Der US-Medienriese Time Warner zieht nach acht verlustreichen Jahren einen Schlussstrich unter einen milliardenschweren Irrtum: Der Konzern entlässt seine defizitäre Internet-Tochter AOL in die Selbstständigkeit und verschenkt sie an seine Anteilseigner. AOL werde am 9. Dezember aus dem Konzern herausgelöst und am folgenden Tag als eigenständiges Unternehmen an der Börse gehandelt, teilte Time Warner am Montagabend nach Börsenschluss mit.
Wer zum Stichtag 27. November Aktien von Time Warner besitzt, soll jeweils einen neuen AOL-Anteilsschein für elf Time-Warner-Papiere erhalten. Time Warner will die verbleibenden Anteile auf dem freien Markt verkaufen und die Einnahmen als Gewinn an die Aktionäre ausschütten, denen Teile einer AOL-Aktie zugestanden hätten. Ausserdem erhalten die Time-Warner-Aktionäre eine unveränderte Quartalsdividende von 0,1875 Dollar je Anteilsschein.
Zum Zeitpunkt der Fusion im Januar 2000 wurde AOL mit 163 Mrd. Dollar bewertet. Der aktuelle Marktwert der Internettochter läge basierend auf dem Schlusskurs der Time-Warner-Aktie bei 3,44 Mrd. Dollar. Mit dem Mega-Zusammenschluss wollte Time Warner, der Sender wie CNN, HBO und die Filmstudios Warner Bros. besitzt, seine Inhalte über das Internet verbreiten. Das Geschäft zahlte sich für den Konzern aber nie aus. Ohne AOL will der Medienriese zu seinen Wurzeln mit dem Fokus auf Kabelsender, Filmstudios und dem Verlagsgeschäft zurückkehren.
AOL-Chef Tim Armstrong will sich künftig im Gegensatz zu Yahoo und Microsoft, die mit Google auf dem Suchmaschinenmarkt konkurrieren, auf Online-Inhalte, Kommunikation und Werbung konzentrieren und im Gegenzug das Geschäft mit Internetzugängen aufgeben. Der frühere Google-Manager setzt damit auf Einnahmen von Firmen, die auf der AOL-Website oder Partnern wie den Promidienst TMZ.com Werbung schalten. Der Markt dafür ist aber durch die globale Rezession besonders stark geschrumpft. (sda)