95 Beschwerden und 78 Stellungnahmen im Jahr 2012

Schweizer Presserat - Hauptsächlich aufgrund Verletzung der Privatsphäre.

Der Schweizer Presserat ist im vergangenen Jahr wieder sehr gefragt gewesen. Insgesamt 95 Beschwerden gingen ein, 78 Stellungnahmen wurden veröffentlicht. Am häufigsten wurden die Verletzung der Privatsphäre und die fehlende Anhörung beanstandet.

Noch nie habe der Presserat so viele Stellungnahmen wie im Jahr 2012 veröffentlicht, heisst es im am Donnerstag veröffentlichten Jahresbericht. Presserats-Präsident Dominique von Burg führt dies auf die grössere Bekanntheit und die Transparenz seines Gremiums zurück, wie er vor den Medien sagte.

Am häufigsten sind Medien mit ihren Meldungen im vergangenen Jahr in das Privatleben von Betroffenen vorgedrungen. Oft wurden Personen zudem falsch identifiziert und oder mit einer Berichterstattung wurde die Privatsphäre eines Menschen verletzt, wie es im Jahresbericht heisst. "Nicht neu ist auch, dass es Medien oft unterlassen, Betroffene vor der Veröffentlichung eines schweren Vorwurfs anzuhören", sagte von Burg. Immer wieder würden zudem wichtige Informationen unterschlagen oder falsche Tatsachen verbreitet.

Abdruckspflicht einhalten
Ein Augenmerk will der Presserat künftig auf die Abdruckspflicht legen. Da leider nicht alle Redaktionen dieser Verpflichtung nachlebten, werde man in Zukunft im Jahresbericht aufführen, in welchen Fällen diese verletzt worden sei, sagte von Burg. "Wir erachten das als Pflicht."

2012 haben Medien siebenmal nicht über eine Stellungnahme berichtet, in der sie vom Presserat gerügt wurden. Bei acht weiteren Beschwerden haben Medien nicht über den für sie positiven Entscheid des Presserates berichtet. "Auch in diesen Fällen wäre eine kurze Zusammenfassung wünschenswert", sagte von Burg. (sda)