"Nicht einmal Medienschaffende können mehr korrektes Deutsch" oder "Die Medienschaffenden werden immer schlechter". Solche pauschale Behauptungen sind für Professor Peter Sieber, Prorektor an der Pädagogischen Hochschule Zürich, unbrauchbar, wie er in der Aargauer Zeitung (AZ) erklärt.
Die heutigen Medienschaffenden seien nicht einfach schechter als früher, das Problem sei vielmehr bei den Sparmassnahmen der Redaktionen zu finden. Einerseits laste ein viel grösserer Produktionsdruck auf den Journalisten, andererseits seien diese heute oft selbst dafür verantwortlich, dass ihre Texte in korrekter Sprache abgedruckt werden. Nicht selten werden aus Spargründen die Korrektoratsstellen gestrichen werden, so Sieber in der AZ weiter.
"Wir hatten in der Journalistenausbildung schon vor 20 Jahren Leute, die mit der deutschen Sprache auf Kriegsfuss standen", bestätigt auch Heiner Käppeli, Studienleiter an der Schweizer Journalistenschule (MAZ) in Luzern. Für ihn ist die Fehlerquote der journalistischen Texte aber auch folgendermassen begründbar: "Grammatik ist halt Anstrengung. Und: Mundart hat heute von Bereichen Besitz ergriffen, die früher der Hochsprache vorenthalten waren, auch in den Medien."
Auf die Frage, wieso das MAZ heute Kurse anbietet, die sich ausschliesslich mit der Sprache befassen, also unter anderem mit Grammatik und Orthografie, erklärt Käppeli gegenüber der AZ, dass das MAZ eigentlich andere Ziele habe, zum Beispiel der Umgang mit Textsorten oder die Textdramaturgie. "Der korrekte Gebrauch wäre Voraussetzung hierfür. Doch wir müssen heute auch an den Voraussetzungen feilen."