Frau Wenger, SRF hat erstmals aufgeschlüsselt, welche TV-Sendungen wie viel kosten. Warum haben Sie die Zahlen in Infotexte verpackt, statt sie in einer übersichtlichen Tabelle zu publizieren?
Wir wollten nicht nur die Angaben zu den Kosten der einzelnen Sendungen auflisten, sondern auch Informationen zu Inhalt und Umfang der verschiedenen Formate.
Warum haben Sie für "10vor10“, "Schweiz aktuell", "Glanz&Gloria", "SRF Meteo" und "SRF Börse" die Jahreskosten ausgewiesen, statt wie bei den anderen Sendungen die Kosten pro Folge?
Im Produktionsablauf für die täglichen Newssendungen gibt es grosse Kostenblöcke, die nicht auf die einzelnen Sendungen heruntergebrochen werden können. Dabei handelt es sich um die Techniker, die Korrespondenten oder die Produktionsmittel.
Was heisst das?
Regisseure, Kameraleute oder Bildmischer, die für die Nachrichtensendungen eingeteilt sind, arbeiten bei SRF in zwei Schichten. Jede Person ist innerhalb ihrer Schicht für mehrere Nachrichtensendungen im Einsatz. Auch die Korrespondenten arbeiten täglich für mehrere unterschiedliche Formate. Auf die Minute genau zu berechnen, wie lange ein Korrespondent oder ein Techniker für welche Sendung arbeitet, wäre unverhältnismässig aufwändig.
Wurden bei den 56,8 Millionen Franken Jahreskosten für die Nachrichtensendungen die Kosten für Nachrichten- und Bildagenturen einberechnet? Diese können sich ja durchaus auf Millionen-Höhe belaufen.
Generell weist SRF die Kosten aus, die in direktem Zusammenhang mit der Produktion einer Sendung stehen. Dabei handelt es sich vor allem um die Personalkosten der Redaktionen und der Techniker, um den Programmeinkauf und die Produktionsmittel. Zu den Produktionsmitteln gehören beispielsweise Studios, Kameras, Schnittplätze, Reportagewagen oder Mikrofone. Kosten, die nicht in direktem Zusammenhang mit der Herstellung einer Sendung gehören, sind nicht ausgewiesen. Unter diese Kategorie fallen auch die Kosten für Agenturen.
Und was ist mit den Kosten für Sportrechte?
Diese sind ebenfalls nicht enthalten, denn sie werden auf nationaler Ebene ausgehandelt. Tatsache ist Folgendes: Der Erwerb von Übertragungsrechten für Sportanlässe kostet die SRG SSR viel Geld – insbesondere in den geraden Jahren, in denen die Olympischen Sommer- und Winterspiele und die Fussball-Europa- oder -Weltmeisterschaften stattfinden. Es ist nicht möglich, die Rechtekosten offenzulegen. Zum einen verbieten das viele Verträge, zum anderen würde es laufende Verhandlungen mit den Vertragspartnern gefährden: Wer ausgehandelte Rabatte veröffentlicht, erhält keine mehr. Die Sportfans kommen dank guter Verhandlungen der SRG SSR in den Genuss einer vielfältigen Sportübertragung und -berichterstattung.
Und inwiefern sind bei den Sendungen die Kosten für die bereit gestellte Infrastruktur einberechnet, etwa für das Studio oder die Amortisation?
Wie ich bei der zweiten Antwort erklärt habe, sind diese Kosten inbegriffen, inkl. die Amortisation.
Wie wurden die Kosten für das umfangreiche SRF-Archiv einberechnet?
Das ist schwierig auseinanderzuhalten: Der Bereich Dokumentation und Archive hat vielfältige Aufgaben, dazu gehören die Recherche für Redaktionen im Vorfeld von Sendungen, die Archivierung unserer Angebote nach der Ausstrahlung sowie die Erhaltung des Langzeitarchivs, also die Digitalisierung alter Film- und Audiobänder.
Wie gross ist das Archiv in Stellenprozenten ausgedrückt?
Dokumentation und Archive umfasst gut 55 Vollzeitstellen. Zu den umfangreichen Aufgaben des Service-Centers gehören unter anderen die Archivierung und Erschliessung sämtlicher unserer Produktionen in Radio, TV und Online im Umfang von etwa 10‘000 Stunden pro Jahr; die Beschaffung und Aufbereitung von Musik, Fotos und Videomaterial von Externen sowie die Recherche nach Foto-, Video- und Audiomaterial. Ausserdem sind verschiedene Projekte im Gang, um das Audio- und Video-Archiv von SRF zu erhalten. Jährlich werden rund 30‘000 Stunden digitalisiert und aufbereitet.
Warum ist "Aeschbacher" auf die Sendeminute heruntergerechnet doppelt so teuer wie der "Club"?
Prinzipiell sind Studiosendungen günstiger als Sendungen, die extern produziert werden. "Aeschbacher" wird jeweils in der Laborbar in Zürich aufgezeichnet.
Factual-Entertainment-Formate wie "Jobtausch" und "Verkehrte Welt" kosten durchschnittlich 183‘000 Franken pro Folge. Was macht sie so wahnsinnig teuer?
"Jobtausch" und "Verkehrte Welt" sind beliebte Formate zur Primetime. An Produktionen, die am Hauptabend ausgestrahlt werden, hat unser Publikum hohe Ansprüche, da es mit Sendungen im Ausland vergleicht.
Was heisst "beliebt", resp. welchen Marktanteil diese Sendungen?
"Jobtausch" erreichte mit der Staffel 2014 568‘000 Zuschauer, was einem Marktanteil von 33,6 Prozent entspricht und "Verkehrte Welt" erreichte 513‘000 Zuschauer, resp, 31,5 Prozent Marktanteil.
Fragen: Edith Hollenstein (SRF wollte schriftlich antworten).