Anwalt empört über "Vorführung"

Affäre Kachelmann - Vorgehen laut Gerichtssprecher mit Wettermoderator abgesprochen.

Jörg Kachelmanns Anwalt wirft der Mannheimer Staatsanwaltschaft vor, seinen Mandanten beim Gerichtstermin vom Mittwoch zur Schau gestellt zu haben. Diese verweist ans Amtsgericht, die für das Vorgehen verantwortlich sei. Nach Angaben eines Sprechers des Mannheimer Amtsgerichts war das Vorgehen jedoch mit dem TV-Wetterexperten abgestimmt. Kachelmann sei damit Gelegenheit gegeben worden, sich gegenüber der Presse zu äussern. Auch könne ein Informationsanspruch der Öffentlichkeit "nicht ohne weiteres beiseite geschoben werden".

Nach seiner Vernehmung durch das Amtsgericht war der 51-Jährige am Mittwoch über den Hof des Gebäudes zu einem Gefangenentransporter geführt worden. Dort warteten Journalisten mit Kameras und filmten die Szene. Darüber empörte sich Kachelmanns Medienanwalt Christian Schertz und sprach von einer "Vorführung". "Mir ist kein Fall in der deutschen Pressegeschichte bekannt, wo es die Justiz ermöglicht hat, dass ein blosser Beschuldigter vor laufenden Kameras in eine grüne Minna weggeschlossen wurde", kritisierte er. Der Staat müsse dafür sorgen, dass auch ein Beschuldigter "nicht ohne Not in einer für ihn unwürdigen Situation abgebildet wird".

Der TV-Wetterexperte Kachelmann sitzt wegen des Verdachts der Vergewaltigung seiner früheren Lebensgefährtin in Untersuchungshaft. Er bestreitet diese Vorwürfe aber. Ein Entscheid des Haftrichters über die Fortsetzung der Untersuchungshaft steht auf Antrag von Kachelmanns Verteidigung noch aus. (sda)