Wie Nina Siegrist in den Schaffhauser Nachrichten schreibt, behandelt der Kantonsrat demnächst zwei von SP und SVP gemeinsam eingereichte Vorstösse. Der eine verlangt einen einmaligen Beitrag von 30'000 Franken aus dem Lotteriefonds für das Schaffhauser Fernsehen, der andere einen runden Tisch von Politik, Wirtschaft und Medienschaffenden, der längerfristige Massnahmen erarbeiten soll. «Wir befürworten beides», hält Siegrist fest. Anders als viele Kantone kenne Schaffhausen bisher keine Medienförderung.
Das Lokalfernsehen, das ohne Konzessionsgelder auskommt, überlebt derzeit nur dank Supporter-Beiträgen: Nach einer Rettungsaktion decken zehn Private das Jahresdefizit von rund 50'000 Franken. Für den Erhalt des Senders spricht aus Siegrists Sicht die Reichweite – laut unabhängiger Messung täglich rund 34'000 Zuschauende – sowie die Plattform, die der Sender lokalen Persönlichkeiten, Unternehmen und Vereinen bietet. Zudem bilde man Mediamatikerinnen und Mediamatiker aus. «Wir halten den Versuch einer Lebenserhaltung jedenfalls für vertretbar», schreibt sie.
Dass sich das Mediengeschäft überhaupt «quersubventionieren» lässt, verdankt der Verlag laut Siegrist seiner Mehrheitsaktionärin, der Carl Oechslin Stiftung. Erwirtschaftet werden soll das Geld mit dem Immobilienportfolio, der Kommunikationsagentur und weiteren Geschäftsfeldern, die erst im Aufbau sind. Vorerst und wohl auch längerfristig sei das Haus auf Stiftungsbeiträge angewiesen, etwa des Innovationsfonds für multimedialen Journalismus oder des Media Forward Fund.
Als Ursache der Krise nennt Siegrist den Strukturwandel: Der Grossteil des Schweizer Werbemarkts geht inzwischen an US-Plattformen. «Das duale Geschäftsmodell aus Anzeigen- und Abonnenteneinnahmen funktioniert nicht mehr», schreibt sie. Welche Massnahmen dagegen wirken könnten, sei offen und müsse gemeinsam erarbeitet werden. Als möglichen Ansatz nennt sie einen Vorschlag aus der Region: Gaudenz Looser, früherer Chefredaktor von 20 Minuten, hat ein Konzept zur steuerlichen Privilegierung von Werbung in klassischen Medien erarbeitet. Der Schaffhauser würde es im Kanton gerne in einem Pilotversuch testen. Ein Gespräch darüber sei keine Zeitverschwendung: «Diesen Diskurs zu verweigern, wäre ein falsches Signal.»
Vor einer Woche hat Verwaltungsratspräsident Marcel Kohler ebenfalls in den Schaffhauser Nachrichten ähnliche Forderungen präsentiert (persoenlich.com berichtete). Auch er nannte den Abfluss der Werbegelder als Hauptursache, hielt eine indirekte Förderung für angezeigt und begrüsste den runden Tisch. Zur Lage des Unternehmens sagte Kohler, dieses schreibe schwarze Zahlen und ein «Lichterlöschen» sei kein Thema. (nil)