"Armin Walpen ist ein Opfer seiner eigenen Überheblichkeit"

Klaus J. Stöhlker - Seit Tagen wird Armin Walpen von einer medialen Lawine überrollt. Nach Jahren grosser Erfolge wird der SRG-Generaldirektor nun als herrischer "Sonnenkönig" porträtiert, der auf Kosten der Gebührenzahler teure Sportkarossen fahre und in Luxushotels absteige. PR-Profi Klaus J. Stöhlker prognostiziert im Interview mit "persoenlich.com", dass die Sache für Walpen noch lange nicht ausgestanden ist:

Herr Stöhlker, wie analysiert der PR-Profi die Lage von SRG-Generaldirektor Armin Walpen?

Armin Walpen hat Probleme auf zwei Ebenen: einmal auf der persönlichen, weil er nach zehn Jahren grosser Erfolge die Fuhre eindeutig überladen hat. Zum Zweiten wird die SRG aufgrund ihrer Macht nun plötzlich kritisch betrachtet. Es sieht so aus, als sei der Staatssender an seine Grenzen gestossen.

Wo wurde die Fuhre überladen?

Einerseits natürlich mit der Androhung einer weiteren Gebührenerhöhung. Andererseits arbeiten immer mehr Beamte in Walpens Unternehmen. Zu nennen sind hier etwa sein Stellvertreter Daniel Eckmann, aber auch Achille Casanova, der künftig dem Publikumsrat vorstehen wird. Hinzu kommt, dass man sich fragt, wie gut die neue Programmdirektorin Ingrid Deltenre wirklich ist. Man spürt hier eindeutig eine gewisse Unzufriedenheit.

Wie schätzen Sie Walpens Reaktion auf die Kampagne gegen seine Person ein?

Ich glaube, er wurde von diesen Angriffen völlig überrascht. Die Untersuchung, die das Departement Leuenberger anberaumt hat, war nämlich zuerst mehr als Rechtfertigung der SRG gedacht. Doch das ist nun völlig aus dem Gleis gelaufen. Und dies weil Ringier, bis anhin eigentlich ein treuer Verbündeteter der SRG, zum Angriff geblasen hat.

Wo sehen Sie die Ursachen der Ringier-Attacken?

Ich gehe davon aus, dass die Kampagne auf einen individuellen Entscheid der Blick-Chefredaktion zurückzuführen ist. Ich stelle im Hause Ringier schon länger eine gewisse Führungslosigkeit fest. Da ist im Verlag offensichtlich die Kontrolle verloren gegangen.

Was hat Walpen selber falsch gemacht?

Falsch gemacht hat er bis jetzt noch gar nichts. Er ist nur überrascht worden. Seine Mediensprecherin Josepha Haas, die noch nie sehr stark war, hat ihn für einmal nicht genügend schützen können. Die Sperre ist durchbrochen worden.

Was würden Sie Walpen zum jetztigen Zeitpunkt raten?

Die SRG befindet sich wohl in der schwierigsten Situation seit mindestens fünfzehn Jahren. Walpen als Direktor ist nun wirklich gefordert. Er muss jetzt Ruhe und Sicherheit herstellen. Wenn er klug ist, wartet er die Untersuchung seines Unternehmens ab. Die SRG ihrerseits muss Folgendes tun: Erstens muss sie den Informationsbereich im Fernsehen stärken. Und zweitens muss Walpen die Glaubwürdigkeit der SRG wieder herstellen, wenn er sich noch Chancen auf eine Gebührenerhöhung ausrechnen will. Entschiedenes Handeln ist auch in der Personalpolitik gefordert, denn es ist absolut überzogen, wie viele Angestellte die SRG beschäftigt.

War es richtig, dass Walpen im Blick seinen Lohn transparent gemacht hat?

Nein, das war ein Fehler. Auch hier zeigt sich, dass Walpen ein Opfer seiner eigenen Überheblichkeit ist. Der SRG-Direktor sah sich zu lange geschützt vom Bund, nun aber stolpert er über dieses gute Verhältnis. Er muss jetzt lernen, besser mit dem Privaten umzugehen.

Und wie interpretieren Sie Walpens Schuldzuweisung im Blick vom Mittwoch, seine Sprecherin habe Fehler in der Lohnauflistung gemacht?

Walpen ist offensichtlich bereit, eine seiner engsten Mitarbeiterinnen zu opfern. Mit seiner Schuldzuweisung ist das Vertrauensverhältnis nun wohl gebrochen. Josepha Haas wird tödlich beleidigt sein. Seine Handlung war also nicht sehr klug und zeigt, dass er sich offensichtlich sehr bedroht fühlt, denn sonst würde er so etwas nie machen. Auch hier zeigt sich, dass der Mann nie mit solch einer Attacke gerechnet hat. Auf den Walliser donnert eine Lawine zu, ohne dass er zuvor Schutzvorrichtungen montiert hätte.

Wie gefährlich ist die Situation gegenwärtig für Armin Walpen?

Um beim Lawinenvergleich zu bleiben: Walpen ist im Moment unter der Lawine, aber er ist noch nicht tot. Und es sieht so aus, als bleibe der Generaldirektor wohl für Monate in einem rutschigen Terrain. Er muss aber auch einsehen, dass er die Lawine selber ausgelöst hat.