Aargauer Gratisblätter "pervertieren" Demokratieauftrag

Presserat - Redaktionellen Inhalt und Anzeigen nicht strikt getrennt.

Der Presserat wirft zwei Aargauer Gratiszeitungen vor, den demokratischen Auftrag der Presse "pervertiert" zu haben. Die "Rundschau Nord" und "Rundschau Süd" hatten Politikern angeboten, gegen Geld ihre Positionen im redaktionellen Teil der Blätter zu veröffentlichen. Im Vorfeld der Aargauer Grossratswahlen vom Herbst 2012 hatte der Verlag Effingerhof in Brugg, der die beiden Zeitungen herausgibt, einzelne Politiker angeschrieben und ihnen den Abdruck ihrer Kernthesen offeriert. Die Bedingungen für die Veröffentlichung waren: bereits gedruckte Anzeigen der Kandidaten, geplante Anzeigen - oder die Zahlung von 550 Franken.

Dies aber widerspricht dem Gebot der strikten Trennung zwischen redaktionellem Inhalt und Anzeigen, wie der Schweizer Presserat am Dienstag mitteilte. Das Vorgehen sei demokratiepolitisch höchst bedenklich. Das journalistische Selbstkontroll-Organ gibt damit dem Beschwerdeführer - dem Aargauer JUSO- Präsidenten Florian Vock - Recht. Er war einer der Empfänger des beanstandeten Angebots. Der Presserat fordert den Verlag Effingerhof und die beiden Redaktionen dringend auf, ihre Praxis bei künftigen Wahlen zu ändern. Und präzisiert: "Wird die Publikation eines Kandidatenporträts an die Schaltung eines Inserats geknüpft, ist dieses Porträt zwingend als 'Werbung', 'Inserat' etc. zu kennzeichnen." (sda)