Mit der heute bekannt gewordenen Anklage der amerikanischen Behörden gegen die Bank Wegelin stellt sich erneut die Frage, inwiefern Teilhaber Konrad Hummler sein Amt als NZZ-Verwaltungsratspräsident noch ausführen soll.
Bereits vor einer Woche wurde ein Grossteil der Bank Wegelin an die Raiffeisengruppe verkauft. Damit sollten grosse Schäden durch rechtliche Probleme vermieden werden. Nach Ansicht verschiedener Kommunikationsexperten, könnte sich Hummlers Situation trotzdem ungemütlich entwickeln. Nicht namentlich genannte Imagespezialisten glauben, dass sich die anhaltende Medienberichterstattung negativ auf die NZZ auswirke, wie tagesanzeiger.ch schrieb. Gegenüber dem "SonntagsBlick" erklärte letzte Woche PR-Experte Aloys Hirzel: "Es wäre der Sache wahrscheinlich dienlicher, wenn er sich bei der NZZ zurücknehmen würde."
Freunde der NZZ unterstützen Hummler
Nicht ganz auf der Linie der Kommunikationsexperten sind indes die Aktionäre. Sie unterstützen Konrad Hummler weiterhin. Hummler sei die Idealbesetzung für das NZZ-Präsidium, sagt Edwin van der Geest von der Interessengemeinschaft "Freunde der NZZ", einer Vereinigung der grössten NZZ-Aktionäre, gegenüber persoenlich.com. Hummler mache, ebenso wie der gesamte Verwaltungsrat, einen "sensationellen Job". Daher solle Hummler sein Amt weiterhin ausführen können. Er habe seit seinem Amtsantritt im April 2011 viel in Bewegung gebracht und die NZZ so erneuert, dass das Medienhaus nun kein FDP-Netzwerk mehr sei, sondern ein solides Unternehmen, welches auf wirtschaftlich gesunden Beinen stehe. Van de Geest verweist aber auf die Geschäftsleitung und den Verwaltungsrat, welche die neue Situation beurteilen müssten. Die gleiche Haltung vertritt Konrad Hummler selbst. Er sagte Anfang Januar, dass der NZZ-Verwaltungsrat darüber befinden müsse, unter welchen Umständen er zur untragbaren Belastung werde (persoenlich.com berichtete). Diese Aussage gelte weiterhin. Mehr sei im Moment nicht zu sagen, erklärte Hummlers Medienbeauftragter gegenüber persoenlich.com.
Verwaltungsrat sieht keinen Handlungsbedarf
Wie gehen nun die Geschäftsleitung und der Verwaltungsrat mit der Situation um? CEO Albert Stäheli hat eine entsprechende Anfrage bis anhin noch nicht beantwortet. Der NZZ-Verwaltungsrat seinerseits sieht momentan keinen Handlungsbedarf. Dies hat der ehemalige FDP-Präsident und heutige NZZ-Verwaltungsrat Franz Steinegger bereits vor einer Woche gegenüber "10vor10" betont. Daran habe sich auch mit der nun bekannt gewordenen Anklage gegen die Bank Wegelin nichts geändert. Gegenüber persoenlich.com sagte Steinegger: "Wir werden die Lage im Verwaltungsrat an der nächsten Sitzung vom 3. März besprechen." Er sehe überhaupt keinen Anlass, eine frühere Sitzung einzuberufen, um das Thema proaktiv zu traktandieren.
Wer sich bei den Aktionären umhört, spürt Verärgerung über die Aufruhr und den öffentlichen Druck, für den die Medien verantwortlich gemacht werden. Erhard Lee, ebenfalls Mitglied der IG "Freunde der NZZ", findet klare Worte. "Mich befremdet es, wie die Medien Konrad Hummler vorverurteilen. Hummler hat nach schweizerischem Recht mit Sicherheit korrekt gehandelt und somit weder rechtlich noch moralisch Fehler gemacht, für die er verurteilt werden könnte", so Lee.
Text: Edith Hollenstein