Das Fotoshooting für den Bauernkalender 2012 läuft auf Hochtouren. Szenen von grossen Meistern wie Albert Anker oder auch Rudolf Koller und Giovanni Segantini werden dabei auf moderne Art nachempfunden. Realisiert werden die Bilder seit acht Jahren von der Agentur magicfox. "persoenlich.com" wollte vom Geschäftsführer Mike Helmy wissen, warum er die alten Meister in die Erotik-Ecke drängt und ob das nicht einer Verunglimpfung gleich kommt. Zum Interview:
Mike Helmy, neu werden die Bäuerinnen zwar fast nackt, aber nach alter Väter Sitte posen: Ihre Vorbilder sind die Bilder von Anker, Koller, Segantini etc. Wie kamen Sie auf diese Idee?
Wir orientieren uns diesmal an den bekannten Bauernmalern, weil ihre Bilder vom Thema her zu uns passen. Ihre Sujets sind unsere Inspiration. Wir wollen aus ihren alten Bildern ein modernes Foto kreieren.
Ist das nicht eine Verunglimpfung der alten Meister?
Es ist uns bewusst, dass einige Leute das kritisieren werden. Aber ich denke, wenn die heute noch leben würden, fänden sie es auch toll. Sie waren Künstler und unser Fotograf ist es auch. Er lässt sich durch Ihre Ideen befruchten. Wir verwüsten die Gemälde ja nicht, sondern versuchen sie einfach modern umzusetzen.
Können Sie ein Beispiel machen?
Zum Beispiel das Mädchen mit dem Huhn von Albert Anker. Bei ihm füttert es das Tier. Bei uns sieht das Mädchen sexy aus und trägt das Huhn am Schluss auf der Schulter. Ich denke, Albert Anker würde das Bild heute auch nicht mehr so malen wie früher.
Erkennt man das einstige Kunstgemälde hinter Ihren Bildern?
Ja natürlich. Aber wir werden das Original jeweils auch abbilden - "dubelisicher" für die etwas weniger Kunstbeflissenen...
Den Bauernkalender gibt es 2012 zum achten Mal. Müssen Sie mit den alten Meistern werben, weil das Interesse daran schwindet?
Nein. Überhaupt nicht. Die Nachfrage bleibt gross. Wir verkaufen seit drei Jahren jeweils 20'000 Exemplare. Mehr drucken wir bewusst nicht, weil wir den "exklusiven Faktor" beibehalten wollen.
Sie wollen die Auflage also auch längerfristig nicht steigern?
Nein. Aber wir expandieren jetzt ganz neu nach Deutschland mit einem echten deutschen Bauernkalender und in zwei Jahren versuchen wir dasselbe mit Österreich. Sie sehen: Viele wollen den Kalender totreden - dabei erlebt er in gewissen Bereichen geradezu eine Blüte.
Wer macht die Fotos?
Diesmal ist der Fotograf Michael Steiner. Er wird auch die Fotos für unseren Schweizer Männerkalender und für den deutschen Bauernkalender machen.
Sie sind bereits beim dritten und letzten Shooting-Tag. Diesmal sind Sie in verschiedenen Regionen des Kantons Freiburg unterwegs. Wie läuft es?
Sehr gut. Die Landschaft ist einmalig schön und das Wetter sehr launisch. Für schöne Bilder sind das ideale Voraussetzungen. Wir arbeiten mit 13 Bauerntöchter und Bäuerinnen zusammen. Sie sind Amateurinnen, machen es aber echt sehr gut. Zuerst braucht es natürlich immer eine kleine Aufwärmphase. Danach versuchen wir das Schöne, Aufregende aber auch Authentische der Mädels herauszuholen und sie ins beste Licht zu rücken.
Sie sagen, die Mädchen seien sehr professionell. Sind Sie besser als Ihre Vorgängerinnen?
Das nicht. Aber die Verbundenheit zur Natur und dem Bauernhof ist ganz echt. Früher durften auch Mädchen posieren, die einfach nur tierlieb sind. Heute machen ausschliesslich junge Frauen mit, die auf einem Bauernhof aufgewachsen sind oder sogar selbst als Bäuerin arbeiten. Heute ist diese Beziehung für uns ein Must, denn sie sollen ja echte Botschafterinnen der Schweizer Landwirtschaft sein.
Gegen wie viele Bewerberinnen mussten sie sich durchsetzen?
Es waren wie in früheren Jahren auch zirka 300 Bewerberinnen.
Wie vermarkten Sie den Bäuerinnenkalender?
Hauptsächlich über e-Commerce. Bis zu 90 Prozent wickeln wir über das Internet ab. Ein paar Exemplare verkaufen wir in ausgewählten Buchläden, dann haben wir natürlich unsere Stammkunden und gewinnen durch Mund zu Mund Propaganda auch immer wieder neue dazu.
Interview: Christine Schnyder