In der Kontroverse über die Einführung der DAB-Technologie in der Schweiz verweisen Turbo-Digitalisierer gerne auf England als Musterland. Auf der Insel sei der Umstieg auf die neue Technologie rasch gelungen und DAB-Geräte bereits millionenfach im Betrieb.
Dieses Bild muss nun möglicherweise korrigiert werden. Eine unlängst publizierte Studie von Enders Analysis kommt zu einem vernichtenden Urteil, was die Zukunftsperspektiven des DAB-Radios in England betrifft. Sie warnt davor, dass die DAB-Technologie schon bald das selbe Schicksal ereilen könnte wie seinerzeit Betamax beim Video. Dies berichtete die britische Tageszeitung "The Guardian" unlängst in einem ausführlichen Artikel.
"Die Radiobranche muss endlich damit aufhören, sich in der Öffentlichkeit pausenlos mit den Wunder der DAB-Technologie zu brüsten, und stattdessen endlich eine ehrliche Debatte führen", so die dringliche Empfehlung der Studienverantwortlichen.
Sie stellen fest, dass ein Exodus der Radiostationen aus der DAB-Plattform eingesetzt hat, der fast schon Züge einer panischen Flucht trage. So hätten drei der grössten Radio-Konzerne ihr Engagement zur DAB-Plattform in den vergangenen Monaten stark reduziert. Die Präsenz von reichweiten Radiostationen wurden ersetzt durch einen Mix aus ethnischen, religiösen und nichtkommerziellen Sendern.
Dass bekannte Digitalradiosender den Betrieb jüngst eingestellt haben und andere dabei sind, ihr Programmangebot zurückzufahren, offenbaren laut der Studie die gravierenden Probleme der neuen Technologie: Zu viele Sender, nicht genügend Konsumenten, die über Geräte verfügen und zu wenig Enthusiasmus für DAB von Seiten der Hörerschaft und der Werbeindustrie.