Abgang von Markus Spillmann lässt Fragen offen

NZZ - Nicht nur das Personelle, auch das Strukturelle bleibt unklar.

Nach der überraschenden Mitteilung über den Abgang von Markus Spillmann als Chefredaktor bleiben viele Fragen offen. Was genau hat dazu geführt, dass Markus Spillmann so unvermittelt und bereits per Ende Dezember zurücktritt? Und warum hat sich der NZZ-Verwaltungsrat nicht bereits um einen Nachfolger bemüht, um diesen zeitgleich vorstellen zu können? Ist es tatsächlich wahr, dass noch niemand bestimmt ist? Kommt gar jemand aus den eigenen Reihen in Frage? Und dann vor allem: Waren die Differenzen eher politischer oder um publizistischer Natur? Hat sich Spillmann gegen die Schliesslung der Druckerei oder andere einschneidende Massnahmen stark gemacht? Und welche Funktion soll Spillmann künftig in der NZZ-Gruppe übernehmen oder ist diese in der Medienmitteilung erwähnte Option nur eine Farce? 

Spillmann nimmt eine Auszeit
Auch in den Redaktionen an der Falkenstrasse wird darüber heftig diskutiert. Doch offiziell gibt sich die NZZ wortkarg. Ausser einem überschwänglichen Loblied in der NZZ-Mittwochsausgabe (persoenlich.com berichtete) hüllt sich Verwaltungsratspräsident Etienne Jornod weiterhin in Schweigen. Auf Anfrage von persoenlich.com wollte er - genauso wie der geschasste Markus Spillmann - auch am Mittwoch kein Statement abgeben. "Markus Spillmann hat am Dienstag erklärt, dass er ab Januar zuerst eine Auszeit nehmen wird. Dann wird er zusammen mit dem Verwaltungsrat prüfen, ob und wenn ja, welche neue Funktion er innerhalb der NZZ-Gruppe übernehmen wird", sagt Sprecherin Bettina Schibli auf Anfrage von persoenlich.com.

Lasten auf mehrere Schultern verteilen
Bezüglich Nachfolge müsse man die nächsten Wochen abwarten. Nicht nur das Personelle, auch die neue organisatorische Aufteilung sei noch unklar: "Die Rollen des Leiters Publizistik (verantwortlich für sämtliche Medien im Geschäftsbereich NZZ, also etwa auch "NZZ am Sonntag", "NZZ Format" etc.) und des Chefredaktors NZZ (Leitung der NZZ-Redaktion) haben sich in den letzten Jahren im Zuge des Medienwandels stark verändert. Beide Funktionen zusammen sind heute nicht mehr von einer Person zu bewältigen", sagt Schibli. Deshalb sei eines klar: "Wir müssen diese Aufgaben auf mehrere Schultern verteilen". Doch wie genau die Neuordnung aussehen wird, stehe noch nicht fest. (eh)