, 12.11.2017 23:14 Uhr
    @Wyss: Es ist gut, dass gesellschaftliche Machtverhältnisse kritisiert werden. Die Frage ist bloss, wer diese Macht verkörpert. In der Schweiz ist das der Staat bzw. die allmächtige Verwaltung, die sich rasant ausbreitet. Und genau dieser Staatsapparat wird von den linken Journalisten nicht in Frage gestellt. Es ist der Staat, der Zwangsgebühren für TV/Radio eintreibt, auch für Leute, die diese Programme nicht nutzen und nicht mal ein Gerät haben. Es ist der Staat, der seinen Angestellten Durchschnittslöhne von 10'000 Fr. bezahlt. Es ist der Staat, der ständig neue Abgaben und Gebühren einführt und erhöht. Es ist der Staat, der Volksentscheide nicht durchsetzt (Masseneinwanderung, Ausschaffung krimineller Ausländer etc.). Es ist der Staat, der die Grenzen öffnet für Wirtschaftsflüchtlinge. All dies wird von linken Journalisten sogar begrüsst, ganz einfach, wegen der Staatsgläubigkeit der Linken.
  • Nico Herger, 12.11.2017 20:12 Uhr
    @Fahrer: Seltsame Erklärung. Der Grund liegt vielmehr darin, dass Journalisten nicht exakte Wissenschaften studieren (sofern sie überhaupt ein Studium abgeschlossen haben), sondern Geistes- und Sozialwissenschaften. Ein Grossteil dieser Studenten sind anfällig für grosse Gesellschaftstheorien und Ideologien wie Marxismus, die mehr mit Glauben als mit Wissen zu tun haben. Hinzu kommen die Ressentiments der Studienabbrecher, von denen es im Journalismus wimmelt, gegenüber den beruflich und wirtschaftlich Erfolgreichen. Es ist gut, dass diese Zahlen endlich auf den Tisch kommen (obwohl es für Normalbürger längst kein Geheimnis mehr ist), was den linken Kreisen natürlich überhaupt nicht in den Kram passt.
  • Vinzenz Wyss, 12.11.2017 19:31 Uhr
    Wenn ich von einer Zeitung angefragt werde, so antworte ich als Wissenschaftler gewissenhaft - egal ob mir die Nase des Jourmalisten passt oder nicht. Das habe ich auch im Fall der Sonntagszeitung getan. Und mich intensiv bemüht, dem Journalisten ein bisschen Statistik beizubringen. Dass in diesen Medienhäusern dann die Chefs die Titel vorgeben, können wir Wissenschaftler nicht verhindern. Im Übrigen sehe ich es wie Du , Dieter und genau so habe ich dem Journalisten meine Interpretation angeboten: "Der Journalismus thematisiert gesellschaftliche Konflikte, Irritationen, und es werden herrschende Machtverhältnisse infrage gestellt. Es scheint, als würde die journalistische Kritik- und Kontrollfunktion strukturell stärker mit einem linken gesellschaftspolitischen Gedankengut korrelieren; auch wenn das im Einzelfall die vielleicht nicht so gesehen wird."
  • Dieter Fahrer, 12.11.2017 16:28 Uhr
    Eine wichtige Aufgabe des Journalismus ist die Kritik der Macht. In der Schweiz wird die Macht von der Rechten verkörpert. Es ist deshalb nur logisch, dass eine Mehrheit der Journalisten und Journalistinnen sich eher im linken Feld verorten. So weit, so banal. Wie wenn man eine Studie machen würde, ob Tierärzte eher Tierfreunde oder Tierhasser sind. Weniger banal finde ich, dass Vinzenz Wyss sich für populistische Publizistik instrumentalisieren lässt. Er müsste doch wissen, wie das in einer SonntagsZeitung aufgemacht wird, und wie man da titelt.
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