Bei der Ombudsstelle der SRG Deutschschweiz sind im vergangenen Jahr insgesamt 1114 Beanstandungen eingegangen. Das waren praktisch gleich viele wie im Vorjahr - und erneut fast doppelt so viele wie 2019. Die «Welle der Beanstandungen» ist auf die Corona-Pandemie zurückzuführen, wie aus dem am Dienstag veröffentlichen Jahresbericht hervorgeht.
Die Personen, die sich an die Ombudsstelle wandten, kritisierten häufig, dass das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) zu häufig über die Pandemie berichtet und damit andere Themen vernachlässigt habe.
Zudem beanstandeten sie, dass die Corona- Berichterstattung zu regierungstreu sei, die impfskeptischen Bevölkerungsteile verteufelt würden oder die Demonstrationen von Massnahmengegnerinnen und -gegnern zu wenig Beachtung fänden.
Die Ombudsstelle stellt den Verantwortlichen trotz dieser Flut von Corona-Beanstandungen ein gutes Zeugnis aus: Sie habe in den wenigsten Fällen eine Verletzung des Sachgerechtigkeitsgebots festgestellt, heisst es im Jahresbericht. «SRF hat mehrheitlich ausgewogen und den Aktualitäten der Ereignisse angemessen berichtet.»
Diese Einschätzung dürfte auch von der Mehrheit der Radio- und Fernsehkonsumenten geteilt werden, schreiben die Ombudsleute. Denn mit den Beanstandungen hätten sich «die Vertreterinnen und Vertreter von Minderheitsmeinungen überdurchschnittlich viel Gehör verschafft».
Die Ombudsleute stellen auch einen Trend zu «Sammelbeanstandungen» fest. Politische Repräsentanten und Organisationen würden sich organisieren und auf Social-Media-Kanälen zu Beschwerden aufrufen. «Das führt dazu, dass Beanstandungen zu einer Sendung mit ähnlichem Wortlauf dutzendfach eingereicht werden.» Auch wenn die Ombudsstelle immer häufiger nur einen Schlussbericht verfasse, sei der administrative Aufwand dennoch erheblich.
Von den insgesamt 1114 Beanstandungen, die 2021 eingegangen sind, wies die Ombudsstelle der SRG Deutschschweiz über 90 Prozent ab. (sda/mj)
05.04.2022
SRG
Anzahl der Beanstandungen bleibt hoch
2021 gingen bei der SRG-Ombudsstelle fast so viele Beanstandungen ein wie im Vorjahr. Grund war wieder die Corona-Pandemie. Was auffällt: «Sammelbeanstandungen» werden immer populärer.
Die SRG-Ombudsstelle verzeichnete 2021 fast doppelt so viele Beanstandungen wie im Jahr 2019. (Bild: Keystone/Ennio Leanza)
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