Der Chefredaktor der für ihre Geheimdienstenthüllungen bekannten britischen Tageszeitung "The Guardian", Alan Rusbridger, hat seinen Rücktritt zum Sommer 2015 angekündigt. Im Kurzbotschaftendienst Twitter teilte der Journalist am Mittwoch mit, er habe das "Privileg" gehabt, 20 Jahren lang einen Posten innezuhaben, von dem aus er einiges habe bewegen können.
Will step down as editor in chief of the Guardian after 20 years next summer 3/3
— alan rusbridger (@arusbridger) 10. Dezember 2014Wer die Nachfolge des 60-jährigen Briten antreten soll, war nicht bekannt. Als künftiger Vorsitzender der gemeinnützigen Stiftung Scott Trust, der das Blatt gehört, bleibt Rusbridger der Zeitungsgruppe nach eigenen Angaben erhalten. Als Nachfolger der "sehr brillanten Liz Forgan" wolle er die "verlegerische Unabhängigkeit" und "langfristige finanzielle Stabilität" bewahren und schützen, von der die Zukunft abhänge.
Unter Rusbridgers Regie hatte der "Guardian" als erstes Medium die Aufsehen erregenden Dokumente des ehemaligen US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden über die Machenschaften des Geheimdiensts NSA veröffentlicht.
Unter dem Druck der Regierungen in den USA und in Grossbritannien wurde Rusbridger gezwungen, Festplatten mit brisanten Informationen Snowdens zu zerstören.
Bei einer Anhörung im Jahr 2013 im britischen Parlament bestritt der Journalist, die Sicherheit seines Landes gefährdet zu haben. Er führte damals zugleich aus, dass nur etwa ein Prozent der 58'000 geheimen Dokumente, die Snowden dem "Guardian" und anderen Zeitungen übergeben habe, veröffentlicht worden seien.
In der vergangenen Woche erhielt Rusbridger zusammen mit Snowden im schwedischen Parlament den Alternativen Nobelpreis - als Vertreter eines Mediums, das "gegen grosse Widerstände illegales Handeln von Unternehmen und Staaten enthüllt", wie es in der Erklärung des vom schwedisch-deutschen Philanthropen Jakob von Uexküll ins Leben gerufenen Stiftung Right Livelihood Award hiess. (sda/afp)