Wie Recherchen der Zeitung "Schweiz am Sonntag" zeigen, will die SRG den angekündigten Stellenabbau vor allem mit Automatisierungen bei der Technik durchführen.
Das Sparprogramm betreffe alle Sprachregionen und Unternehmensbereiche, erfolge jedoch "vorrangig in Verwaltung, Informatik und Produktion", heisst es beim Medienunternehmen. Maurizio Canetta, Direktor der Tessiner RSI, sagte in der "Tessiner Zeitung": "Wir müssen die Produktion ändern."
Dieser Prozess ist bereits angelaufen, wie die "Schweiz am Sonntag" schreibt: Seit März testen SRG und ihre Produktionstochter TPC unter dem Namen "News 2015" ein automatisiertes Regiesystem, mit dem Sendungen mit ferngesteuerten Kameras produziert werden können.
Was zuerst nur "Glanz & Gloria" sowie "Meteo" betraf, wird derzeit nach und nach auf "Schweiz aktuell", "Tagesschau" und "10 vor 10" ausgeweitet. Dass die Automatisierung Personal kosten wird, ist nicht nur absehbar – es ist auch das erklärte Ziel.
Von maximalem Schreckensgespenst ausgegangen
Trotzdem fordert die SRG-Gewerkschaft SSM, gänzlich auf Kündigungen zu verzichten. Sie will Hand bieten für einen Abbau um 130 Stellen. Das "verbleibende Personal" werde die anfallende Mehrarbeit übernehmen und damit seinen Anteil "an der Gesundung der SRG-Finanzen" leisten. Was die Gewerkschaft fordert, dürfte die SRG ohnehin so umsetzen wollen.
Mit der angekündigten Streichung von 250 Stellen hat die SRG das maximale Schreckgespenst an die Wand gemalt. Laut SRG-internen Informationen der "Schweiz am Sonntag" sollen vom 40 Millionen-Sparziel rund 12 Millionen über "andere Massnahmen" und nur 28 Millionen über die Senkung von Personalkosten erreicht werden.
Dies würde bei 250 Stellen bedeuten, dass die SRG pro abgebaute Vollzeitstelle lediglich mit 112'000 Franken Kostenersparnis rechnet – was deutlich zu tief angesetzt ist.
In einer kürzlich beantworteten parlamentarischen Anfrage gab die Bundesverwaltung die Vollkosten pro Stelle bei staatlichen Öffentlichkeitsbeauftragten mit 175'000 Franken an. Rechnet man mit dieser realistischeren Summe, reduziert sich der angekündigte SRG-Stellenabbau um mehr als die Hälfe. (pd)