Auch 2009 in den roten Zahlen

SRG - Radio und Fernsehen fordern mehr Einnahmen.

Die SRG schreibt seit vier Jahren Verluste. 2009 waren es 46,7 Millionen Franken. Und auch für die nächsten Jahre rechnet die SRG mit Defiziten. Um das Ruder herumzureissen, setzt sie ihre Sparpläne fort, fordert aber auch Hilfe von der Politik. "Unsere Lage ist ernst, katastrophal ist sie aber nicht", sagte der Verwaltungsratspräsident der SRG SSR idée suisse, Jean-Bernard Münch, am Dienstag vor den Medien in Bern. Um sich aus der Schieflage zu befreien, bedürfe es aber dezidierter Schritte.

Allzu lange kann das öffentlich-rechtliche Radio und Fernsehen nämlich mit der Defizitwirtschaft nicht fortfahren. Seit 2006 summieren sich die Verluste bereits auf 166,8 Millionen Franken. Im laufenden Jahr ist erneut ein Defizit von 75 Millionen Franken budgetiert, und 2011 sollen es 42 Millionen Franken sein. Die SRG will dem Trend mit Sparmassnahmen entgegenwirken. So beschloss der Verwaltungsrat letzten Februar die Supportbereiche zu reorganisieren und damit bis 2014 rund 100 von 735 Vollzeitstellen einzusparen. Die Sparanstrengungen seit 2005 werden auf 100 Millionen Franken beziffert. Im letzten Jahr blieb der Personalaufwand mit einem Plus von 0,5 Prozent praktisch stabil.

Entgangene Werbeerträge

Finanzchef Daniel Jorio sieht die Gründe für die Defizite deshalb auf der Einnahmenseite. Letztes Jahr habe die Wirtschaftskrise zu einem Einbruch der Werbeerträge um 9 Prozent geführt. Die Defizite seien aber vor allem strukturell begründet. So entgingen der SRG SSR idée suisse Werbeerträge, weil sie im Gegensatz zur Konkurrenz keine Unterbrecherwerbung senden und keine Online-Werbung machen dürfe. Gleichzeitig dürften ausländische Sender Schweizer Werbefenster ausstrahlen.

Eine Benachteiligung sehen die SRG-Verantwortlichen auch in den "restriktiven Regeln" für das Sendungs-Sponsoring. Zudem würden den öffentlich-rechtlichen Sendern in der Schweiz die Ausfälle nicht kompensiert, die durch die Gebührenbefreiung etwa von einkommensschwachen Personen entstehen.

Eigenkapital sinkt, Verschuldung steigt

Unter dem Strich führen die Defizite dazu, dass das Eigenkapital ab- und die Verschuldung zunimmt. Seit 2006 sank der Anteil des Eigenkapitals an der Bilanz von 50,4% auf 41,4% Ende 2009. Gemäss der Finanzplanung werden es Ende 2011 nur noch 30,8% sein. Gleichzeitig steigen die Anleihen von 200 Millionen im Jahr 2008 auf 455 Millionen im Jahr 2011. Daran würden auch bereits eingeleitete weitere Sparmassnahmen nichts ändern. Kurzum: Trotz Lohnnullrunde im laufenden Jahr, eines Investionsstopps sowie des angestrebten Verkaufs von vier Immobilien im Wert von 90 Millionen Franken braucht die SRG mehr Geld. "Ohne zusätzliche Mittel sind wir nicht in der Lage die Verschuldung zu stoppen", warnte Jorio.

Die Verantwortlichen von Radio und Fernsehen legten sich nicht fest, welche Massnahme sie privilegieren. Jean-Bernard Münch erklärte, die Entscheide müsse der Bundesrat fällen.

Streichung ganzer Programme möglich

In Bezug auf eine Gebührenerhöhung präzisierte er, dass die Schweiz zwar im Vergleich zu anderen kleinen Ländern hohe Gebühren verlange. Dies liege aber am Spezialfall Schweiz - vor allem an ihrer Viersprachigkeit. Will der Bundesrat nicht zusätzliche Einnahmen gewähren, stehen laut Münch einschneidende Schnitte bevor. In diesem Falle sollen "für den Service public nicht zentrale Angebote" gestrichen werden, etwa "Virus" oder "Option musique".

Man habe sich dagegen entschieden, gewisse Sendungen aus den Programmen zu streichen. Damit würden nämlich bloss die Service public-Sender geschwächt. SRG-Direktor Armin Walpen wollte auch nicht damit drohen, auf die teuren Übertragungen von Sportgrossanlässen zu verzichten. Diese Anlässe führten zwar jeweils zu höheren Defiziten, brächten aber auch Werbeerträge und höhere Zuschauer- und Nutzerfrequenzen. Nur teilweise mit den Sparzwängen im Zusammenhang steht das Konvergenz-Projekt, bei dem Radio, Fernsehen und Online näher zusammenrücken sollen. (sda)